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Bericht der Großloge für Deutschland · 1914-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1914
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1914-02-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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oder der sogenannten reichen Heirat halber studieren zu lassen, wirksam entgegengetreten und, indem die Brüder dazu helfen, diese Kinder in der Landwirtschaft, im technischen Berufe, in Kontor oder Laden oder Werkstatt unterzubringen, erweisen sie ihnen und dem manchem dieser Berufe entwöhnten Judentum einen hochwichtigen Dienst. Besonders reiche Beiträge haben die Brüder zur Linderung der Not der osteuropäischen Juden, zur Förderung des Hilfswerks in Palästina stets gespendet. Bei aller Sympathie, die jeder deutsche Jude diesen wichtigen Zweigen jüdischer Liebestätigkeit entgegenbringt, wird doch das Bedenken laut, ob es nicht wohlgetan wäre, einen bescheidenen Teil der für das Ausland gespendeten Summen zum Besten der in den deutschen Ostprovinzen und besonders in Posen so bedrängten Juden zu verwenden. Ob freilich im ganzen nicht noch mehr von den Logen und von den Brüdern geleistet werden kann, das ist eine andere Frage. Die Brüder haben durchschnittlich gehörig mit des Lebens Nöten zu ringen. Viele sind dennoch generös und für soziale Tätigkeit stets mit dem Geldbeutel zu haben. Viele, aber kaum alle Brüder! Und bis zum biblischen Zehnten geht es heute sicherlich nicht überall! Es kann eben nicht genug betont werden, daß soziale Arbeit die ganze Zukunft unserer Glaubensgemeinschaft mächtig fordert und hebt und darum dem eigensten Interesse unserer eigenen Nachkommen dient. Besonders beklagenswert erscheint mir, daß der Großloge, die gerade bei der Pflege sozialer Tätigkeit nach außen als Maßstab der Tätigkeit des gesamten Ordens genommen wird,- längst nicht die Geldmittel zufließen, die sie dazu von Rechts wegen haben müßte. Den Männern der Großloge und nicht zuletzt unserem Großpräsidenten ist es zu verdanken, wenn in sozialen Organisationen wie dem Hilfsverein der deutschen Juden und auf dem sozialen Wirkungsgebiete des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes auf die Mitarbeit und Meinung des Ordens der größte Wert gelegt wird. Unsere Führer haben es verstanden, indem sie zu diesen sozial überaus wichtigen Kreisen die besten Beziehungen unterhielten, die Ordensideale auch hier zu einem mit ausschlaggebenden Faktor zu - machen. Dabei ist nicht etwa der verhältnismäßig bescheidene Teil, den wir zu den Lasten beisteuern, sondern die Persönlichkeit, das Wirken unserer Führer das bestimmende gewesen. Aber auch die kleinste soziale Sache hat Förderung bei der Großloge erfahren, wenn die Sache ihrer bedurfte. Mit besonderer Wucht betreibt die Größloge die Einrichtung der Arbeitsnachweise und die Krankenschwestern-Organisation, Betriebe, die sie beide straft zentralisiert hat. Gerade diesem Umstand möchten wir es zuschreiben, daß beide Institutionen so rasch lebensfähig- und wirksam geworden sind. - Sie wachsen schnell und drohen allein schon die Mittel der Großloge mehr wie aufzuzehren. Und doch|könnte gefade die Großloge noch manche andere soziale Waffe schmieden, wenn nicht ihre Mittel schon jetzt unzureichend wären. Höchst geeignet wäre für den Orden z.B. der Versuch, der Verdrängung der Juden aus ganzen Berufen entgegenzutreten und die U n t er b r i n g u n g der Juden in geeigneten, für die Juden neuen Berufen anzuregen, ein Versuch, von dem ja schon lange im Orden geredet wird, für den aber ge-. nügende Mittel auch nicht entfernt vorhanden Jsind. Gewiß sind diese Fragen am ehesten vom Orden zu lösen, weil er sie auf der Grundlage sozialer Liebe und nicht im Kampf lösen will, aber wir sehen sie nicht in letzter Linie als Geldfragen an. Nicht nur die Organisation, die zu ihrer Lösung aufgebaut werden müßte, sondern ihre praktische Erledigung würde die drei Montecuccoli'schen Mittel „Geld, Geld und nochmals Geld" erfordern. Die Logen jammern stets, wenn sie für die Großloge noch mehr Geld aufbringen sollen. Aber sie haben auch früher gejammert, und es ist doch gegangen. Für so viele Zwecke außerhalb des Ordenslebens haben die Brüder Geld, warum nicht auch für die Verteidigung der deutschen Juden in ihrem gerechten Anspruch auf Offenhaltung aller Berufe, auch Jür sie! Und es kommt noch dazu, daß, wie gesagt, an der Tätigkeit der Großloge nun einmal in der Außenwelt die Arbeit des Ordens gemessen wird. Da müssen wir gerade an dieser Stelle eine sehr wichtige Bemerkung einflechten. Danken müssen Wir aus Herzensgrund den Brüdern und Schwestern, die durch Stiftungen eine soziale Tätigkeit der Großloge im jetzigen Maße überhaupt erst ermöglicht haben. Aber mahnen müssen wir die Brüder, denen ein, gütiges Ges.ch ick erlaubt, mit größeren Mitteln den Notleidendep zu helfen, daß sie den Orden und namentlich die ürpßloge mit der Verwaltung ihrer Stiftungen' beauftragen. Mit Recht hat unser Großpräsident die allgemeine Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß. so viele Brüder mit ihren Stiftungen am Orden vorbeigehen. Die

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