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Bericht der Großloge für Deutschland · 1914-11-01 · Nr. 9 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1914
Issue
Nr. 9 - November
Date
1914-11-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Berlin, November 1914. BERICHT Nummer 9 der GROSSLOGE FÜR DEUTSCHLAND YIII U.1 B. Eingetragener Verein. Eigener Verlag der Grossloge. Bureau: W62, Kleiststr. 12. Telephon: Amt Lützow 4619. Postscheck: 16333. Nachdruck sämtlicher Artikel au* diesen Berichten verboten 4- Inhalts Optim, uns iad Krieirs/eii' - An unsere Brüder!!>r«*l Zanguill und dir geg<n*vtriigc;Kri«. - /um Andenken in Lud. Aus dem VerKinde der f raueuvercine. — Ans dem Büro der Oroliloge. — l>as Militarharft in M."i/ I ine WanderWblioUiefl Losen. (Aus Amerika.) — Bffchertchau. fiel.ichtnishueh. '." .;; fVriiuew.Hld. AStswafficG Optimismus und Kriegszeit. Von lir. Dr. Felix T . t \. Unbestritten ist die Tatsache, daß' die .Grundlage der jüdischen Weltanschauung durchaus optimistisch ist. Da nacli dieser Richtung hin das 'Judentum sich deutlich von anderen großen Religionen unterscheidet, ist der Optimismus geradezu ein charakteristisches Merkmal der jüdischen Lehre. Es soll deshalb keinesfalls die Aufgabe diese.-Zeilen sein, die so oft erwiesene Richtigkeit dieser Behauptung durch Anführung von Einzelheiten nochmals zu erhärten. V^er die jüdische Religion und ihre Urkunden kennt, von dem Schöpfungswerke an, das in den Augen Gottes in jedem Teile als wohlgelungen und gut erscheint, bis zu der Lebens- und Gottesauffassung, der Freude an der Welt und am Genüsse, dem unerschütterlichen Vertrauen auf Gott und die messianische Zeit, der Verachtung jeder Askese, bedarf keiner weiteren Beweise und Bestätigungen. Für ihn ist es selbstverständlich, daß das Judentum schlechthin die Religion des Optimismus, des Glaubens an das Glück der Zukunft ist. Es ist nun eine sehr alte, fast eine triviale Wahrheit — aber auch alte Wahrheiten verlieren nichts von ihrer Bedeutung — daß Einseitigkeit keine bleibenden Werte schafft, daß sie, um was auch immer es sich handelt, weder zu äußerem Erfolge noch zu wahrer Befriedigung führt. Nicht einmal die erhabensten Tugenden, wie Nächstenliebe und Aufopferungsfreudigkeit, vermögen ' in einseitiger Ausbildung den Segen zu spenden; den man von ihnen erwartet. Auch sie bedürfen, wie al'e anderen, ge- Golümann - Oppeln. s wisser Gegengewichte, wenn sie Wirksam werden wollen, und von dieser alten Regel macht auch der jüdische Optimismus keine Ausnahme. Freilich ist, wie so viele Lebensweisheiten, auch dieser 4ast selbstverständliche Satz vom Judentum sehr oft ausgesprochen, aber sehr selten praktisch gewürdigt worden. Und die beharrliche Einseitigkeit, mit der unsere Väter sich blind von ihrem Optimismus leiten lieUen, hat zur Folge gehabt, daß sie. ihm ganz sicherlich das höchste Lebensglück, aber ebenso gewiß auch das größte U n g 1 ü c k ihres Daseins" verdankten. '. Sein optimistischer Grundzug hat das Judentum' ja unbestrittenermaßen erhalten,'hat es über die allerbösesten Zeiten fast spielend hinweggebracht. Schon der Propheten Wirken ist vornehmlich unter diesem Gesichtswinkel zu bewtrten. Sie sind undenkbar ohne die messianische ZuJamftshoffiiung, und bei ihnen wie in späteren mittelalterlichen Schriften zeigt^ich die Kraft des Optimismus besonders darin, daß die Zukunftsbilder desto freudiger, leuchtender und erhabener wurder, je trüber und schlimmer die Zeiten sich gestalteten. Und dennoch floß aus diesem Optimismus, der das Unglück überwand, immer wieder auch neue, herbe Not, weil eben die Gegengewichte .gefehlt haben, die ihm erst den rechten Wert geben konnten. Und es liegt geradezu eine tiefe Tragik der jüdischen Geschichte in der Tatsache, daß. höchstes Glück und tiefstes Leid ans ebenderselben Quelle entspringen. — .J31 —

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