Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 13 - Dezember
- Date
- 1913-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Er wies damals auch schon auf die Aufgaoen hjn, die die Frauen noch zu erfüllen hätten, und wies auch auf die Vorteile und die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der Frauenvereine hin, der sich freilich erst zehn Jahre später verwirklichte. Aber sein Appell, in jeder Loge Frauenvereine zu bilden oder doch die schon bestehenden in einen engeren Anschluß an die Logen zu bringen, blieb zunächst ohne Erfolg. Auch ein schon im Jahre 1903 von der Humboldt-Loge in' Neisse, an das General-Komitee gestellter Antrag auf Bildung eines Verbandes jüdischer Frauenvereine hatte dasselbe Schicksal. Denn noch waren die Meinungen der Logen über diese Frage zu geteilt, noch . überwogen im Orden die Gegner einer Mitarbeit der Frauen. Das ersah man klar aus einer im Jahre 1904 veranstalteten Umfrage der Friedrich-Loge in Heidelberg, die sich insbesondere darauf erstreckte, ob bei den Logen ein Bedürfnis zur Heranziehung der Frauen oder der Wunsch nach einer geschlossenen Organisation bestehe. 51 Logen d. i. 91 Prozent der damals bestehenden 56 Logen antworteten u. zw. 21 Logen im bejahenden, 22 im streng verneinenden Sinne. Die zustimmenden Logen waren nicht einheitlich in ihrer Anschauung. Diejenigen Logen, die geschlossene Vereinigungen mit genauen Statuten, Geschäftsordnungen und regelmäßigen Beiträgen hatten, die zumeist an den Logensjtzungstagen neben den Logen tagten, standen naturgemäß zu diesen Vereinigungen in einem ganz anderen, engeren und festeren. Verhältnis, wie etwa diejenigen Logen, in denen nur ganz zwanglose, meist zu geselligen Zwecken zusammentretende Frauenvereinigungen bestanden. Der Standpunkt, den die verneinenden Logen einnahmen, war einstimmig ungefähr folgender: „Bei uns besteht ein oder mehrere Frauen vereine, die wohlorganisiert sind und bisher zur allgemeinen Zufriedenheit die verschiedensten Gebiete sozialer. Hilfstätigkeit gepflegt haben. Es ist zu befürchten, daß ein engerer Anschluß der Logendamen, efne neue Sonderorganisation also, nicht nur Zwiespalt und Zwistigkeiten innerhalb der jüdischen Gemeinde hervorrufen, sondern auch die Vereine selbst hemmen und in ihren Wohlfahrtsbestrebungen schädigen würde, was zu vermeiden wünschenswert ist." Die restlichen acht Logen vermieden teils eine Stellungnahme zu der Frage, teils war, obwohl ein gewisses Bedürfnis nach Heranziehung der Frauen zur Logentätigkeit vorhanden war, noch kein Weg gefunden, wie dies zu verwirklichen wäre; bei einer Loge schließlich hatte sich die Frauenvereinigung aus Mangel an Beschäftigung aufgelöst. Vorläufig blieb also alles beim alten. Der Wunsch des Br. Dr. Blum am Schluß seiner Enquete, daß es heute schon — es war im Jahre 1904 — in jeder Loge möglich sei, eine Vereinigung von Schwestern zu bilden, blieb unerfüllt. Die Debatten über diese Frage aber verstummten nicht, immer und immer waren es die Anhänger einer Mitarbeit der Frau, die in den Monatsberichten und bei sonstigen Gelegenheiten — so insbesondere bei Besuchen seitens des Großpräsidenten —-für ihre Idee Propaganda machten. Diese war auch insofern von Erfolg begleitet, als in einer Anzahl von Logen sich Frauenvereine bildeten. Der mitteldeutsche Logenverband brachte dann den Ihnen bekannten Antrag vor die Großloge, das Gen.-Komitee beschloß im Mai 1910 diesen Antrag der Vollversammlung zu unterbreiten. Mit welchem Erfolg, wissen Sie ja. Die Gründe, die in dieser vielerörterten Frage damals für und wider die Zulassung angeführt wurden, kennen Sie. Ich brauche deshalb auch hier im Rahmen eines nur die Geschehnisse streifenden Referates darauf nicht einzugehen, sondern kann Sie auf die Drucksachen verweisen. Alle Gründe für hat Br. Kahn-Gotha in seinem auf der Tagung des mittele!. Logenverbandes gehaltenen Referat erschöpfend zusammengestellt. Die Gründe, die gegen die Zulassung der Frauen angeführt werden, finden Sie ebenso in dem' gedruckten Korreferat von Br. Beer-München in den Verhandlungen über den letzten Großtogentag. In der Zwischenzeit1 von der letzten bis zur heutigen Sitzung ist aber die Sachlage eine etwas andere geworden, denn es wurde im vorigen Jahre unter tätiger Mitwirkung .der Groüloge der Verband, der Logen-Frauenvereine gegründet. Wie es in den Satzungen heißt, bezweckt der Verband den Zusammenschluß der bestehenden Frauenvereine der Logen a) um die Einheitlichkeit aller Frauenbestrebungen innerhalb der Logen zum.Ausdrück zu bringen und einen steten Verkehr und Gedankenaustausch zwischen den einzelnen Logenfrauenvereinen zu vermitteln; b) um die Anregung zur Neugründung von Schwestervereinigungen in solchen Städten zu geben, in