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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-04-01 · Nr. 5 - April · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 5 - April
Date
1908-04-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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I Zustimmung, die alle diese Mitteilungen bei den anwesenden Logenvertretern fanden, gab so recht den Beweis für das intime Verhältnis, das zwischen dem Br. Grosspräsidenten and allen Brüdern sich gebildet hat, mit denen ihn sein Amt zusammengeführt hat, und sichtlich erfreut, namentlich anch über die beiden letzterwähnten, ihm ganz überraschend gekommenen Ehrungen dankte Br. Timendorfer allen für die Liebe und Anerkennung, die auch ihm entgegengebracht wurde. Zugleich aber bat er in seiner bekannten liebenswürdigen Form, mit dem Lobe nicht allzu verSclrw^nderisch zu sein, da er kein Beispiel sein möchte für den Satz, dass man mitunter „um so mehr Lob verträgt, je weniger man verdient." Mit der Andeutung, dass er die Zinsen im Sinne des Jubiläums-Artikels von Br. Cohen- Marburg zu verwenden beabsichtige, schloss er selbst diese kleine Feier. Für die Generaldiskussion, die bei der vorigen Tagung bereits dem Bericht der Grosslogenbeamten sich angeschlossen hatte, war durch die frühzeitige Drucklegung und Versendung der Berichte und Referate an die Expräsidenten Zeit gewonnen worden, ausserdem hatte der Br. Grosspräsident noch in einem besonderen Anschreiben an die Repräsentanten einige Richtlinien für den Gang der Debatte gegeben (Verhältnis der Logen zu Wohltätigkeits-Einrichtungen, äussere Propaganda, Verhältnis der Logen zu einander und zur Grossloge, und innere Propaganda). Hielt sich nnn auch die etwa vierstündige Diskussion nicht imnfer ganz genau an diese Themen und wurden auch noch andere Punkte, insbesondere die Vorschläge des Reform-Komitees und die Frage über die Höhe der Beiträge an die Grossloge, gleich mit in die Erörterung gezogen, so gab sie doch Gelegenheit zu der vom Br. Grosspräsidenten gewünschten eingehenden Aussprache und ungeschminkten Kritik über alle Vorgänge im Ordensleben: mit brüderlicher Offenheit wurde alles vorgebracht, was man aus den erstatteten Berichten zu bemängeln und was man sonst noch auf dem Herzen hatte. Gar manchmal blitzte und donnerte es in den Reden, namentlich aus einem Wetterwinkel im Südwesten des Reiches erklang manch scharfes Wort über Berlinismus und Autokratie, aber die Form, in der alles vorgebracht wurde, liess nie das brüderliche Bestreben nach besserer Belehrung vermissen, und gern wurde, wenri .es angängig war. diese erteilt und auch gern entgegengenommen. Selbst die Kontroverse, sind wir ein jüdischer Orden odier ein Orden jüdischer Männer, die eine Zeitlang die Gemüter einzelner Brüder beunruhigte und die Geister aufeinander platzen liess, wurde schliesslich durch die beiderseitige Erkenntnis beigelegt, dass es sich dabei mehr um eine Verschiedenheit des Ausdrucks handele, als um differente Anschauungen über die Ziele und Bestrebungen unseres Distriktes. So schloss diese Diskussion wohl mit einer allgemeinen Klärung der Ansichten, und sie hat sicherlich den Beamten der Grossloge manchen beachtenswerten Wink über die Stimmung der Brüder im Reiche gebracht, wie sie diesen Klarheit über Dinge verschafft hat, die sie bisher in einem falschen Lichte gesehen hatten. Die Vorschläge des Reform-Komitees, die aus der Generaldiskussion der vorigen Tagung hervorgegangen waren, führten nach dieser langen Debatte nicht mehr zu allzulangen Er- I - ' -f I . •!-■'•. örterungen. Selbst die Frage der Logentage und -Verbände war schon vorher in die Besprechung mit gezogen und vor allem dahin beantwortet worden, dass dabei an einen Zerfall des einheitlichen Distriktes, insbesondere an eine Trennung von Nord und Süd, nicht gedacht werde. Fast einstimmig wurde der Vorschlag des Reform-Komitees, der als Eventual-Antrag des General-Komitees eingebracht war, und der nur noch im letzten Augenblick eine Aenderung dadurch erfahren hatte, dass die Zahl der Mitglieder des General-Komitees auf 20 (statt 18 resp. bisher 15) festgesetzt wurde, angenommen. Der Zukunft bleibt es vorbehalten zu lehren, ob der neue Weg, der nunmehr dem Wirken der Grossloge vorgeschrieben ist, der richtige ist. Ein Moment kommt bereits unterstützend für diesen neuen Weg hinzu: der einstimmig gefasste Beschluss auf Eintragung der Grossloge ins Vereinsregister. . Ueber unsere Monatsberichte wurde auch diesmal manche Klage geführt, ja von einer Seite sogar recht abfällig geurteilt. Im grossen und ganzen aber bewegten sich die Klagen in denselben' Bahnen wie vor zwei Jahren and wurden wie damals vom Redaktions-Komitee mit dem Hinweis darauf zurückgewiesen, dass auch die bestgeschriebenen Artikel keinen rechten Resonanzboden in den Logen finden und dass dieses Moment auch die bereitwilligsten Mitarbeiter schliesslich erlahmen lasse. Zweifellos, das wurde von allen Seiten zugegeben, ist das Niveau der Monatsberichte in den letzten Monaten dank der werbenden Tätigkeit des Br. Finkel gestiegen, sodass begründete Aussicht vorhanden ist, dass auch ohne die Anstellung eines besonderen, dann natürlich auch recht teuren Redakteurs die Klagen allmählich verstummen werden. Die einzelnen Ausführungen, die sich an die Thesen der BBr. Maretzki und Schulhüfer anschlössen, werden natürlich hierbei auch Beachtung finden müssen, ebenso wie die immer wiederholte Bitte des Redaktions-Komitees um rege Mitarbeit all der Brüder, die sich dazu berufen fühlen. Auch in bezog auf unsere Stellung zur galizischen Hilfsaktion sind Aenderungen nicht eingetreten. Wenngleich der Grosspräsident des österreichischen Distrikts Br. Hammerschlag erklärte, dass er nicht als Bittender, sondern nur als der offene Gesellschafter zum stillen Kompagnon käme, wenngleich sein Hinweis auf die grossen Reserve-Fonds mancher österreichischen Logen verschiedenen Brüdern Veranlassung gab, angesichts unserer eigenen schlechten Finanzlage die Streichung der 5000 M |pro anno zu befürworten, so war die Mehrheit doch von der Notwendigkeit überzeugt, das einmal begonnene Werk weiter zu fordern, auch wenn die 5000 M eine mehr moralische, als pekuniär ins Gewicht fallende Unterstützung sein könnten, und bewilligte den Betrag, wenn auch mit dem Zusatz, eine erneute Prüfung der nächsten Grosslogensitznng vorzubehalten. Recht interessant und erfreulich waren die bei dieser Beratung gemachten Mitteilungen des* Br. Hammerschlag über den zunehmenden Einfloss der Bnei Briss-Logen in Oesterreich und deren Schätzung durch die jüdischen Gemeinden. Eine eingehende Aussprache zeitigte auch der Antrag des Br. Maximilian Stein über die Jagendvereine, von der zu hoffen ist, dass sie manchen der anwesenden Brüder veranlassen wird, in seiner Heimatsgemeinde, nicht _ ■ 1 '' ■ ■' '■ •■ ■ ■ ■ . ■. —i

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