Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 13 - Dezember
- Date
- 1913-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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vorsteht, ein, daß das gewählte Arbeitsgebiet zu groß sei, daß die Hingabe von Geldunterstützungen nicht immer die beste Hilfe sei und darum wandte sich der Verein seit dem Jahre 1899 einem ganz speziellen Gebiete zu, der Wochen- und Hauspflege. In diesem Spezialgebiet hat der Verein wirklich Großes geleistet. Zahlen sprechen. Mit einer Pflegerin, die für zehn Tage den Haushalt in der Familie einer Wöchnerin führt, begann er. Jetzt beschäftigt der Verein 22 Pflegerinnen, die bei ihm ihren Lebensunterhalt finden. Im letzten Jahr allein wurden 365 Pflegen zu je 10 Tagen ausgeführt, die Zahl der Pflegen ist noch ständig im wachsen begriffen. In den letzten 12 Jahren betrug die Zahl der gepflegten Wöchnerinnen 2789, ihr Haushalt wurde geführt, für Mann und Kind Sorge getragen. Diese imponierenden Ziffern sprechen laut und eindringlich, welch Unsumme von Segen allein aus dieser Tätigkeit des Vereins geflossen. Däneben hat der Verein seit 1910 im Anschluß an das Israelitische Krankenheim in der Elsaßerstraße ein Wöchnerinnenheim errichtet, in dem Frauen unentgeltlich oder gegen ganz geringe Vergütung entbunden und verpflegt werden. Aber die Leiter des Vereins sahen weiter; sie sahen, daß mit der Fürsorge für die Entbindung und das Wochenbett allein nur ein Teil der sozialen Arbeit geleistet ist. Für viele Mütter, insbesondere für die ledigen Mütter — die ja leider nach der Statistik bei uns die ehemalige Seltenheit verloren haben — beginnt erst nach dem Wochenbett die schwerste Zeit, da neben der Sorge um die eigene Person noch die, Sorge um das Kind die Seele belastet. Und darum hat der Frauenverein mit großen Opfern im eigenen Hause ein Mütter- und Kinderheim errichtet, in welchem werdende Mütter und Mutter und Kind vom zehnten Tage nach der Entbindung aufgenommen werden. In den ersten sechs Wochen werden Mutter und Kind unentgeltlich, dann gegen ein ganz geringes Pflegegeld aufgenommen, das gegebenenfalls auch erlassen wird. Man beabsichtigt, den Müttern, die über die Stillzeit hinaus bleiben wollen, Einzelzimmer zu überlassen, damit sie „das Gefühl des eigenen Heims erhalten und das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Mutter und Kind gestärkt wird". Die Gründung dieses Heims bildet ein Ruhmesblatt in der Tätigkeit des Berliner Frauenvereins, sie zeigt aber auch, wie systematisch Schritt um Schritt der Verein in der Erweiterung seines festumgrenzten Arbeitsgebietes weitergeht. - 1U9 Dies alles hätte natürlich der Verein nicht erreichen können ohne umsichtige Leitung und ohne opferwillige Mitwirkung seiner Mitglieder. Mit einem Jahresmindestbeitrag von 6 M. allein wäre all das nicht zu erzielen gewesen. Der Leitung steht ein Beirat aus je drei Brüdern der Berliner Logen zur Seite. Der Frauenverein der Berliner Logen ist auch der einzige Logen-Frauenverein, der Nichtlogenmitglieder aufnimmt. Allerdings sind gerade dadurch den Logen in Berlin, wie mir die Vorsitzende mitteilte, eine ganze Anzahl Mitglieder zugeführt worden, eine gewiß nicht, unwillkommene Nebenwirkung. Die Frauenvereinigung der Frankfurt-Loge mit ca. 500 Mitgliedern hat ihr Arbeitsgebiet etwas weiter ausgedehnt als der Berliner Verein. Während letzterer streng zentralisiert ist, hat der Frauenverein der Frankfurt-Loge eine Anzahl Komitees geschaffen, die ganz selbständig arbeiten, z. T. auch finanziell ganz selbstständig sind. So insbesondere das soziale Komitee, das sich auch hauptsächlich der allgemeinen Hauspflege, nicht nur der Wöchnerinnenpflege widmet. Sogar über Frankfurt hinaus nach Offenbach erstreckt sich die energische Tätigkeit dieses Komitees, das die Offenbacher Damen zu systematisch organisierter Arbeit heranzuziehen vermochte. Auch hier übersteigen die Pflegefälle in den letzten zwei Jahren die Zahl 100. Daneben hat das soziale Komitee ein Kleiderdepot eingerichtet, aus welchem in den beiden letzten Jahren über 400 Familien unterstützt wurden. Außer dem sozialen Komitee besteht in Frankfurt ein besonderes Komitee für geistige Interessen und ein ökonomisch - geselliges Komitee. Die Frauenvereinigung hat ferner eine'Jugendgruppe ins Leben gerufen, die ihre Mitarbeiterinnen für die Aufgaben der Familie und des öffentlichen Lebens vorbereitet; , außerdem aber gründete sie auch noch ein Heim für jüdische weibliche Angestellte. Das sind zwei größere Vereine, die ich herausgegriffen habe. Wollte ich Ihnen über .die Tätigkeit der anderen Frauenvereine berichten, so müßte ich mich fast in derselben Weise wiederholen. In fast allen, auch den kleineren Vereinen, wird in ähnlicher ernster Weise gearbeitet. Ueberau tritt das Bestreben nach sozialer Arbeit mehr und mehr in den Vordergrund und insbesondere da, wo. die Vereine sich gewissermaßen auf die den Frauen besonders naheliegenden Gebiete beschränken — Jugendpflege im weitesten Sinne, Wöchnerinnenpflege —, erreichen die Frauen in zielbewußter Arbeit die besten Erfolge, die