Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1914-11-01 · Nr. 9 - November · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1914
Issue
Nr. 9 - November
Date
1914-11-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4864325-6029080-6074265--1809-4865918
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

n sehen Botscharters Br. M o r g e n t h a u. Dieser Diplomat besucht nicht nur-ständig die Loge, nein, er hat auch bereits eine_ Reise nach Aegypten und Palästina unternommen, um mit den dortigen Logen Fühlung zu nehmen. Einen begeisterten Empfang bereiteten ihm die vereinigten Maimonides- und Cairo- Logen, über den sogar die Tageszeitungen ausführlich berichteten. Durch besondere Irade des Sultans w urde dem Botschafter der Besuch der Höhle Machpela, der Grabstätte' unseres Stammvaters Abrabam, gestattet, eine Auszeichnung, die zuletzt ISO1) unserm Kaiser Friedrich Iii. bei dessen Palästinareise zu teil wurde. D.e jüdischen Kolonien im Heiligen Lande haben auf den Botschafter einen tiefen Eindruck gemacht; er hat sich dahin geäußert, dal!, eine Bewegung z.;m Zweck der Kolonisicrung Palästinas durch juden des Beifalls und der Unterstützung jedes ernsthaft denkenden Juden s-cKcr sein kann. Das Eintreten des Br. Mergenthau im seine Glaubensgenossen und seine Beteiligung am jüdischen Gemeinde- und Lpgenlcben. nat in Ku näuien unangenehm berührt.- Die Zeitung „Universul" hat bereits aus ..sioherster-Qneile" .erfahren, daß die Union i'liren Botschafter bei der Heilen P;otfe abzuberufen gedenkt, ha» doch seine Tochter sieh erbo;en, in einer jüdische;; Mädchenschule - englischen Unterricht zu t rceiien i Dem Botsc::atter ist freilieh von einer solchen Absicht, seiner Regierung nichts bekannt. f Mit Befremden hat Br. Morgeothau in Jerusalem •uiKi an anderen Orten des Heiligen Landes wahrgenommen, daii jüdisebe. Eitern ihre Kinder zu Hunderten 3 eiiristltche Missionsschulen schicken, wo sie ihrem Glauben entfremdet werden. Hoffentlich werden die Logen 'im Orient .dieser bettübenden Erscheinung recht bald ein Ende machen."' Mit lebhafter Befriedigung nehmen wir von einem Bericht Kenntnis, den unser Bundesorgan über die Audienz unseres Br. Dr. V a h'.u d a beim Könige von Spanien erstattet. Der König erkundigte sich eingehend nach der Lage der1 Juden in den verschiedenen Ländern und nach den Leistungen der spanischen Juden : oesonderen, wobei sich der hohe Herr auch über den günstigen Eindruck unterrichtet zeigte, den Yahüdas Vorlesungen nach dem einstimmigen Urteile der hauptsiädtischen Presse in Madrid hervorgerufen haben. Yahuda überreichte dem Könige ein Exemplar seiner arabischen Originalausgabe von Bachja ibn Pachuda, „Chowoth ha-lewowoth", die der König als Leistung eines spanischen Philosophen huldvoll .entgegennahm. Im Namen seiner Glaubensgenossen sprach Yahuda dem Könige' die Ueberzeugung aus, diefer werde den spanischen Juden in Marokko seine wohlwollende Gesinnung bewahren und ihnen die . ungestörte Ausübung ihrer Religion ermöglichen. Don Alphonso erwiderte, er erachte es als seine Pflicht, allen seinen Untertanen ohne Unterschied des Glaubens seinen königlichen Schutz zu gewähren. . An anderer Steile berichtet die vorliegende Nummer der „B'nai B'riih News", der König von Spanien habe bei seinem letzten Aufenthalt in London auch den spanisch-portugiesischen Tempel besucht und dabei geäußert, Spanien beclaure seinen Irrtum von 14y2 und stände — einer liebevollen Mutter gleich — bereit, um die verlassenen , Kinder bei ihrer Rückkehr freudig in die Arme zu schließen. Diese Nachrieht ist freilich von anderer Seite nicht bestätigt worden—wäre sie wahr, so würde sie bei der Juden auf dem. weiten Erdenrund einen freudigen Widerhall erwecken! Bekanntlich haben die „Sepharditn"" in London eine sehr stattliche, einflußreiche Gemeinde; Während, sie früher mit den „Aschkenasim'- nicht einmal in Wohltätigkeitsvereinen zusammenwirken, geschweige denn Ehen eingehen wollten, hat der Vorstand der portugiesischen Gemeinde den neuen (aschkenasischen) Oberrabbiner des Inselreiches,unsernBr. Dr.J.H.Hert z, eingeladen', ib ihrem Tempel zu predigen. Wir gehen nicht fehl in der Annahme, daß die Einigung dieser beiden Gemeinden sich auf dem Boden völliger.Gleich- /berechtigung vollzogen hat, wie ihn der Ordensgedanke ■ und die Loge vorbereitet haben. Br. Oberlehrer Dr. Eugen Wölbe, Montefiore-Loge zu Berlin. Büch erschau. Dr. ismar Freund: „Die Emanzipation der Juden in Preußen. Ein Beitrag zur Rechtsgeschichte der Juden in Preußen". Berlin 1912 bei Roppelauer. Ais nach der Schlachtbei Jena die siegreichen Franzosen in Berlin einrückten, da stritten — so erzählt uns Henriette Herz — die zahlreich versammelten Bürger darüber, ob das fremde .Mifitär Hessen oder Russen seien. Nichts kann die völlige Interesselosigkeit des Volkes unter einem Regime, das ihm nur das Recht des Steuerzahlens gelassen hatte, treffender kennzeichnen, als diese Anekdote. Die eisernen Würfel-waren gefallen, es galt Sein oder Nichtsein des Staates, und das Volk stand gleichmütig dabei und sah zu, wie die Brandfackel in das preußische Staatsgebäude geschleudert wara. Und doch kannten die tiefsten Kenner der Volksseele die Fülle edelster Kräfte, die in ihr schlummerten. Schon der große Fichte wieder- 144 —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.