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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-01-01 · Nr. 11 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 11 - Dezember
Article
Beilage zu Nr. 11
Date
1908-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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dass sie flüchtig, gedankenlos, falsch gegeben werden. Aber die Präsidenten übersehen es. Das sollte nicht sein. Dauernde Vernachlässigung der Form erzeugt eine Herabwürdigung der/ Sache. Gewisse Formalien sind überall vorhanden und sind auch erforderlich unter Fremden und Brüdern. Selbst die tiefste Innerlichkeit bedarf einer Aeusserung. Was nicht immer geübt wird, gerät in Vergessenheit. Darünter leidet die Sache selbst Ich« ■ werde es bei jeder Gelegenheit anregen, dass unseren Formen die nötige Beachtung zuteil wird. A. Das ist löblich von Ihnen. Nach dieser Einschaltung kehren wir zu unserer! Frage zurück. Es versteht sich ganz von selbst, dass jeder Bruder darauf Anspruch hat, dass man ihm von Logen wegen mit Rat und Tat zur Seite steht in allen Fährnissen des Lebens. Er kann mit Sicherheit darauf rechnen, dass ihm geholfen, wenn seine Existenz bedroht ist, dass den Witwen und Waisen Hilfe in ausgiebiger Weise zuteil wird. Das gehört zu den. souveränen Pflichten, welche die Logen auf sich genommen haben und an die sie an jedem Logenabend feierlichst! erinnert werden. B. Und doch wird geklagt, dass die Hilfe versagt oder nicht ausreichend geleistet wird. A. Das ist das Schicksal der Hilfesuchenden, dass sie sich schlecht behandelt glauben. Wo abgelehnt werden musste, lag auch triftiger Grund vor. Soweit die Mittel der Loge reichen, ist jederzeit geholfen worden, oft über die Mittel hinaus. Niemals haben sich die Brüder geweigert, noch persönlich beizuspringen, und es sind mir viele Beispiele bekannt, wo sich die Logen und die Brüder in wahrhaft grossartiger Weise gegen ihre notleidenden Brüder benommen haben. Alle Logen ohne •Ausnahme, grosse und kleine, üben die Wohltätigkeit an den Brüdern in grossem Stile aus. Das lassen Sie sich gesagt sein. Wo Sie gegenteilige Ansichten hören, forschen Sie nach und Sie werden erfahren, dass unsere Wohltätigkeit über alle Zweifel erhaben ist, vor. jeder Kritik bestehen kann. : Aber Sie wissen auch, dass die Wohltätigkeit bei uns nicht Selbstzweck ist und nicht für unsere Brüder allein gilt. Uns bedeutet die Wohlfahrt bei weitem mehr. Die Wohlfahrtsbestrebungen bilden bei uns den Hauptkern aller sozialen Fürsorge, die wir auf alle Bedürftigen erstrecken ohne Unterschied der Konfession Das haben wir seit unserm eisten Auftreten genügend . bewiesen, und nur arge Selbsttäuschung oder absichtliche Verkennung kann das in Abrede stellen. Darum erziehen wir auch unsere Brüder zur sozialen Arbeit. Unser Orden ist der grosse soziale Volkserzieher, der immer wieder die wahre Verwirklichung humaner Dejnkweise und Lebensanschauung durch die Tik verlangt. Auch dieser Boden ist ein geistiger: aus dem geistigen Ringen und der Geistesarbeit heraus kommen die sozialen Werke und Einrichtungen. Auf diesem Wege sucht er die Juden Deutschlands zur Ebenbürtigkeit der Leistungen im sozialen Leben zu erziehen, und damit unseren edelsten und höchsten Idealen, unserm Vaterland und unserm Glauben zu dienen. Er klärt alle die Fragen auf, weist ihnen die Wege zur Lösung an und sorgt endlich für die praktische Durchführung dieser Lösung. Die soziale Arbeit, die Erziehung zum selbständigen Denken, die Pflege des Pflichtbewusstseins gegenüber der Gesamtheit verdanken wir dem Orden. Wir belehren unsere Brüder durch Vorträge aus dem Gesamtgebiet der sozialen Wissenschaft, geben ihnen Kenntnisse von den sozialen Einrichtungen, welche Staat, Gemeinden, Vereine, Menschenfreunde geschaffen. Wir weihen sie ein in die Grundsätze sozialer Fragen, wir leiten sie an, Fürsorge in richtiger, vernünftiger Weise zu üben Ist das nicht ein hoher Gewinn für die Brüder? Werden sie nicht dadurch in d£n Stand gesetzt, verständnisvollen, lebendigen Anteil an allen Wohlfahrtsbestrebungen zu nehmen: Jedem Bruder wird das Gefühl beigebracht, dass er nicht für sich allein auf der Welt ist, sondern sein' Herz und sein Sinnen der Not der Menschheit öffnen soll. Die egoistischen Triebe werden in ihm zurückgedrängt das soziale Empfinden wird in ihm geweckt und gestärkt. Ist das nicht ein ideales Hochziel, das wir den Brüdern zeigen, da's ihrer wartet?^ Glauben Sie mir, die soziale Erziehung hat bei uns gute Erfolge gebracht für die Gesammtheit wie für den Einzelnen. Sie hat dem Logenwesen einen idealen Hintergrund geschaffen, die Opferwilligkeit bei allen Brüdern hervorgerufen, Freudigkeit am Geben, Freude am sozialen Wirken in <lie Seelen der Brüder getaucht. 2» —

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