Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1908
- Issue
- Nr. 6 - Mai
- Date
- 1908-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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BERLIN, im Mai 1908. No. 6. Bericht der Grossloge für Deutschland U. O. B. B. Nachdruck sämtlicher Artikel aus diesen Berichten verboten. Fernsprecher: D. Wolff, VI. No. 4619, Wilhelmstrasse 118. ■ i ■* Inhal): ttii können wir .für unsere Jugend tun? — Zur Frag« der Jngendveraine. — Bülte beachten«warte Anregung. — Das erfolgreiche lieben. — Ferien-Kolonien. — KlUf dem Bureau der Grossloge. — Unser Arbeitsnachweis. —» Aus den Logen des VIII. Distrikts. Gabriel Kic~-.iT-l.nge, ■ Hoheii/ollern-l.uge. — Aus dem Gedächtnisbucli der Grossloge. — Mitteilungen der Logen. — Arrangements an Badeplätzen. . ' ' . : Was können wir für unsere Jugend tun? ) ii. " 'Bh^ E. r>. Passender Familienanschluss, so führte ich in meinem Tin igen Artikel ans, wäre unter anderem das beste Mittel, unsere Jugend sittlich rein zu erhalten und ihrem Leben in den Entwicklungsjahren einen höheren Inhalt zu geben. Meine Ansicht ging dahin, dass in erster Linie die Herren Chefs es als eine heilige Pflicht betrachten müssten, die bei ihnen beschäftigten jungen Leute zu den Familien- und Gesellschaftsabenden hinzuzuziehen. Dadurch werden diese nicht nur den veredelnden Hauch der Familie verspüren, sondern auch auf ihren Lebensweg achten und ihn so gestalten, dass sie eines besseren Familienverkehi s nach jeder Richtung würdig bleiben. Ist abeiv so könnte jemand fragen, diese Anregung durchführbar? Nun, in der Klein- und Mittelstadt, wo das patriarchalische Leben noch nicht ganz geschwunden ist, wäre dieses Familienrerhältnis zwischen dem Prinnzipal und den Angestellten mit Leichtigkeit herbeizuführen. Es dürfen nur nicht die Frau Prinzipalin sowie die Töchter des Hauses1 mit Geringschätzung auf die hominis, Bachhalter etc. herabsehen, sie müssen vielmehr sich stets vor Augen halten, dass diese jungen Leute, wenn sie durch Fleiss und Streben tüchtig geworden sind, nach einigen- Jahren ebenfalls Prinzipale werden können. Die Herren Chefs würden dann bei Gesellschaftsabenden Einladungen nicht ausschliesslich an die zufällig dort weilenden Studenten und Referendare ergehen lassen, die zur Familie in sehr loser Beziehung stehen, vielmehr an den Vergnügungen des Hauses auch diejenigen teilnehmen lassen, die demselben ihre Kraft und ihre Arbeit leihen. Schwieriger allerdings gestaltet sich die Sache in der Grossstadt. Aber auch da könnte der ernste Wille den richtigen Weg finden. Die Inhaber solcher Geschäfte in der Grossstadt, die nur eine geringere Zahl von jungen Leuten, etwa 30 - 40, beschäftigen, könnten ohne erhebliche Schwierig- •) Vergl. Monatsbericht 1908 No. 3 S. 27 ff. keiten solche Gesellschaftsabende veranstalten. Und diejenigen Geschäftshäuser, die eine grössere Zahl von Angestellten haben, werden solche Abende 2—3 mal im Jahre geben müssen, um alle jungen Leute bewirten zu können. Und der Kostenaufwand? Der durfte kaum grösser sein als die Summe, die die bisherigen Gesellschaftsabende in bürgerlichen Familien gewöhnlich verschlingen. Denn die von mir angeregten Familienabende für das Personal der Firma könnten in bescheidener Form gehalten sein, ohne kostspielige l Überraschungen, und ohne dass das Heim des Chefs, das sonst so gemütlich und behaglich eingerichtet ist, in eine „Alpenlandschaft" oder eine „Grunewaldpartie" umgewandelt werde, wie es sonst zu geschehen pflegt. Ob die Inhaber der grossen Warenhäuser für die allzugrosse Zahl ihrer Angestellten solche Gesellschaftsabende auf irgend eine Weise zu veranstalten in der Lage wären, entzieht sich meiner Beurteilung. Darüber könnten am besten die Besitzer solcher Etablissements Auskunft erteilen. Sie würden aber sicherlich, nicht zurückbleiben, wenn andere kleinere Geschäfte mit gutem Beispiele vorangingen. Gehört es ja doch heutzutage zum guten Tone, für die Angestellten sozial zu wirken. ' Nun könnte jemand einwenden: zugegeben, diese gedachten Familienabende fänden überall Anklang und würden, wie Schreiber dieser Zeilen in seinem. Optimismus es angedeutet hat, überall durchgeführt werden. Würde aber dieser sehnlichst erwünschte Familieuanschluss auch genügen, um die Jugend sittlich rein zu erhalten, um sie zu charakterfesten Juden heranzubilden? Können doch solche Familienabende höchstens 3—4 mal jährlich veranstaltet werden, was soll aber der junge Mann an den sonstigen freien Abenden anfangen? Darauf die Antwort. Die freie Zeit wird der junge Mann, wie bereits, im vorigen Artikel ausgeführt wurde, zur Mehrung seiner Kenntnisse.» zur Vervollständigung seines Wissens verwenden, um in den besseren Gesellschaften, zu denen er zugezogen wird, mitsprechen zu können. Am besten wird er dieses Ziel in den von unseren Logen seit Jahren angestrebten Jugendvereinen tun. 1