Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1914
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1914-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Frauen dringend die soziale Fürsorge. Während wir auf der einen Seite durch die wirtschaftliche Entwicklung unaufhaltsam in den Kampf ums Dasein hineingezogen werden, gibt man uns auf der anderen Seite nicht die nötigen Gelegenheiten, uns für diesen. Kampf geeignet auszurüsten, verwehrt man uns die Betätigung unserer Kräfte auf den verschiedensten Gebieten. Ist es da nicht natürlich, daß wir Frauen der sozialen Fürsorge ganz besonders sympatisch gegenüberstehen? Sympathisch gegenüberstehen heißt in diesem Falle aber nichts anderes - als mitarbeiten, mitkämpfen für sich und für andere Darum müssen wir es lernen, die Welt mit offenön Augen zu betrachten, zu sehen, wo und wie man helfen kann — jeder nach seiner Veranlagung, nach seinen Kräften. Und Zeit und Kraft sind größer, als man glaubt. Wenn wir Frauen beginnen werden, unsern Blick aufs Große zu richten, dann wächst unsere Kraft. Sie wächst in dem Maße, als wir die Kraftverschwendung einstellen, die auf manche kleinliche Dinge verwendet wird. Man lernt Kleines von Großem unterscheiden, und nicht nur unsere Mitmenschen im weiteren Sinne, auch unsere engste Familie gewinnt dabei. Wir Mütter z. B. werden je mehr wir in den Geist der sozialen Fürsorge eindringen, der Erziehung unserer Kinder eine ständig verschärfte Aufmerksamkeit zuwenden. Wir werden besonders die idealen Forderungen unserer heutigen sittlichen Weltanschauung unseren Söhnen und Töchtern zu eigen machen, zu ihrem eigenen Wohle und zum Wohle der gesamten Menschheit. — In beruflicher Beziehung aber haben wir jüdische Frauen, bei den besonders eng gesteckten Grenzen der Betätigung für Frauen und Männer unserer Gemeinschaft, wohl ganz besonders die Verpflichtung zu lernen, in welcher Art und Weise wir die soziale Fürsorge so ausgestalten können, daß sie für uns und andere segensreich wirkt. Die söz iale Fürsorge kann aber bis auf weiteres die Hilfe der Wohltätigkeit nicht entbehren. So muß ein Miteinandcrarbeitcn erstrebt werden, mit dem freundschaftlichen Endziel,« die soziale Fürsorge immer mehr an die Stelle der Wohltätigkeit treten zu lassen, die Wohltätigkeit immer mehr unnötig zu machen. Die echte Wohltätigkeit aber wird mit lächelndem Wohlwollen und mit Befriedigung auf die ihr drohende, ach noch so fern liegende Perspektive sehen und gern der von ,uns erstrebten sozialen Fürsorge ihre Hilfe leihen. Wir sehen dann nicht gegensätzlich, sondern einander ergänzend und später ineinander übergehend — Wohltätigkeit und soziale Fürsorge. ' Franziska Goldschmidt, Berlin. Eduard-Siegfried Jacobsohn-Stiftung. Br. Eduard Jacobsohn, Berlin, und seine Ehefrau Emilie geb. Lisser haben zum ehrenden Andenken an ihren früh verstorbenen Sohn Siegfried die „Eduard-Siegfried Jacobsohn-Stiftung" mit einem Betrage-von 20 000 M. bei der Großloge für Deutschland begründet. Die fälligen Zinsen sind an herzkranke Kinder von Brüdern zu vergeben. Unter Kindern im Sinne der Stiftungsbestimmtingen sind Personen zu verstehen, die die Volljährigkeit noch nicht erlangt haben. Berücksichtigt werden in erster Linie solche Kinder, die sich im Verlauf einer Infektionskrankheit eine Herzentzündung zugezogen und zur 'Ausheilung eine Kur nötig haben. Gesuche von Eltern oder Votmündern, mit Geburtsschein und ärztlichem Atteste versehen, sind an uns bis zum 15. März d. j. zu richten; die Ausschüttung des verfügbaren Betrages erfolgt am 5. April, dem Geburtstage des verstorbenen Siegfried Jacobsohn. Großloge für Deutschland VIII U. O. B. B. Timendorfer, Präs. Dr. G o 1 d s c h m i d t, Sekr. Mitteilungen der Logen. Die Zentrale für jüdische Mündelpflege in Berjin benötigt jüdischePflegestellen für Waisenkinder sowohl in Berlin, selbst, wie auch außerhalb, Brüder und Schwestern werden gebeten, wenn sie geeignete Pflegestellen kennen, sie dem Büro der Berliner Logen, K 1 e i s t s t r. 10, zu melden. Lessing-Loge IX Nr. 34Q U. O. B. ß. Hierdurch sagen wir der hochw. Großloge sowie den w. Schwesterlogen, die uns zu unserem 29. Stiftungsfeste durch Entsendung von Delegierten und durch telegraphische und schriftliche Glückwünsche erfreut haben, unseren herzlichsten Dank. Dr. Staub Art. Fischler Präsident. prot. Sekretär. "*k l j i i f | i t i i i J-