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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-05-01 · Nr. 5 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 5 - Mai
Date
1913-05-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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Millionen Dollars für wohltätige Zwecke verausgabt und an 400 Orten seine Arbeitsstätten errichtet habe, ilöße ihm gewaltige Achtung ein; er ist überzeugt, daß sich diese Zahlen inzwischen erheblich vergrößert haben. „Sie (die Juden) mußten gegen Hindernisse ankämpfen, Sic mußten Mühen überwinder, wo Ungerechtigkeit und Vorurteil Ihre reinsteh Absichten zu durchkreuzen drohten — und dabei hat sich Ihr Charakter gefühlt und ausgebildet. Energie, Geduld, Zähigkeit, Nachsicht und Toleranz im Verein mit brüderlicher Gesinnung gegen alle Ihre Glaubensgenossen auf dem weiten Erdenrund, alle diese Tugenden haben den Bestand Ihrer Gemeinschaft gesichert und sie zu einem so wichtigen Bestandteil des amerikanischen Volkes gemacht." Mr. Taft ging dann auf die Beteiligung der amerikanischen Juden an allen sozialen und kulturellen Bestrebungen ein und erzählte, wie es ihm und seiner Gattin nur durch die Freigebigkeit und den Kunstsinn der Juden ein~t ermöglicht-worden sei, in Ciflcinnati einen Orchester-Verein ins Leben zu rufen. Nach einem Exkurs in das Gebiet der Politik, wobei er das Fehlschlagen seiner auf die Einsetzung von Schiedsgerichten abzielenden Bestrebungen lebhaft bedauerte, kam Mr. Taft wieder auf unseren Orden zurück; „Ihre Tätigkeit im Dienste der Humanität gibt der Welt ein gutes Beispiel. Ich weiß nicht, warum, aber es ist Tatsache, daß die jüdischen Wohlfahrtsefnrichtungen die größten der Welt sind (was im Jahre 1905 aucifder erste Austauschprofessor, Mr. Peabody, in Berlin behauptet hat! Anm. des Referenten). Diese charitativen Werke -ind höchst vollkommen, meiner Ansicht nach dtshalb, weil sie dem Geiste der Brüderlichkeit entstammen, der sich infolge Ihrer gemeinsamen Leiden in Jhrer Glaubensgemeinschaft entwickelt hat. — Ich habe -Ihnen in meinen Ausführungen die Dankbarkeit zum Ausdruck bringen wollen, die ich gegen Ihren Orden hege, der mir so viel wohlwollende Gesinnung entgegenbringt, und die aufrichtige Bewunderung, die ich einer Glaubensgemeinde zolle, die eine solche Ordensbrüderschaft hervorgebracht hat.'' y^" Nach den) Präsidenten sprach unser ehrwürdiger Br.S i m o n Wolf. Er entwarf einen Rückblick auf die siebzigjährige Geschichte des Ordens in Amerika, betonteaber den kosmopolitischen Charakter des Ordens, der „überall einspringe, wenn es gelte, Menschen — ohne Rucksicht auf ihr Bekenntnis — die Wege zu ebnen". Br. Wolf wies auf das Denkmal hin, welches der Orden seinem Mutterlande in Fairmont Park hat errichten lassen. Auf das politische Gebiet übergehend, rühmte Br. Wolf das Eingreifen des Präsidenten Urant zu Gunsten der rumänischen Juden, der einen unserer BniJer, Benjamin F. Peixotto, als Sondergesandteu nach Bukarest geschickt hatte. Er wies mit Stolz auf die angesehene Stellung der Juden in "Amerika hin, denen ihre neue Heimat als das „gelobte Land" erscheine. Den Orden betrachtet Br. Wolf als eine Organisation, die danach strebt, Menschen aller Länder in immer innigere Verbindung mit einander zu bringen und so die Menschheit zur Verwirklichung aller Ideale zu erziehen, welchen die Juden seit Jahrtausenden nachgelebt und nachgestrebt haben. „Hoffen wir," so schloß der Redner, „daß auch das hundertjährige Jubelfest de* Ordens einen festgefügten Bund findet, zum Wohle der Menschheit, einen .internationalen Bruderverein, der den Frieden lehrt und für ihn wirkt, und der für alle Ideale des Glaubens und des Vaterlandes mutvoll eintritt." Trotz seiner fünfundsiehzig Jahre, beteiligt sich Br. Simon Wolf an allen Bestrebungen sozialer und kultureller Art. So leitete er einige Tage später die Verhandlungen des Amerikanisch - Israelitischen Gemeindebundes, der Ende Januar in Cincinnati tagte. Dieser Kongreß bekam ein besonders festliches Gepräge durch die mit ihm verbundene Einweihung des neuen Rabbiner-Seminars, das seit seinem Bestehen 126 Rabbiner für die bedeutendsten Gemeinden der Union und Canadas ausgebildet hat. Zur Unterhaltung dieser segensreich wirkenden Anstalt wurden bei der Feier binnen wenigen Minuten einmalige Spenden und Jahresbeiträge von insgesamt 200 000 Dollars gezeichnet, ein Ergebnis, das der Werbekraft des Br. Wolf sowie der Opferwilligkeit der amerikanischen Juden — auch wenn es sich „nur" um eine theologische Anstalt handelt — ein glänzendes Zeugnis ausstellt. Eine ähnliche Opferwilligkeit bewies Br. Grabfelder bei der Generalversammlung des von unserm Orden begründeten Tuberkulosenheims in Denver (Colorado). Dieser Bruder verpflichtete sich, an das Tuberkulosenheim ein Asyl für solche Patienten anzuschließen, die nicht genesen sind, und solche, die zwar genesen sind, aber einen Rückfall erlitten haben; bisher hatten die betreffenden Örtsgemeinden für solche Pfleglinge sorgen müssen. Br. BenjaminAltheimer erbot sich, das ganze langgestreckte Grundstück mit Parkanlagen zu umgeben und ein Portal zum Andenken an seine verblichene Gattin "zu stiften. Dank aller Spenden, Stiftungen und anderen Beiträge wird das Hospital in Denver das größte Tuheikulosenheim der Welt werden, wie der Vorsitzende, Br. Grabfelder, mit Bestimmtheit erwartet. 74 —

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