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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1908-01-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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— 11 — höchste Ordre genehmigt, dass den zu Unteroffizieren beförderten jüdischen Soldaten, welche durch die vorgeschriebene Dienstzeit sich Zivilversorgungsansprüche erworben, der Eintritt in solche Subalternstellen gestattet werde, mit welchem die Ausübung einer obrigkeitlichen Autorität nicht verbunden sei! Auch in den Provinzialständen von 1844 war ein freiheitlicher Geist zu bemerken. Die Stände der Provinz i Preussen verlangten die Aufhebung der ganz willkürlichen Deklaration von 1822 betreffend die Lehrtätigkeit, der Juden, ferner die Aufhebung der Bestimmung des Ediktes, wonach in KriminalfäUen, bei einer gewissen Grösse der Strafe, ein von einem Juden freiwillig abgelegtes Zeugnis nicht volle Beweiskraft besitze. Die Brandenburgischen Stände forderten, dass die in den Jahren 1824—28 abgegebenen Erklärungen der Stände, als. nicht mehr zeitgemäss, den Verhältnissen der Gegenwart I entsprechend abgeändert wurden. Die Moral könne die bisherige Zurücksetzung der Juden nicht gutheissen, noch weniger die christliche Moral deren Prinzip die Liebe sei, und schon wegen der Durchführung dieses Prinzipes sei eine Gleichstellung für den christlichen Staat wünschenswert. Die Juden hätten schlagende Beweise ihrer sozialen Gesinnung gegeben. Weder die Messiasidee noch der Talmud könnten ein Hindernis der Emanzipation sein. Die Stände in Posen forderten die Beseitigung der bisher am schmelzlichsten empfundenen Uebelstände, der beschränkten Freizügigkeit und der Ausschliessung vom Militär- I dienst, und beantragten für den ganzen Staat die Einführung j des Ediktes von 1812 nach Beseitigung aller späteren Zusätze. Der rheinische Landtag beantragte mit Rücksicht auf die günstigen Erfolge, welche die Verleihung gleicher politischer und bürgerlicher Rechte mit den übrigen Untertanen für die! Juden in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Nordamerika gehabt, mit Rücksicht anf das christliche Gebot allgemeiner Nächstenliebe, die Gleichstellung der Juden mit den Christen in den bürgerlichen und politischen Rechten. Nur die sächsischen Stände zeichneten sich durch schroffe Unduldsamkeit, durch traurige Beschränktheit der Einsicht und der Gesinnung auindem sie nicht nur den Antrag auf bürgerliche Gleichstellung der Juden, sondern auch selbst den Antrag auf Revision der bisherigen Gesetzgebung und Herbeiführung übereinstimmender Gesetze, in allen Provinzen verwarfen. Wie verhielten sich nun in Preussen zu der brennend gewordenen Frage vollständiger Emanzipation der Juden Regierung und Kammern im Jahre 1847? (Fortsetzung folgt). Au« den Logen des VIII. Distrikts. Rhenus-Loge in Mainz. Das geistige Leben in unserer Loge hat im Laufe dieser Saison bis jetzt in sehr lebhafter Weise pulsiert. Der Aufsatz in der Monatsschrift von Br. Dr. Kahn über »Die Wurzeln des Uebels* wurde die Veranlassung zu sehr lebhaften und eingehenden Debatten, die das Interesse der Bruder fesselten. In noch höherem Masse war dies der Fall bei einem Referat des Br. Expräs. Martin Mayer-Ganz über die. auf Veranlassung der Grossloge aufgestellte Statistik der hessischen Juden, die nunmehr im Manuskript vorliegt. Diese Statistik bietet eine derartige Fülle von überaus interessantem und wichtigem Material, nicht nur für die Juden in Hessen, sondern auch für das deutsche Judentum überhaupt, dass sie noch lange den Stoff für Besprechungen und Bearbeitungen der verschiedensten Art abgeben wird. Unsere diesjährige Chanukafeier fand am 8. Dezember in den Räumen der Liedertafel statt. Der grosse Saab einer der grössten der Stadt, war von Hunderten grosser und kleiner Besucher voll besetzt: Nicht nur alle jüdischen Kreise unserer Stadt, auch aus allen benachbarten Orten nahmen die jüdischen Bewohner an dem Feste regen Anteil, i Unsere alljährliche Feier an Chanuka hat sich zu einer der meist besuchten Und beliebten Veranstaltungen hier entwickelt, welche wochenlang vorher und nachher das Interesse wachhält. Die diesjährige Feier nahm wieder einen in jeder Beziehung glänzenden Verlauf. Nachdem ein Kinderchor das „Moaus Zur" gesungen und unser Br. Rabbiner Dr. Salteid in einer zu' Herzen gehenden Ansprache die Bedeutung der Feier dargelegt hatte, wurde eine dramatische Szene .Frauengestalten aus Israels Vergangenheit" aufgeführt, welche von Fräulein Else Neugarten, der Tochter unseres Br. Siegm. Neugarten speziell rar dieses Fest verfasst war. Die jugendliche Verfasserin und sechs andere Töchter von I Brüdern führten die sympathischen Rollen der jüdischen I Frauengestalten virtuos durch. .Musikvorträge, Tanzreigen! und eine urlldele Instruktionsstunde, in welcher Br. Steindorff eine Anzahl jugendlicher Rekruten vorführte, gestalteten das Fest zu einem ebenso animierten wie abwechslungsvollen. Zum Schlüsse wurden all die Hunderte von Kindern bewirtet, und jedes Kind erhielt^,bei der Verlosung ehr schönes Geschenk. Aus allen jüdischen Kreisen unserer Stadt flössen unserem rührigen Komitee zum Teil belangreiche Geldbeträge zu, welche es ermöglichten, dass eine grosse Anzahl unbemittelter Kinder mit Kleidern,, Schuhwerk und anderem Nötigen ausgestattet werden konnten. Dieses Fest hat die Sympathie für unsere Loge vielfach angeregt und gestärkt. Die Unitas-Loge in Strassburg hält bis auf Weiteres ihre Sitzungen nicht am Samstag, sondern Montag abends 81/. Uhr ab. Die märkische Loge in Dortmund verlegt ihr Logenheim nach Ostenhellweg 3 (Restaurant zur Glocke) 2. Etage, Eingang vom Marienkirchplatz, und wird sich freuen, auswärtige Brüder in dem neuen Tempel recht oft begrüssen zu können. .'- * * ' f / ■* " '" f. * Sinnsprüche aus einer demnächst zu erscheinenden Beilage zu unserem „Monatsbericht". Aus Gott geboren zu sein ist das Höchste und Reinste, was gedacht werden kann.

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