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Bericht der Großloge für Deutschland · 1914-07-01 · Nr. 7 - Juli · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1914
Issue
Nr. 7 - Juli
Date
1914-07-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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wird in den von der Stadt freundlichst zur Verfügung gestellten Schulbädern gebadet. Die Knaben erhielten Turnstunde durch einen Lehrer und seitdem ist die Disziplin und die Haltung eine wesentlich bessere geworden. In den letzten Sommerferien machten wir einen Versuch, der zu unser aller Zufriedenheit ausfiel und deshalb in diesem Jahr wiederholt wird. Wir führten die Kinder während vier Wochen täglich — mit Ausnahme des Samstags und des Sonntags — m ein großes Gartenlokal an der Peripherie der Stadt, das wir zu diesem "Zwecke gepachtet hatten. Die Kinder blieben dort unter Aufsicht einer Kindergärtnerin den Tag über von neun bis vier Uhr, bekamen ein Frühstück, aus Ei und Brot bestehend", ein Mittagessen (Suppe und Gemüse oder Suppe und Mehlspeise) und um vier Uhr Milch und Brot. In der Zwischenzeit tummelten sie sich auf den großen Wiesen, schliefen, lasen oder arbeiteten und vergnügten sich prächtig. Der Erfolg unserer „Ferienkolonie" war sehr erfreulich. Erstmals lernten wir die Kinder durch diesen ungezwungenen Verkenr besser kennen; die Großen hatten für die Kleinen zu sorgen, und so bildeten sie alle eine Familie. Das Verantwortlichkeitsgefühl wurde geweckt, der Sinn für Ordnung gehoben, . und .unsere Helferinnen konnten in freundschaftlicher Weise Einfluß auf die Kinder gewinnen. Die Kinder nahmen in diesen' vier Wochen bis zu sechs Pfund zu und kamen wesentlich erfrischt und gekräftigt zur Schule zurück. Leider konnten wir diese Erholung nur 25 Mädchen gönnen. Wir hatten nur 400 M. zur Verfügung, die nicht für eine größere Artzahl von Kindern ausreichten. Die Knaben machten, wie in allen Ferien, dreimal wöchentlich mit der Lehrerin ihre drei- bis vierstündigen Waldwanderungen, die auch bei ihnen in gesundheitlicher Beziehung treffliche Resultate zeitigten. Weniger begabte oder frischzugezogene und des Deutschen unkundige Kinder erhalten noch außerhalb des Hortes Unterricht von einzelnen Helferinnen, und es gelang uns schon oft, die Kinder, die ihrer mangelnden Sprachkenntnisse wegen eine niedrigere Klasse besuchten, als es ihrem Alter entsprach, ein oder zwei Klassen höher zu bringen.. Die Starkenburg-Loge, die alljährlich an Chanukka arme Kinder beschenkt, läßt diese Freude auch unsern Hortkindern zuteil werden. Gelegentlich dieser Bescherung lassen wir sie jedes Jahr ein kleines Singspiel und Tanzlieder aufführen, die den Kindern große Freude bereiten und stets mit viel Beifall aufgenommen werden. Der sittliche Wert dieser Aufführungen liegt darin, daß die Kinder in der Betätigung ihrer kleinen Talente ihren Dank der Loge zum Ausdruck bringen können, und daß an diesem Feste, bei dem auch die Kinder der Brüder mitwirken, die soziale Kluft überbrückt wird. Aber unsere Fürsorge erstreckt sich nicht nur auf die Schuljugend. Jung und alt kommt und sucht unsern Rat. Wir haben eine Sprechstunde eingerichtet, die sich lebhaften Zuspruches erfreut. Hierzu hat uns die Starkenburg-Loge ein Zimmer freundlichst überlassen, in dem wir einmal wöchentlich allen, die da kommen, Rat erteilen. Und die Leute kommen gerne und zahlreich, vor allem Frauen. Da werden Kranke zum Arzt verwiesen, Frauen wird Heimarbeit oder sonstwie Erwerb 'verschafft. Junge Mädchen erhalten Stellungen — am liebsten als Dienstboten — nachgewiesen, junge Leute werden beraten. Diese Fürsorge der schulentlassenen Jugend ist unser Hauptziel. Auf die Jugend müssen wir einwirken, wenn wir dauernd Wirksames erreichen wollen; daher ist es von größter Wichtigkeit, diesen jungen Menschen einen Beruf zu verschaffen, damit sie nicht wie die Eltern sich dem Hausierhandel zuwenden. Ich möchtes hier eine Frage stellen, die vielleicht nicht so ganz zur Sache gehört, die mir aber eine der Leserinnen oder ein Leser möglicherweise beantworten kann Wäre nicht ein Teil dieser jungen Ausländer, vornehmlich der jungen Männer, das geeignete Material für die J. K. A. oder die A. J. K. O? Diese Organisationen brauchen vor allem junge Kräfte und Arbeiter im Orient. Und wenn nun diese Jugend, von der ich sprach, die wohl auch besser diszipliniert und geschult ist, als die russische Jugend, drüben Fuß faßt und einschlägt, wäre d^nn vielleicht eine Abwanderungsmöglichkeit auch für die Eltern und Geschwister gegeben? Ich denke vornehmlich deshalb daran, weil sich bei uns in Darmstadt augenblicklich die Abwanderung nach Amerika in einer unhaltbaren Weise vollzieht. Die Väter gehen hinüber, und Frau und zahlreiche Kinder bleiben zurück. Natürlich sind sie alle, da ihnen der Ernährer fehlt, unterstützungsbedürftig, und der Vater kümmert sich häufig nicht mehr um seine Familie, oder läßt sie erst nach Jahren nachkommen. > Ich wollte in den' vorliegenden Zeilen ein Bild unserer Tätigkeit skizzieren. Bei all meinen Bestrebungen leitet mich der Gedanke,v daß es mit dem bloßen Almosengeben nicht getan ist. Wir wollen tätig helfen und beraten. Geld geben tut not und ist

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