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Bericht der Großloge für Deutschland · 1913-04-01 · Nr. 4 - April · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1913
Issue
Nr. 4 - April
Date
1913-04-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Sitzung, da wir ihn unter uns sahen, am 1. Februar, vom Platz des Wächters aus, den er nach eigener Wahl einnahm, hat er gesprochen und die Brüder aufgefordert, Opfer auch der Geselligkeit nach Schluß der Sitzungen zu bringen. Schon imjahre.1891 wurde Gabriel Hirsch Präsident der Loge. Ich will nicht über seine Wirksamkeit sprechen, seine Konzilianz sicherte ihrfi stets die Herzen seiner Brüder. Aber von Gabriel Hirsch als Kollegen und Freund muß man sprechen, um zu begreifen, was seine Freunde verlieren. Den geschäftlich mit vielleicht allzuviel Fleiß und Gewissenhaftigkeit arbeitenden Mann, der sich tagsüber nicht einmal einen Spaziergang ins Freie gönnen-wollte, konnte man zu einer kollegialischen Besprechung zu jeder Tages* und Nachtzeit haben. Ungeniert bat man ihn telephonisch ' ■ * ' ' •« .um eine Besprechung, und mit größter Bereitwilligkeit schallte es zurück: „Ich komme auf dem Weg aus dem Büro zu Dir vor." Und die Besprechung und Beratung mit ihm führte stets zu befriedigendem Ziele; offener, ehrlicher Rede > stets zugänglich, immer ruhig und sachlich erwägend jedem das Seine zu gewähren bestrebt, wirkte er überall das Gute und Edle auf friedlichen, freundlichen Wegen fördernd. Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben die tiefe frommigkeit, die diesen wahrhaft gläubigen Juden in seiner großen Stellung innerhalb derjudenheit gleichsam emportrug, ihm die Kraft verlieh, auf seine Mitarbeiter einzuwirken. In ihm zeigte sich ein Mann, fest im Glauben und in wahrhafter Religiosität, dem Eindruck vermochte sich niemand zu entziehen. Das Andenken des Menschen Gabriel Hirsch ist gesichert, solange jemand leben wird, der ihn gekannt. Weshalb werden uns gute Menschen so früh genommen? Wir können diese Frage nicht beantworten1. — Vielleicht — damit Mitlebende es ihnen nachtun. Und das soll die Aufgabe der Brüder der Berend Lehmann- Loge sein. Ehre seinem Andenken durch edle, hilfreiche, gute Tat! M. J. Dem Andenken Ernst Lurias. Am 5. März 1913 starb Br. Ernst Luria — Expräsident der Steinthal-Loge und deren Mentor. Als Mitgründer seiner Loge im Jahre 1909. war er deren erster protokollierender . Sekretär, darauf Vizepräsident, Präsident und Mentor. Sein Tod erfolgte plötzlich und gänzlich unerwartet. Er löste so viel Schmerz und so viel Liebe aus, daß auch der, der Br. Luria-- nicht persönlich kannte, sich der allgemeinen Ergriffenheit nicht entziehen konnte. Am 30. März er. fand in der w. Steinthal-Loge zu Hamburg eine Trauerfeier statt, die durch die Anwesenheit des hochw. Großpräsidenten eine besondere Weihe erhielt. Der w. Präsident der Steinthal - Loge Br. Rabbiner Dr. Sonderling hielt die Gedetikrede. Ihr folgte die Ansprache des Großpräsidenten, sodann die des Vertreters des hanseatischen Logenverbandes Br. Dr. Halpern. Chorgesang eröffnete und schloß die erhebende Feier. Wir geben hier einige biographische Notizen aus dem Leben unseres dahingeschiedenen Bruders: Ernst Luria wurde am 12. März 1S59 in St. Thomas (Dänisch-Westindien) als Sproß einer edlen portugiesisch-jüdischen Familie geboren. Im Alter von 8 Jahren kam er mit den Eltern nach Hamburg, wo die Familie seit langen Jahren bereits ansässig gewesen war. In jugendlich-kräftigem Alter ging er nach Südamerika, lebte in St. Jose (Costa Rica), Ecuador, heiratete in Caracas (Venezuela) Am,a de Sola, eine portugiesische Jüdin aus vornehmer . Familie. In Hamburg war er Chef des vom Vater begründeten großen Handelshauses B. Luria & Co. Br. Luria hinterläßt außer seiner Witwe eine Tochter und drei Söhne. Bei der Beerdigung spjfch als Vertreter der Großloge das Mitglied des Generai-Komitees Br. Alfred L isser. Wir geben Br. Lisser als dem Freunde, der dem Herzen des Verstorbenen nahestand, das Wort: „Wie ist es mir leid üm Dich, mein Bruder Jonathan, ich habe große Freude und Wonne an Dir gehabt." Wenige Wochen erst sind vergangen, da leitete, dieses Wort des königlichen Sängers die Totenklage ein, als die Großloge für Deutschland des Ü. O. B. B. zwei bewährte Führer betrauerte. Und heute, wo ich namens der Großloge der Trauer des deutschen Distrikts Ausdruck gebe um den Heimgang eines Edlen, mischt sich der Klage die ernste. Sorge bei; denn mit Ernst Luria tragen wir Hoffnungen und Entwürfe, Verheißungen und Wünsche zu Grabe. Der Baum, in dessen Schatten die Brüder Labung fanden, dessen Blütenpracht uns entzückte, dessen reiche Ernte sich mit jedem Jahr mehrte, dahingestreckt in seiner besten Kraft. „Wie ist es mir leid um Dich, mein Bruderjonathan." Es kann heute nicht die Aufgabe sein, zu künden, was Ernst Luria seinen Brüdern war; an einem anderen Orte zu einer Zeit, wenn Ergebung in das Unabänderliche eingezogen sein wird in unsere Herzen, wollen wir Zeugnis ablegen von der beispiellosen Liebe und Verehrung, die er sich erworben hat.

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