Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 4 - April
- Date
- 1914-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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und Staat und sich geleistet, ist nicht glücklich, denn sein; Familienleben ist es nicht. In jungen Jahren hat er auf seine Liebe - eine christliche Apothekerstochter — Verzichten müssen, weil Vater, Mutter, Rabbiner und Unvermögen ihm hinderlich waren, und er der gehorsame Sohn des altjüdischen Hauses blieb. Die Ehe, mit der begüterten Sidonie Silberstein erfüllte sein Herz nicht. Die oberflächliche Frau drängt den im Wesen einfach gebliebenen Mann zu gesellschaftlichem Verkehr, der seiner Stellung entspricht, und das Ehepaar erlebt im Hause" des Oberburgermeisters durch dessen Gäste die empörendste Enttäuschung, die sich auf ihre jüdische Abstammung bezieht. Die gesellschaftlichen Millerfolge und die größeren Geschäftsaussichten in der Reichshauptstadt lühren die Familie auf besonderes Betreiben der Frau nach Berlin. Kurz nach der Ankunft stirbt Frau Eli. Die Kinder Elis handeln nicht nach dem Herzen des Vaters. Der Sohn führt das leichtsinnige Leben, der jungen Leute der Gegenwart: der Vater entdeckt sein „Verhältnis", das ihm die Ehe als nicht wünschenswert oder mindestens als eine aufschiebbare Angelegenheit erscheinen läßt. Die Tochter heiratet einen jungen christlichen Maler, dem sie Modell gestanden hat. Dem alijüdischen Milieu sind beide entfremdet. Der Valer stirbt an den Folgen seiner fieberhaften Tätigkeit, an Enttäuschung. Gram. Er hinterläßt reiche Stiftungen für jüdische Organisationen. Er bestimmt, daß ein einfacher Grabstetn seinen Namen und die Inschrift trage: |ch war Deutscher und bin Jude geworden! Gläserne Wände sind Wände, die nicht bloli durchsichtig sind, sonderfi auch schlecht standhalten. Darnach scheint der Veitasser die Meinung zu haben, daß das wirtschaftlich kraftvoll aufstrebende Judentum in den folgenden Generationen eine Entfremdung vom jüdischen- Milieu mit sich bringe. Ob das gut oder schlecht ist, darüber äußert sich der Verfasser in persönlicher Anschauung nicht. Sein Held läßt inbezug auf das Judentum darüber allerdings keinen Zweifel, wie die Worte der Grabinschrift beweisen. Die letzten Worte Lesser Elis sollen nach der Vergangenheit des Helden wohl sagen: ich war meinem Gefühl nach nur Deutscher und bin zum Bewußtsein des Juden, der Erkenntnis von der Bedeutung und dem Werte des JtHentums gekommen. Nun ist gewiß nicht zu veikennen, daß der wirtschaftliche Aufschwung des Judentums vielfach zu Abbröckelungen und Lösungen führt, auf der anderen Seite aber ist festzustellen, daß die Erkenntnis von dem Werte und der Bedeutung des Judentums nicht etwa nur eine Anschauung — in dem Roman eine beginnende Anschauung — der älteren Generation ist, sondern, daß eine derartige Auffassung zu einem großen Teile eine Anschauung der Jugend ist, und daß man in der Gegenwart von einer allgemeinen — wenn auch natürlich noch nicht durchgreifenden — moralischen Erhebung trotz mancher trüben Erscheinungen sprechen darf. Die ungerechte Behandlung im Staate, die gesellschaftlichen Mißerfolge bei glänzenden äußeren Leistungen haben das Judentum zum Bewußtsein erweckt. Der Verfasser bemüht sich — wie bereits angedeutet - so vorurteilslos wie möglich in.der Anerkennung jüdischer Leistungen zu sein. Man kann aber auch in dieser Beziehung zu weit gehen. Auch Knobloch macht sich das bekannte Wort von der geistigen Herrschaft der Juden zu eigen. „Stadtvertretung, Presse, Kunst, Handel, Gewerbe, Banken, Börse — wer saß an der Kurbel? Wer waren die eigentlichen Führer in diesem Oetriebe? Wem gehorchte zuletzt das unendliche Leben,dieser Stadt?" (Berlin.) Dieser Anschauung darf wohl entgegen gehalten werden: Wenn Juden sich selbst überprozentual — in bestimmten Berufen oder Betrieben beteiligen, ist man da berechtigt, schon von einer Herrschaft zu sprechen? Produzieren diese Juden in ihren Funktionen jüdische Kulturwerte und nicht deutsche? Wenn man nachrechnet, daß auf der Hauptstraße mehr jüdische als christliche Geschäfte sind, heißt das nicht schon Zweifel an der Gleichberechtigung erheben oder sie ihnen eben mindestens nachrechnen? Am Erstarken des Judentums an sich aber haben Staat und Gesellschaft gleichen Anteil. Das empfindet und schildert der Verfasser durchaus zutreffend. Es ist ein gar nicht gering anzuschlagendes Moment, wenn die Frauen einflußreicher Juden in der Ostmark — wie Frau Sidonie — durch die gesellschaftlichen Verhältnisse vom Heimatboden fort nach Berlin gedrängt werden. Das Buch von Knobloch darf trotz gelegentlicher psychologischer Schwächen aus vielerlei Gründen Interesse beanspruchen. I I I j i i i I l » ♦ V. Mitteilungen der Logen. Eger-Loge XIV, 359. Allen Logen, die uns zu unserem Stiftungsfest am 8. März er. durch Entsendung von Delegierten, durch briefliche und telegraphische Glückwünsche erfreut haben, statten wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank ab: Dr. Neuhaus Militscher Präsident. prot. Sekretär. . Anhalt-Loge XXVI, 389, Dessau. Der hochwürdigen Oroßloge, dem hochwürdigen Großpräsidenten, allen Delegierten und w. Schwesterlogen, die uns zu unserem 25jährigen Jubiläumsfest durch persönliche, telegraphische und briefliche Glückwünsche erfreut haben, sprechen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank aus. Dessau, März 1914. Hermann Marcus S. Hirschfeldt Präsident. prot. Sekretär. Verantwortlich für den Inhalt: Dt. E. Fintel, Berlin Klcistsiraß; 12 —'Druck: Max Cohn, Berlin SW. 68, Hollmannsu. 10.