Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 10 - Dezember
- Date
- 1914-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Berlin, Dezember 1914. BERICHT Nummer 10 der GROSSLOGE FÜR UEÜTSC Eingetragener Verein Eigener Verlag der Grossloge. Bureau: W62, K Nachdruck sämtlicher Artikel aus diesen Berichten verboten. Inhalt: V>'a» erwarten wir als Juden vom gegen»artigen KriegtA - Wasich Am dem Büro der Oroliloge. — Die Tätigkeit des Kiiegshilfb.ih^di is>e» der Berti . -- Aus dem Verbände der Frau ^nvereine. — eiststr. 12 n Kriegs/cttcn jus der Bibel lese, icr Lo^cn l\ O.B.K. — Auswärtige L< 4üchersch.iu. — Ged.ichtrjisbuch. BLAND M ü. 0. ß. B. Telephon: Amt Lützow 4619. Postscheck: 16333. krie^sinVflliilen-f ür«orge. ^en (Aus Amerika,.B;isellnu Was erwarten wir als Juden vom gegenwärtigen Kriege? Von Br. E. Fin Man braucht kein Anhänger und , kein Lobre iner des Krieges zu sein; man braucht auch nicht ganz mit dem Philosophen des griechischen Altertums übereinzustimmen, der den Ausspruch getan hat:J(Der Krieg ist der Vater aller Dinge", und man wird doch zugeben müssen, daß der Krieg seine guten Seiten hat. Er zerstört, aber baut auch auf; tr entwertet, abtr er wertet auch um und schafft neue Werte. Er bej räbt vieles unter Trümmern, läßt jedoch neues Leben aus > den Ruinen entstehen. Vor allem aber weckt er nicht allein bei den Kriegführenden, sondern auch bei allen, die er mehr oder minder berührt, Hoffnungen und Erwartungen. — Was wir Juden von dem gegenwärt gen Krieg erwarten, wollen wir versuchen im folgenden darzutun. Zunächst erhoffen wir für unser geliebtes Vater and gleich allen unseren Mitbürgern anderer Konfessic neu als Preis der gewaltigen Opfer und Anstrengur gen einen ehrenvollen und dauernden Frieden, durch den unser Deutsches Reich in seiner Größe, Einheit und Freiheit gefestigt und instand gesetzt ist, seine h< hen Kulturaufgaben weiter auszubauen und zu pflegen. Aber als Bekenner des Judentums knüpfen wir roch andere Hoffnungen an diesen Krieg. — Es ist ja leider eine bekannte | und nicht zu verleugnende Tatsache, daß wir Juden trotz unserer Hingabe und Treue zu Kaiser und Reich in den letzten Jahrzehnten mar che Zurücksetzung erfahren haben und manche Ungerechtigkeit haben ertragen müssen, die uns tief schmeißte. Auf vielen Gebieten des Staats- und Wirtschaftetet >ens k el. sind wir zurückgedrängt worden, weil wir in einer anderen Form zu unserem Gott beten, als unsere Mitbürger. Bei Besetzungen von Stellen, .bei Verleihungen von Aemtern war nierjt die Eignung und Fär igkeit des Bewerbers, sondern die Konfession maßgebend. — Freilich haben wir diese Kränkungen dem Vaterlande nicht nachgetragen; im Gegenteil; in der Stuicle der Gefahr stellten wir uns ihm mit Begeisterung zur Verfügung; unsere Söhne eilten in hellen Scharen zu den Fahnen, kämpfen Schulter an Schulter mit ihren Kameraden anderer Bekenntnisse mit gleicher Hir gebung, ,mit gleicher Treue, mit gleichem Opfersinn und gleichem Heldenmut. Viele unserer Söhne sind auf dem Felde der Ehre gefallen, andere wieder verwundet und vi'ele wegen todesverachtender Tapferkeit vor dem Feinde durch'das Eiserne Kreuz ausgezeichnet worden. Dadurch haben die Juden von neuem den Beweis erbracht, daß sie nicht nur treue, sondern auch würdige und wertvolle Söhne des Vaterlandes sind, und daß es daher ein himmelschreiendes Unrecht ist, uns von irgend einer Seite und auf irgend einem Gebiete die verheißene Gleichberechtigung vorzuenthalten. vVir hoffen bestimmt, daß die treue Waffenbrüderschaft und die Heldentaten der Juden auf dem östlichen und westlichen Kriegsschauplatze nach dem Kriege nicht bald in Vergessenheit geraten werden, und daß die maßgebenden Regierungskreise bei all ihren Maßnahmen nach dem herrlichen Worte des obersten Kriegsherrn: „Ich kenne keine Parteien — H7 —