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Bericht der Großloge für Deutschland · 1914-11-01 · Nr. 9 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1914
Issue
Nr. 9 - November
Date
1914-11-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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holte 1807 mit bezUg' auf sein Vaterland jenes wunderb; Gleichnis von Völkersterben und Völkeifrühling, das ei der altisraelitische Seher geschaut hatte. Wie /fTi Reorganisation des Staates, die wir .unter dem Nim Preußens Wiedergeburt als eines der schönsten Ruh blätter in seiner Geschichte kennen, langsam und zögerhd auch uns Juden in den Kreis ihrer Aufgaben einbezig, welche Vorgeschichte das Edikt von.1812 hatte und wclcie Folgen es haben sollte, schildert uns Freund in dem vir liegenden Buche. Der erste Teil gibt die Darstelhn der zweite, wesentlich umfangreichere, die l'ikunddn Sammlung. Das Ganze stellt sich als ein Ausschnitt eines größeren noch unvollendeten Werkes des Verfassers, eir er Geschichte des Staatskirchenrechtes der preußischen Judt dar. In meisterhafter, überall die Vorgange und Vi hältnisse mit der . Umwelt und der allgemeinen Zeitt schichte in inneren Zusammenhang bringender, die Quell organischer Entwicklung aufdockender, den Dingen dbn Charakter lies Willkürlichen und Zufalligen nehmencer D.nstellung zieht n. die verschiedenen Reforrhversuc le der preußischen Regierung ah uns vorüber. Eines solchrn, der sich wohl kaum zu bestimmten Gesetzesentwürfen v :r dichtet hat, gerenkt d;s" Werk mit Recht lucht, jei merkwürdigen Aktion, ifber die au anderer Steile ausfü lieber zu sprechen sein wird, die kurz vor der Katastropl von Jena 180Ö eine-Reform wenn auch nicht der gesamten Judengesetzgebung, so doch des jüdischen Bilduugswesens in die Wege zu leiten suchte, und bei der bald nach i Ouvertüre die Kanonen der Döppelschlacht vom j4:Oktaler das Finaleübernommen zu haben scheinen. Die Refoi:nversuche unter Friedlich Wilhelm II. sind wiederholt a isiührlicher, als es im Rahmen des Freiind'achcii Weites liegen konnte, dargelegt worden. Für die tatsächliche Lage der Juden blieben sie alle ohne irgend wesentliche Folgen. Erst nach dem Zusammenbruch des Staates, erst Ja in unmittelbarster Nachbarschaft Preußens und zum groli|en rer Teil -aus ehemals preußischen Gebietsteilen ein Staat standen war, in dem ' eine so vollkommene ^Parität verschiedenen Konfessionen herrschte, wie sie kaum jemals sonst geherrscht hat, das Königreich Westphalen, erst die Entfesselung aller Kräfte der Nation allein Prcuiilen' erst da trat man dem Judenprobl Aber ungeheuer groß war die Wucht der gehung einzuführen. Dadurch und durch die Zeitläufte wird der Adel zu Grunde gerichtet, undan seipe Stelle werden Juden und Lieferanten treten und Wnf.tighin unsere - Pairs des Reiches werden: Dieser Judenunfug .empört mein Innersfes. Man sprach die ernste Befürchtung aus: Unser altehrwürdiges Brandenburg-Preußen wird ein neumodischer Judenstaat - War Schnieder, der Bearbeiter des Gesetzentwurfs, das unveigängiiehc Verdienst, den Juden wirklich die Ketten abgci-immen /u haben, gebührt Hardenberg. Wie es scheint spielen äuchtOründe persönlicher Natur dabei eine große Rolle1. Israel Jacobsohn, der „Judenheiland", wie Goethe ihn nennt, der edle Atcnschenfreund, hatte sich denpreußischen Staatsmann in schicksalsschwerer Stunde zu tiefem Dauk\ verpflichtet. Daß das Eingreifen des westphälischeh