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Bericht der Großloge für Deutschland · 1914-05-01 · Nr. 5 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1914
Issue
Nr. 5 - Mai
Date
1914-05-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Berlin, Mai 1914. BERICHT Nummer 5. der GROSSLOGE FÜR DEUTSCHLAND VIII Ü. O. B.B. .Eingetragener Verein. Eigener Verlag der Grossloge. Bureau: W. 62, Kleiststr. 12. Telephon: Amt Ltzw , 4619. Postscheck: 16333. Nachdruck »4mt:!rher Artikel aus diesen Berichten -verboten. Inhaltt Religion und Politik in der Loge. Beelitz. — Ferienkurse fur jüdische Schüler mittlerer und höherer- Lehranstalten. - Aus ,den Logen de« VIII. Distrikts. — Amerika. — Auswärtige Logen. — Bücherschau. Aus dem'Verbände der Frauenvcreinigungen. — Verschiedenes. Mitteilungen der Logen. - Arrangements an Badeplät/en. '.».'' * Religion und Politik in der Loge.*) Von Br. R.-A. Dr. Paul Simo n-Mainz. Als eines der grundlegenden Gesetze der Loge erscheint die Bestimmung, daß politische und religiöse Fragen niemals zum Gegenstand einer Erörterung innerhalb des Ordens gemacht werden dürfen. Die Beobachtung dieses Gesetzes hat gerade in der letzten Zeit mancher Loge Schwierigkeiten bereitet. Bruder Exprasident Dr. Cohn-Dessau hat diesen Punkt bereits in seinem in dem Februarbericht S. 17 ff. wiedergegebenen Vortrag „Der Orden im Gegenwartsjeben der Judenheit" kurz berührt.' Die Frage, inwieweit die Beibehaltung des Verbots der Erörterung politischer und religiöser Fragen in der Loge notwendig und zweckmäßig ist, ersehe,nt wohl bedeutsam genug, um ein näheres Eingehen hierauf rechtfertigen zu können. Es ist, insbesondere historisch, leicht zu begreifen, daß bei der Einführung unseres Ordens in Deutschland und bei der Gründung der großen Mehrzahl unserer Logen vor nunmehr zwei bis drei Jahrzehnten, das Verbot religiöser und politischer Erörterungen innerhalb der Loge führendes Gesetz sein mußte. Die Loge sollte zum ersten Mal eine umfassende Organisation schaffen, in der auf neutralem Boden die verschiedenen Strömungen innerhalb des Judentums vereinigt werden konnten. Nunmehr gab es damals ja ebenso wie heute bereits Parteiungert, und Diffe- 1 renzen politischer und religiöser Art, die ah sich den *) Der Aufsatz behandelt eine in nnserem Diltriktc aktuell gewordene Frage t wir haben die Ausführungen des Br. Simon gern /um Abdruck gebracht in der Erwartung, dah noch andere Brüder sich zu diesem Thema aufiern werden. Das Red.-Kom. Zusammenschluß in der Loge nichi zu fördern, wohl aber zu erschweren geeignet waren und man mußte deshalb darauf bedacht sein, zunächst wenigstens diese Momente; aus dem Logenleben auszuschalten, von denen man befürchten mußte, daß sie das beginnende Gemeinschaftsleben unter Umstanden zersetzen würden. Es lag auch damals wohl kaum ein Bedürfnis vor, Fragen politischer und religiöser Divergenz in der Loge zu behandeln, da es ja in erster Linie galt, die Grundlagen zu schaffen, die heute zu-einer Renaissance des Judentums geführt haben. Die Erweckung der Tradition, des jüdischen Interesses, des" jüdischen Selbstbewußtseins, die Erziehung zu aufrechten, stolzen Juden, die Pflege der Wohltätigkeit, der Menschen- und Bruderliebe, nicht zuletzt auch die Ueberwindung mancher Rudimente unserer mittelalterlichen Leidenszeit, wie andererseits der Uebertreibangen der Emanzipation — alles dies bot ja eine solche Fülle von. Aufgaben für die Logen, daß alle Kräfte voll angespannt waren und die Beschäftigung mit religiösen und politischen Parteiströmungen aus dem Logenleben ausgeschaltet werden konnte, ohne irgend eine Lücke zu hinterlassen. Die Politik spielte höchstens insofern eine Rolle als es sich um die Abwehr antisemitischer Uebergriffe handelte. In diesem Punkte war man aber selbstverständlich innerhalb der Loge im wesentlichen durchaus einig, sodaß die Gefahr einer politischen Parteiung überhaupt nicht in Betracht kam.; Heute ist die Lage der Dinge zweifellos eine andere. Zwar dürfen wir uns nicht rühmen, daß alle Ideen und Ideale unseres Ordens, bereits restlos erfüllt seien. Gewiß ist auch auf denjenigen Gebieten noch manches

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