Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1914-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Der hochherzige, auch sonst als tolerant bekannte Fürst Karl zu Isenburg, der in Offenbach residierte, gewährter als erster unter den Fürsten Mittel- und Westdeutschlands die seinem „inneren Gefühle ganz entsprechende Bitte" des Wolf Breidenbach, indem er im September 1803 den Leibzoll im Fürstentum Isenburg-Birstein abschaffte. Die edle Tat des Iseriburger Fürsten spornte Wolf Breidenbach zu weiteren Bemühungen an, und es gelang ihm, die Aufhebung des Juden - Leibzolls im gesamten fürstlichen und gräflichen Hause Isenburg, Kurfürstentum Hessen, im Kurfürstentum Solms- Rödelheim, Kurfürstentum Homburg (1803) Aschaffenburg (1804) in Hohenlohe, Neuwied, Wied - Runkel Braunfels, Nassau - Usingen und Nassau - Weilburg Hessen-Darmstadt (19. Januar 1805) Regensburg') im Bezirke des Kurfürsten von Mainz und in Württemberg zu erwirken. Auch ist es lediglich seiner Bittschrift zu danken, daß am 24. August 1804 der,Leibzoll in der freien Reichsstadt Frankfurt aufgehoben wurde. Wolf Breidenbach hatte das Glück, zu erleben, daß in allen deutschen Staaten der Leibzoll aufgehoben '") und so die Bahn frei wurde für die Erringung der langersehnten Gleichberechtigung der Juden als Staatsbürger. Wolf Breidenbachstarb, wo er gelebt und von wo aus er gewirkt hat, zu Offenbach am Main am i Der Reichskanzler Karl v. Dalberg, dem im Lünebnrger Frieden Regensburg zugefallen war, unterstützte die Bemühungen Woll Breidenbachs aufs eifrigste und stellte ihm das Zeugnis au«, ,,dal! seine""menschenfreundlicFe peisönliche Verwendung ihm zum Ruhm und zur Ehre gereiche." Vgl. Graetz a. a. O., Seite 6JS. / Zuletzt in Sachsen, merkwürdigerweise infolge eines russischen Gouvernementspatents, am 28. Sept.!81 S. Man vergleiche hierzu die heutigen Paßvorschriften Rußlands! |Vergl.-hierzu Dr. E. Finkel: „Der Leibzoll deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens im XX. Jahrhundertin der Zeitschr. „Im Deutschen Reich- 1904 Nr. 12. O | ll) Das Chewrabuch der israelitischen Gemeinde zu Offenbach enthält folgenden, hier wohl zum erstenmal veiöffentlichten Eintrag unter Nr. 2149: .,5589 ^1829) die Nacht auf Sabbath, den 25. Adar I, starb der'hochstehende und in seiner Zeit berühmte Mann; durch ihn wurde der Leibzoll von den Söhnen unseres Volkes in den meisten Ländern Deutschlands abgeschafft, und noch viele andere gute Werke;hat er bei den Regierungen zur Verbesserung Israels durchgesetzt. Das ist der Thora-Gelehrte Wolf Breidenbach. Er wurde mit grölten Ehren am Montag, den 27. Adar I. beerdigt. Er ruht neben dem verstorbenen Löb Elsaß" 27. Februar 1829.") Seine Gebeine sind auf dem neuen Friedhof in Offenbach bestattet.1') Er hat genug getan, um für alle Zeit zu leben. Wir Nachkommen aber sollten uns einer Pflicht der Dankbarkeit nicht entziehen und der Mahnung von Graetz nachkommen, den Namen Wolf Breidenbach nicht der Vergessenheit verfallen zu lassen. Die israelitische Gemeinde in Offenbach baut zurzeit eine neue Synagoge. In dem großen Vorhofe derselben ist ein geeigneter Platz zur Aufstellung eines Gedenksteins vorgesehen, der Kunde davon geben soll, daß wir Juden in dankbarer Erinnerung derer gedenken, die uns Gerechtigkeitwiderfahren ließen, und die im Kampfe für unser Recht uns in edler Pflichterfüllung, in freuer Liebe und Opferfreudigkeit Beistand geleistet haben. Kein Bildnis de^ edlen Männer soll deri Denkstein, zieren, aber die Natnen des Fürsten Karl von Isenburg und Wolf Breidenbachs sollen in leuchtenden Lettern unserer Dankbarkeit Zeugen sein. fWie einst Wolf Breidenbach die alte Synagoge 1 ) schmückte, sg soll, hundert.Jahre nach der endgültigen Aijfhebung des Leibzolls, die neue Synagoge den Namen Wolf Breidenbachs rühmend tragen, indem sie ' r' U« I '-i Die von Graet/ 1 K-Seile 018, in hebräischer Sprache angetührteGrabschrift lautet: „Dergeachtetehothgeschätzie Mann und berühmte geachtete Vermittler 'Faktor " Nicht allgemein bekannt und wohl zum erstenmal hier veröffentlicht ist folgendes: Als im Jahre 1S60 infolge der Gleisverlegung der Offenbach-Hanauer Bahn große Stöcke des.alten Olfenbacher jüdischen Friedhofs zu Bahnzwecken' hergegeben werden mußten, wurden viele Gräber des alten Friedhofs ausgegraben und die Gebeine auf den neuen jüdischen Friedhof übergeführt. - Die zugehörigen Grabsteine wurden am Eingang desneuen Friedhofs in Form einer Pyramide zusammengestellt, während die Gebeine in besonderen Gräbern bestattet wurden, soweit .sich Angehörige oder sonstige Beteiligte ihrer annahmen'. So kam es, dal! der Grabstein Wolf Breidenbachs, der die vorstehende Inschrift trägt, ein Teil der Pyramide gewor-" den, jetzt mit dichtem Efeu umrankt und kaum leserlich ist während das Grabmal auf dem neuen jüdischen Friedhöf folgerde, etwas modernere Inschrift enthält: Hier ruht der fürstlich isenburgische Rat W olf-Breidenbach, geboren am 10. Januar 1751, gestorben am 27. Februar I829,"und neben ihm seine Gattin Marianna, geb. Israel, geboren am 12. Februar 1768. gestorben am 15. JVtärz 1827. Die israelitische Männerkrankenkasse zu Offenbach a.M., welcher Wolf Breidenbach 100 Gulden gespendet hat, läßt noch heute am Sterbetage ein Kaddischgebet für den' Verstorbenen verr chten. . u) Er ließ auf seine Kosten das Innere der Synagogeerneuern und ausschmücken. \'gl.'Gra«tz. Seite 617.