Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1913
- Issue
- Nr. 11 - November
- Date
- 1913-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdischen Gemeinden, Rabbiner, Lehrer, Logen und sonstige in Betracht kommende Vereine gesandt, mit der Bitte, die Verzeichnisse an geeignet erscheinenden Stellen auszuhängen und die Bestrebungen der Arbeitsnachweise zu unterstützen. Viele Gemeinden haben ihr Interesse für die Sache bekundet und um Zusendung weiterer Tabellen gebeten. Das beweist. daß auch Gemeinden, in denen wir keine Logen besitzen, die Tätigkeit der Arbeitsnachweise würdigen, und sie zu fördern bereit sind. Auch ein J u g c n d v e r e i n in einer Universitätsstadt hat uns um Material für eine evtl. Begründung eines Arbeitsnachweises ersucht. Die Organe der Großloge,, das Generalkornitee und der Gescjiäftsausschuß bringen dem Verbände der Arbeitsnachweise das größte Interesse entgegen und begrüßen jede Phase seiner gedeihlichen Entwicklung mit aufrichtiger Genugtuung. Gerade jetzt, wo der wirtschaftliche Antisemitismus sich fühlbar zu machen beginnt, gerade in einer Zeit, in der große Etablissements und Aktiengesellschaften, bei denen Juden als Aufsichtsräte, Direktoren, und Aktionäre beteiligt sind, jüdische Kräfte zurückweisen, sodaß viele junge Leute sich durch Fahnenflucht zu retten suchen, sind unsere humanitären, kostenlosen Arbeitsnachweise von großer Bedeutung. Durch die Arbeitsnachweise hoffen wir im Sinne unseres Ordens erziehlich auf unsere Glaubensgenossen zu wirken. Die Komiteemitglieder einer jeden Loge — das hoffen wir — werden ihre ganze Persönlichkeit in den Dienst der Arbeitsnachweise stellen und Fabrikanten, Geschäftsinhaber, Aktionäre beeinflussen, ihr soziales Empfinden wecken, ihr Gewissen schärfen, sie an ihre Pflichten gegen den Väterglauben erinnern und sie darauf aufmerksam machen, daß die beste Wohltätigkeit die ist, die dem Arbeitswilligen Arbeitsgelegenheit verschafft, damit er nicht sozial strauchelt und zum Almosenempfänger herabsinkt, und damit der Jude nicht gezwungen ist, seinen Glauben für das Stückchen Brot verkaufen zu müssen! Während der Zeit vom Januar 1911 bis Juli 1913 wurden 9089 Arbeitsuchende untergebracht; ) davon 5257 in festeStellen, 3832 in Aushilfestellen. 6178 männl. r 2911 weibl. Ginsberg—Finkel. ') Wir geben liier nur die Z weif ei l Ol Untergebrachten / iffeVniülüit 13: da wir in einer Reihe von Fällen keine Nachricht erhalten, so dürfte die Zahl der Untergebrachten in der Tat eine noch groficre »ein. Die Krankenschwestern-Organisafion. i ■ ' < . In unserer Krankenschwesternangelegenheit haben wir in der verflossenen .Berichtszeit eine durchgreifende Reorganisation vornehmen müssen. Diese geht zurück auf die Anregungen des Br. Feldmann- Stuttgart, der zu verschiedenen Malen auf die großen Mängel hingewiesen hat, die zutage traten, und dann in einer sehr mühsamen und gewissenhaften Arbeit den Nachweis lieferte, an welchen Stellen zur Beseitigung dieser Zustände einzusetzen sei. Diese Mängel hatten ihre Ursache in der geschichtlichen Entwicklung. Ursprünglich hatten wir nur mit einem Krankenhause einen Vertrag zur Ausbildung jüdischer Mädchen zu Krankenschwestern, mit dem Berliner jüdischen Krankenhause. Dieser Vertrag verlangte, daß die für unsere Kosten ausgebildeten Schwestern dauernd dem Mutterhause des Berliner Vereins für jüdische Krankenpf'egerinnen angehöreri müssen. Obgleich der Verein sich verpflichtet hatte, bis zu 6 Schwestern jährlich für uns auszubilden, konnte er dieser Verpflichtung nicht nachkommen, sodaß wir bald nicht mehr in der Lage waren, den ständig wachsenden Ansprüchen nach ausgebildeten Schwestern zu genügen, und uns nach weiteren Ausbildungsstätten umsehen mußten. Solche fanden sich denn' auch sehr bald in den jüdischen Krankenhäusern in Breslau" und Cöln, wo. man uns in bester Weise entgegenkam und sich verpflichtete, die für uns dort ausgebildeten Schwestern nach erfolgter Ausbildung und Absolvierung des praktischen Dienstjahres uns zu übergeben, ohne daß, wie in Berlin, noch irgend ein Zusammenhang mit dem Mutterhause verlangt wurde. Im weiteren Verlauf der Entwicklung unserer Stationen 'kam es natürlich nun dahin, daß wir eine Schwester'Berliner Provenienz einmal mit einer solchen, die in Breslau oder in Cöln ihre Ausbildung genossen hatte, zusammen stationieren mußten. Dies verbot der Berliner Verein und blieb bei diesem Verbot trotz unseres Hinweises, daß die Ausbildung in Breslau und Cöln ebenso gut sei wie' in Berlin, und dal! durch Ablegung des überall in gleichem Maße verlangten Staatsexamens auch eine Gleichwertigkeit gewährleistet wäre. Um aus diesem für uns unerträglichen Dilemma herauszukommen, stellten wir in der Sitzung des Verbandes jüdischer Krankenpflegerinnenvereine den Antrag, daß die aus verschiedenen Ausbildungsstätten kommenden Schwestern an ein und derselben Station