Konsistorialpräsi- . denten von Cassel aus den endlichen Abschluß der so lange schon schwebenden Angelegenheit herbeHülirte, scheint aus einem Schre ben Sacks an deji Kanzler rieu't-- lieh hervorzugehen. Schade, daß es Freund nicht mehr möglich war. die so außerordentlich interessante Geschichte der Ausführung des Ediktes anders als in flüchtigen Umrisicn zu skizzieren und ausführlich zu zeigen, mit wie schändlichem Undankc die Reaktion den ': todesmutigen jüdischen Freiheitskämpfern gegenübcitrat. Schade aurh, dal! dhs ausgezeichnete Darstelluugilaleut des'Verlas ers sich an einer vorwiegend vom .'juristischen . Standpunkte erfaßten Aufgabe statt an einer vollständigen Enianzipationsgeschich'.e versucht hat. Die mannigfachen jetzt in den Hintergrund getretenen,'dahei inbetracht komm mden i onstigen Gesichtspunkte würden dem schönen Werke ^lcheili' h ein bunteres, färben*'und abwechseliin^sreiche es. Kolorit gegeben, es für den Nichtjuristen zu einer noch genußreicheren Lektüre gemacht haben. Aber wir wolleij nicht undankbar sein. Freuen wir nns des We kes, in dem wir die köstliche literarische Frucht der Enian/iretten könnt?, ernstlich näher. entgegenstehenden Hindernisse. Mochte mit noch uneibittlicher Konsequenz aus der Grutidanschauuhg „duich innere Freiheit zur äußeren Freiheit:' sich die lietreiung auch der Juden ergeben, mochte es auch unmögl ch erscheinen, allen die Fesseln zu lösen und die ihrigen nii ht zu sprengen, mochten, die Juden selbst auf das Edikt i er Gleichberechtigung nach Raumers Worten warten wie i uf den Messias, fast sechs Jahre sollte es noch dauern, bis t as erlösende Wort gefunden war. Freund weist an d :m Beispiel von Schroetters, des Mitarbeiters Steins, ausfü ir- I ch nach, welch ein leidenschaftlicher, überzeugter Judt nfeind vom Geschick dazu auserkoren war, die Vorarbeite» für das Edikt von 1812 zu leiten. ' Aber auch der großj3' Meister, Preußens größter Staatsmann, Stein selbst '•sta rid ihnen nur wenig freundlicher gegenüber. Ein Mann 'wie Gneisenau schreibt: Es ist die Krankheit, ja eine Wut i es Zeitalters, alles Alte umzuwerfen und eine neue Gesetzpationlsjubelfeier erblicken, und freuen wiruns schon jetzt _ der nächsten Gabe, die uns Freunds rastloser Gelehrtenfleiß ii Aussicht stellt. Dr. Lazarus, Cassel. Dr. S. Bernfeld: Der Talmud . Volk-St-chritien Ja über [die jüdische Religion herg. von Dr.. T. Ziegler.) Kauffmann, Frankfurt a. M., 1914. In einer kleinen ausgezeichneten Abhandlung wird hier, die Entstehung, das Wesen IhiJ die Geschichte des Talmud bis auf die neueste Zeit dargestellt. Der klare Stil, die vielseitige, immer fesselnde- Durchdringung des Stoffes, die besonnene Kritik, die nichts beschönig!, aber alles geitcht wertet, sichern dem Buche .eine weite Verbreitung. •. ' .,■ Die Sagen der Juden. Gesammelt und bearbeitet von Micha Josef bin Gorion Die Erzväter. Rütten & Lotjning. Frankfurt a. M. 19L4. Von dem in diesen Blättern bereits, einmal gewürdigten grolferr Werke der jüdischen Sagen und Mythen (vgl M.-B. 1913,k No. 6, S. 90) ist nunmehr der zweite Band erschienen, der die Zeit Abrahams, Isaaks und Jakobs! bis zu der Erscheinung in Bethel umfaßt. In der Vorrede charakterisiert der Verfasse'r den Inhalt der Erzähltingen. Sie sind mit den Sagen von der Urzeit in eine gewisse Parallele zu setzen. Mit Abraham, der zuerst Gott erkennt, beginnt eine neue Schöpfung, die Welt des -- .145 —

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