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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-12-01 · Nr. 11 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 11 - Dezember
Date
1908-12-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Gerade das sei an dem Entwurf zu begriissen und anzuerkennen, dass er sich bestrebe, mit Toleranz allen Richtungen im Judentum gerecht zu werden. Freilich sei der Entwurf lückenhaft, da er nur die eigentlich organisatorischen Punkte regle, eine Reihe von wichtigen Punkten aber, wie die Gottesdienstordnung, die Prüfungsordnungen, die Amtsinstruktionen der Beamten, die Verwaltung des Gemeindevermögens, die Kirchenpflege, den Steuereinzug, die Stiftungen und anderes mehr vorerst jedenfalls ausser Betracht lasse. Allein, das solle nicht abhalten das, was geboten werde, soweit es gut sei. anzunehmen. Besonders not tue eine Aenderung und Verbesserung des Steuerwesens, welches nach dem alten Einschätzungs-. (Erach-) System gehandhabt und oft ungerecht werde; der Vorschlag, statt dieses Systems die Kirchehstouern, in Prozenten der Staatssteuern einzuziehen, sei zu begrüssen. vorausgesetzt, dass der Staat seine Listen zur Verfügung stellt. Ebenso sei eine Aenderung der obersten Behörde in kirchlichen Angelegenheiten der isr. Oberkirchenbehörde unbedingt zeitgemäss. Es sei nicht einmal notwendig, einen engeren und einen weiteren Ausschuss wie vorgeschlagen werde, zu bestellen, den ersteren aus den bisherigen lebenslänglichen Mitgliedern, den letzteren aus gewählten Vertrauensmännern der einzelnen Gemeinden; die Hauptsache sei, neben den 3 ständigen und lebenslänglichen Mitgliedern (dem Ministerialvorstand, dem theologischen und dem juristischen Mitglied) der Zahl der Glaubensgenossen entsprechend etwa zehn auf Zeit in periodischer direkter und geheimer Wahl von den Gemeinden gewählte Delegierte zu haben, die in steter Fühlung mit den Gemeindegenossen deren Wünsche am besten zu berücksichtigen vermögen. Dagegen sprach sich der Redner entschieden gegen eine zweite Körperschaft zur Gemeindeverwaltung neben den Kirchenvorsteherämtorn aus, da die Beschlüsse der letzteren, soweit sie von grosser Bedeutung sind, ohnehin der Kontrolle der Oberkirchenbehörde und teilweise ihrer Genehmigung unterstehen und eine zweite Körperschaft, der vorgeschlagene Gemeindeausschuss einen unnötigen schwerfälligen Apparat erzeuge. Auch habe die bisherige Erfahrung keine Veranlassung gegeben, in dieser Hinsicht eine andere Aenderung zta treffen, als die, die Zahl der Kirchenvorsteher zumal in den grossenGemeinden zu vermehren. . Auf alle weiteren Punkte, welche der Redner in seinem nahezu zweistündigen Vortrage berührte, einzugehen, ist hier nicht der Ort. Bemerkt sei nur noch, dass die vielbestrittene Frage, ob jemand nach seinem Belieben einer Kircliengemeinde solle angehören können, oder wie der Entwurf vorsieht, die Zugehörigkeit sich na< h dem Wohnsitz bestimmt, und derjenige, welcher aus der Gemeinde seines Wohnsitzes austritt, damit ,auch aus der Religionsgemeinschaft austritt, vom Hedner in eingehender Darlegung im Sinne des Entwurfs beantwortet wurde, weil sonst die Gefahr der Zersplitterung eino ausserordentliche und die Leistungsfähigkeit der Gemeinden unmöglich sein würde. Auch darauf sei hingewiesen, dass der Redner nachwies, dass das eigentlich religiöse Moment bei diesem Entwurf gar nicht so sehr im Vordergrund stohe, derselbe vielmehr in der Hauptsache Organisationsfragen zu regeln habe. Sovi'pI aber, hob der Redner am Schlüsse hervor, könne festgestellt werden, dass gerade wir vom Standpunkt des Ordens aus; den bestrebt sei, Israeliten aller Richtungen zu vereinigen, den eine fortschrittliche Entwicklung in angemessenen Grenzen und unter Berücksichtigung aller Meinungen bedeutenden Entwurf freudig begrüssen und nur hoffen können, dass er mit verschiedenen vorgeschlagenen Aenderungen auch Gesetz werden möge. Beschämend füf unsere Loge war es, dass wie die meisten unserer Sitzungen auch dieser Vortragsabend trotz seines sehr interessanten und aktuellen Themas nur verhaltnissmässig schwach besucht war! / Der Verein für Arbeitsnachweis begründet Von den Berliner Logen U. O. B; B. hat im Monat Oktober 227 Personen 'in feste Stellung gebracht und 73 Arbeitssuchenden vorübergehende Beschäftigung verschafft.^

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