Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 11 - Dezember
- Date
- 1908-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ich an den Chederschulen nichts auszusetzen;" *ie' sind als eine Art von Koedukationsanstalten anzusehen für Kinder über 4 Jahre, die noch, nicht schulpflichtig sind, aber es kann nicht energisch genug protestiert werden gegen die Ei»n^chtung und Führung dieser luft- und lichtloden Spelunken, wo alles dazu angetan ist, um de\\ Geist des Kindes zu zerstören, die Kinder plijysisch und moralisch verkümmern ■ zu lassen, um sie in einer Welt des Wahnes zu erhalten unjd -sie ihren andersgläubigen Altersgenossenzu entfremden. - Und - die Chederschule rächt sich später in de i Knabenjahren und lässt ihre Spuren im Charakter und Temperament der Erwachsenen zurück. Ks ist aber heutzutage evident, dass ausschliesslich Bildung im Stande ist. Menschen zu veredeln, dass sie sie ohne Zweifel verbessert und zur gänzlichen (ileichmachung der betreffenden Gesellschaft in Bezug auf Charakter und Stammeseijrenschaften beiträgt. ~, ' Die wahrhafte Arbeit an der Hebung der niederen Schichten einer Gesellschaft kann nur dann Früchte tragen, wenn wir auf Charakter und -Temperament der betreffenden Schichten Rücksicht nehmen; Dies wird ein Ausländer und sogar ein Einheimischer, welcher mit diesen Schichten nicht in fortwährenden Kontakte steht, aus keinem Buche lernen, aus keinem Rechenschaftsberichte ei+aten, aus keiner statistischen Tabelle auskalkulieren. : Diese Arbeit muss die galizische jüdische Gesellschaft selbst auf sich nehmen, und wenn ausländische jüdische Wohltäter für Galizien etkvas leisten wollen, dann mögen sie diese Arbeit unterstützen." 1 Wenn wir uns nun an diese Arbeit machen, messen wir vor allem die Illusion lassen, als ob esj sich hier nur - um das baldige materielle Resultat handeln sollte, dass die Wege, auf welchem rnlan zu demselben gelangt gleichgültig wären. Im Gegenteil, die Mittel und Wege, auf welchen wiC zum Ziele gelangen wollen, sind viel wichtiger. Für mich ist derjenige, welcher mit eigener Arbeit" sich langsam eine gesicherte Zukunft erkämpft, viel achtenswerter, als derjenige, welcher plötzlich einen Goldonkel aus Amerika beerbt. '! Ich meine hier eine Arbeit, deren Zweck sein wird, das Streben nach Gleichstellung der breiten Massen des galizischen jüdischen Volkes mit Völkern auf höherer Kulturstufe, (las Bestreben fiach Verbreitung der Kulturkeime, welche die Basis bilden für die selbständige geistige und ökonomische Entwicklung der modernen Zivilisation, unter den Massen der reaktionären Chassidim und: ihrer Helfershelfer. Bis nun glauben diese Chassidim, welche in einer kabbalistischen Welt voll trügerischer Illusionen leben, blind an das Fatum und nicht nur, dass sie weder die Qf? ' ganisation der modernen Gesellschaft, noch ihre Krankheiten und Bedürfnisse verstehen wollen, sondern, (was noch viel mehr in die Wage fällt) sie stellen, um bei den Behörden die Existenz ihrer Wundertäter zu erkaufen, gerne diesen Magistraturen ihre höchsten Bürgerrechte zur Disposition, wie z. B. bei den Wahlen, obwohl dann ihre Stimmen oft gegen die offenkundigen Interessen des Judentums ausgebeutet werden. Die "Diskussion in dieser Richtung ist schwer, fast unmöglich. Die Leute leben im 20. Jahrhundert im Lande einer hohen Kultur und wollen nicht die Früchte ihre kulturellen Brüder verstehen, sie schauen nicht auf ihr Tun, hören nicht auf ihre Worte. Sie — und mit ihnen die meisten galizischen Juden — suchen ihr Heil in der Vergangenheit, das fortschrittliche Wissen ist ihnen ein Greuel. Für solch eine Schichte, ilie immer noch Wunder erwartet, gibt es nur einen Weg, den der gleichzeitigen ökonomischen geistigen und sozialen Umwandlung. Dies bezieht sich nicht nur auf Reaktionäre; auch bei Menschen von gutem Willen und grosser Energie herrschen oft verderbliche Prinzipien, die den Entwicklungsgang der galizischen Juden hemmen. In dieser Masse des finsteren, unproduktiven Volkes, das sich krampfhaft vom Lichte fern" hält, sind edle Individuen sehr dünn gesäet, darum bedarf es des starken Glaubens an die Möglichkeit der Umwandlung der ganzen sozialen Lebensweise der galizischen Juden, wenn wir produktive Arbeit zu ihrem Besten beginnen wollen. In dieser Arbeit soll die jüdische/Intelligenz mit gutem Beispiel voran gehen, täglich auf Schritt und Tritt und in jeder Lage soll Isie trachten, eine Purifikation ihrer Glaubensgenossen durchzuführen, und die Arbeit wird gewiss von Erfolg sein, weil die Symptome dieser ver- 152 —