Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1917
- Issue
- Nr. 4 - April
- Date
- 1917-04-01
- Page
- Seite 46 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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tu er losschlagen, ob es Sinn bat «der nicht. So -schmerzlich diese Wahrnehmung ist, so trauervoll die •Gerechtigkeit darüber ihr Oesicht verhüllt, unsere Logenarbeit hat uns doch im Laufe 'der Zeit die Schwermut aus dem Herzen genommen, sie hat uns aus dem Alpdruck des Gefühls herausgerissen, sie hat uns innerlicn gestählt, sie hat es nicht zugelassen, daß wir in Stumpfheit und Niedergeschlagenheit verfallen. Sie hat uns unsere Eigenart wertvoller gemacht, sie hat uns gelehrt, unsere Eigenart, unser jüdisches Selbstbewußtem zu verfeinern, zu erhöhen. W Woran liegt es, daß unser Orden solche Wirkungen ausübl? Es ist, daß er es zum klaren, unzweideutigen Ausdruck gebracht hat urd noch bringt, was an - guten und starken Eigenschaften im Charakter der Judenheit lebt und webt, daß er vollenden will, was wir mit.vollem Herzen ersehnen und was seine besten Brüder und Schwestern bewußt erkannt haben, , und an dessen Erfüllung sie unablässig arbeiten. Was gab uns Flügel, uns in die Höhe zu schwingen? Es ist der unerschütterliche Glaube an -difc Ideale der Menschheit trotz zeitiger Verdunkelung^ dejr Glaube an unsere gute Zukunft, die Arbeit und die Hoffnung auf Erlösung.- Maretzki. I ' I * -' -' '• I * I Das deutsche Judentum befindet sich -f nicht erst seit heute und gestern — in einem Stadium der Gefährdung seiner Fortexistenz von innen heraus. Zwei schleichende Uebel sind es insbesondere, von denen ts dauernd bedroht ist: großstädtische Degeneration und Abfall der in die Höhe gelangenden Schichten. Was insbesondere die letztere Gefahr anbetrifft, so ist zu fürchten, daß der Abbröckelungsprozeß — das religiöse Band allein kann das nicht verhindern — in immer schleuniger werdendem Tempo weitergehen wird, wenn es nicht gelingt, zu erreichen, daß es auch sozial und politisch geradezu eine Ehre und ein Vorzug wird, dem Judentum anzugehören. Damit, daß man der drohenden Entrechtung begegnet, ist keineswegs genug getan;, es muß vielmehr unbedingt ein erhsblscher Zuwachs an Geltung, Ansehn und führender Bedeutung erstreht werden. Man kann das auch wie folgt formulieren: die Masse der deutschen Juden darf nicht dauernd auf der Stufe eines Händlertums mittleren Ranges stehen bleiben.' Es genügt jedoch auch nicht, daß der als notwendig erkannte Zuwachs an Geltung, Ansehen und -führender Bedeutung sich auf die Gebiete der gewerblichen Organisation beschränkt. Auf die Spitze .getrieben heißt das: selbst wenn es der Masse der deutschen Juden gelingen sollte,' Kommerzienräte und Bankdirektoren zu werden, würde dies doch nicht die Existenz de« deutschen Judentums auf eine sicherere Basis stellen. Das liegt an der Eigenart der deutseben Entwickelung Die eigentliche Führung und die eigentliche Ehre in den deutschen Staaten hat und wird haben: der höhere Regierungsbeamte und mehr noch als dieser der Berufsoffizier. Will also das deutsche Judentum vorwärts kommen, und, was dasselbe in seinem Falle ist, nicht verkümmern, so muß es sich den breiten Zugang zu diesen Bahnen erobern. Bisher beschränkten wir uns. nach dieser Richtung hin im wesentlichen auf hoffnungslose Proteste und waren im Grunde froh und zufrieden, in den sogenannten freien Berufen nicht allzu sehr behindert zu werden. Dieses Begnügen führt aber zur Stagnation und hat schon in weitem Malie dazu geführt. Das ausschließlich kaufmännische Milieu ist (ür keine Art, auch nicht für die unsere, auf die Dauer eine ausreichende und gesunde Pflanzstätte. Seine gesunde Ergänzung bildet aber der höhere militärische Beruf. Er verhindert die Verweichlichung, hält in Fühlung mit den kräftigsten Volksschichten und wird, so lange, es einen deutschen Staat gibt, als der im eigentlichsten Sinne staatserhaltende Beruf Geltung haben, er ist zugleich der Schlüssel zum höheren Verwaltungsdienst. In England und Nordamerika mögen die Dinge anders liegen; dort mag daher das Ziel, dem die Juden - schatten zuzustreben haben, ein anderes sein — — w i r aber leben in einem seit jeher rings von Feinden umgebenen Lande, dessen vornehmste Aufgabe es auch in Zukunft bleiben wird, sich dieser Feinde zu erwehren. Daher kann ein Bestandteil des deutschen Volkes, der nicht in großer Zahl berufsmäßige Führer für die militärischen Aufgaben stellt, nicht hoffen, jemals volle Geltung in seiner Mitte zu erringen. Das müssen wir viel fester und klarer ins Auge fassen, als wir das bisher zu tun gewohnt sind. Mit welchen Mitteln das soeben als notwendig ' Erkannte politisch zu erstreben ist, kann nicht Aufgabe dieser lediglich für die Ordensarbeit bestimmten Betrachtungen sein. Nur soviel muß gesagt werden, daß die Erringung des Ziels die größte Anspannung aller unserer politischen Kräfte und das siegreiche Bestehen heißester politischer Kämpfe zur Voraussetzung hat. Denn klarer als wir haben seit langem schon die bisher führenden Schichten in Deutschland erkannt, daß hier der innerste Nerv ihrer Macht steckt, und daß die Ausschließlichkeit — 46 —