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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-12-01 · Nr. 11 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 11 - Dezember
Date
1908-12-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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wer und mit ^Venn die Gewinnsucht sich vermindern wird. len die galizischen Juden sich zahlreicher eifriger der Landwirtschaft in kleinen und lereii eigenen Wirtschaften (Farmen) oder Pachtungen zuwenden, der Garten- und Obstkultur, um ihr Erwerbsleben konform mit dem i"harakterdesLandes,welchessiebewohnen, zu gestalten. {Die organisierten Trödlerscharen werden auf ihre grosseren pekuniären Gewinne verzichten, wenn sie sich vergegenwärtigen, dass beim Handel ein viel grosseres Risiko, ihnen oft VerlHsje bringt. Die riesigen vom Staate oft unter die[ Landwirte verteilten Unterstützungen werden aucjh den Juden zuteil werden, welche bis nun nuij in Form von Steuern zu diesen Unterstu^zungen beitrugen, aber nie davon profitierten, obwohl das Elend der jüdischen Händler und Handwerker ebenfalls elementarisch auftritt. Niemandem ist es bis heute in den Sinn gekommen, en aus dem Landesfonds Hilfe zu leisten. ihr* |Die übriggebliebenen Krämer werden sich in richtige Kaufleute verwandeln und das jüdische Handwerk wird aufblühen, wenn der grössere Tejl dieser Klassen Handels- und Gewerbeschulen ™4g* einer starken Organisation, zu einem Hilsvereine das Zusammengehörigkeitsgefühl die unwürdigen und schrecklichen Umtriebe der Konkurrenz ersticken und ganz vernichten wird. . '- i Die untereinander in fortwährender Korrespondenz befindlichen Gruppen des Vereines werden fortwährend von Abgesandten der Zentrale kontrolliert undzu weiterer Arbeit an- -gejeifert, sie werden auf sehr leichte Weise die Arbeitsvermittlung übernehmen und werden immer Iii (1 überall Beschäftigung für Arbeitswillige zu fu den wissen: andererseits im Besitze der Organisation des Armenwesens werden sie nicht zi lassen, dass arbeitsfähige Individuen trotz genügender Arbeitsgelegenheit, dieselbe verschmähen oder gar betteln. ' Als starke Organisation ohne politische Färbung wird sie mit ungeheuerem Nachdrucke an die autonomen Behörden und" die Zentralregierung rnit Postulaten zur Unterstützung der jüdischen Arbeit und Verbesserung ihrer Existenz in jeder Richtung herantreten können; denn die vereinigte Judenschaft stellt eine viel zu grosse Macht im Lande vor, als dass man ihrer Stimme kein Gehör schenken und ihre gerechten Forde rungen nicht erfüllen sollte. Auf diese' Weise habe ich ein Arbeits Programm entrollt und die Wege gezeigt, auf welchen wir fortschreiten sollen; es ist hier nicht die geeignete Gelegenheit, um jeden einzelnen Schritt genauer zu besprechen, da solchen jeder Wahrhaft fortschrittliche Jude, dem das Los seiner Glaubensgenossen an* Herzen liegt, bei gutem Willen selbst zu bestimmen im Stande sein wird. Ich resümiere nur in allgemeinen Umrissen nachstehend unsere Aufgaben': 1. Verbreitung der Prinzipien moderner Ethikunter den jüdischen Massen 2. Umgestaltung der Jugenderziehung: Kinderhorte, Fr«'»beischulen, Umänderung der Cnedarim ~ 3. Organisation der galizischen Juden lediglich auf ökonomischer Basis 4. Armenorganisation nach Elberfelder Vorbilde.*) 5. Bildung von Gruppen in jeder Stadt, welche sich gleichzeitig mit Arbeitsvermittlung beschäftigen. 6. Bestreben, die galizischen Juden der Land Wirtschaft und dem Gartenbau zuzuführen. 7. Kautieuten und Gewerbetreibenden Gelegenheit zur Fachausbildung zu verschaffen. Loder *) Städtische Armenverwaltung in Elberfeld; Begründer Daniel v. d. Ueydt, Gustav Scldieper und David Peteis. Die Hauptgrundsätze des Elberfeld er Systems sind folgende : 1. Keinem Armcnpfleger Süllen mehr als 4 Famiben oder cinzeUtehendc Arme unterstellt «erden, damit gründlich geprüft und kontrolliert werden kann. 2. Die Armenpfleger sollen nicht als ausführende Organe im Dienste der kommunalen Obrigkeit tätig sein, sondern in den Mezirksversaminlungen selbständig l nterstüt/ung schliessen, während die Arinenvcrwaltung die Tätigkeit Pfleger durch genaue Instruktion regelt. 3. Jede 1'nterstUtzung soll möglichst nur auf 14 Tage gewährt und nur nach erneuter Prüfung weiter bedingt werden. Die immer von neuem notwendige Erörterung der einzelnen Fälle soll dem Pfleger zwingen, mit den seiner Obhut anvertrauten Armen in steter Kühlung zu bleiben. Zum Zwecke der Ausübung der Armenpflege ist die Stadt nach dem Elberfelder System in Bezirke eingeteilt, deren Jeder in Quartiere zerfällt. Jedem Bezirk steht ein Vorsteher, jedem Quartier ein Pfleger vor. Regelmässig (gewöhnlich ajle 14 Tage) vereinigen >ich die Pfleger zur Bczirksversammlung, die Uber Art und . l'mfang der Hilfe beschliesst 164 —

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