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Bericht der Großloge für Deutschland · 1916-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1916
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1916-02-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Jüdische Industriearbeiter. Von Rabbiner Dr. N e u h a u s -Ostrowo, Br. Präsident der Eger-Loge. Schrecklich ist das nun seit einem Jahre währende Elend und die wirtschaftliche Not unter der jüdischen Bevölkerung Russisch-Polens. Wie können wir nun zu unserem Teile sofort dagegen etwas tun? Nicht von der Wohltätigkeit und von Liebeswerken soll hier gesprochen werden, wiewohl ich nur rühmend an dieser Stelle sagen kann, daß die deutsche Juden-, heit noch nie versagte, wenn es sich darum handelte, Elend und Not zu lindern, sondern davon sollen diese Zeilen handeln, wie wir diesen Unglücklichen sofort helfen können auf eine Weise, daß sie selbst mit Hand anlegen können, um ihr Los etwas zu bessern. Melochoh w e l!a u Zedoloh, Arbeit und nicht Almosen, ist noch immer ein Wort unter der jüdischen Bevölkerung Polens, das seine Geltung überall hat. Der polnische Jude ist nicht faul und nachlässig in der Arbeit oder gar arbeitsscheu, und er verschmäht die Arbeit nicht. Er. willarbeiten, wenn er nur Arbeit findet Ihm Arbeitsgelegenheit und Arbeitsmöglichkeit zu verschaffen, ist d i e Forder u n g des Tages, -die Forderung der Stunde In Deutschland aber fehlt es infeige der Einberufungen allerorten an Arbeitern aller Art.; Aus diesem Grunde befördern mit Genehmigung "der Regierungsbehörden die Grenzämter der Deutschen Arbeiterzentrale, die ihre Zentrale in Berlin, ihre Agenturen aber in den größeren Städten des okkupierten Polens hat, Tausende von Arbeitern aus Polen nach Deutschland, jum dem dort so fühlbaren Arbeitermangel abzuhelfen. Der Hilfsverein der deutschen Juden und die Agudas Jisroel haben die „Zeichen der Zeit erkannt", und sie .haben im Sinne unserer Ausführungen Organisationen geschaffen, um aus dem okkupierten Gebiete auch jüdische» Arbeiter nach Deutschland zu ziehen. Diese Arbeit geschieht mit Genehmigung der deutsehen Regierung und wird von ihr anerkannt. Ja, es ist gleichsam eine vaterländische Tat i-m besten S i a n-e des Wortes, da diese Arbeiterzuführung die .Möglichkeit gewährleistet, daß unsere Fajbriken, Maschinenbauanstalten, Bergwerke -usw. ihr-en vollen Betrieb aufrechterhalten, und somit Deutschland auf der Höhe 'seiner Leistungsfähigkeit — auch im kriegstechnischen Sinne — halten können. Man wende nichrT ein; es errege Mißstimmung unter der deutschen Arbeiterschaft, wenn Nicht-' Reichsdeulsche an die Stelle der deutschen Arbeiter treten, sie verdrängen oder gar sie in ihrem Lohne r c h i e eitso lange bleiben sein in Pol :n Monat;n drücken. , Dem ist schon dadu Riegel vorgeschoben, daßd geführten Arbeiter nulr dürfen, als es wirklich an deutschen Arbeitern der t \ betreffenden Industriezweige mangelt. A^ndererse ts spricht auch die Tatsache dagegen, daß alle c ie jüdischen Arbeiter, denen bisher im Deutschen Reic ie Arbeitsgelegenheit verschafft worden ist, sich mit d :n übrigen Atbeitern gut vertragen haben;und no:h nichts von Reibungen bekannt geworden ist, obgleich vielleicht Reibungsflächen genug' vorhanden mögen. Nun abedie Hauptsache! Es gibt Arbeiter aller Art. Ich, der in den letzten mit Unterstützung des hiesigen Grenzamtes* der Deutschen'Arbeit;rzentrale andauernd für diese Arbeiti r Vermittlung tätig war, wüßte nicht, daß auch nur (in einziges Ma einem Arbeiter suchenden Arbeitgeber in Deutschlar d hätte geantwortet werden müssen; c ie gesuchte Arbeiterart gibt es unter den Juden in Pol :n nicht. Mir liegt zurzeit eine Liste der Handwerker und Gehilfen in den Gewerben und Industriezweig in der Stadt Lodz vor, welche folgende .allgemein interessierenden Zahlen enthält. Im deutschen Gewerbe können tätig sein: ,10000 Weber (5000 Meisler' und 5000 Gehilfen), 5000 andere Hilfsarbeiter Lei Webern, wie Kettenscherer, Treiberinnei, Stepperinnen,. Spulerinnen, Nüpperinnen usw., Schneie er 2000 Meiste!' und 3000 Gehilfen, 1001) Wäscr enäherinnen,- j&Oojo Schuhmacher, 50 Bautischler, 14 X) Möbeltischle| 1000 Bäcker, 1000 Fleischer, 700 Mal :r, 150 Schildermaler, 400 Klempner, 200 Schlösse, 15Q Glaser, 450 Mützenmacher und Kürschner, 4X) Friseure, 20(1 Uhrmacher, 100 Graveure und Juw eliere, 250 Drijtcker und Lithographen, ,250 Euchbind :r, 150 Tapezierer, 50 Sattler, 150 Schnitzer, 2 X) Bürstenmacher, 350 Tambourierer, 450 Arbeiter verschiedener kleiner Fächer; im ganzen 32 000 Handwerker, davon 10 165 Meister und 21835 Gehilfen. Dabd sind a le diese Zahlen nur Annäherungswerte, die. von der Wirklichkeit noch übertroffen, werden dürften. A le diese Arbeiter sind sofort verfügbar, sie wollen ge*n und sofort arbeiten. Das ist nur die jüdische Arbeiterzahl einer einzigen Stadt Polens. Aehnljch liegen die Verhältnisse in Warschau, Wilna, Pabianici:, Zdunska wola, Kaiisch, Sieradz, Konin, Kok>, Czeristochau und im ganzen Dombrowaer Kohlengebiet. — MB — I >ä

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