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Bericht der Großloge für Deutschland · 1908-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1908
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1908-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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BERLIN, im Januar 1908. No 1. Bericht der Möge für Deutschland u. o. B. B. Nachdruck sämtlicher Artikel aus d i e s e n B e r i c h t e -h' v er b o t e n. Fernsprecher: D. Wolff, VI. No. 4«19, Wilhelmstrasse 118. Inhalt: Ueber Knabenarbeit. — Sitzung der Jugendschriften-Kommissi.jn. An die Logen des VIII. UÜtrlktS. —"Das .sogenannte-1 Tuleranzgesetz von 1847. — Aus den Logen des VIII. Distrikts. — Sinnsprüche, — Schwesierngru.ss. — Aus dom^Gedächtnisbuch der Grosslogc. lieber Knabenhandarbeit. Referat des Br. B. Rosenthal in Mannheim für die dortige August Lamey-Loge. Die erziehliche Knabenhandarbeit ist dasjenige Fach, das sich die Schule erst in den allerletzten Jahrzehnten zu erobern begonnen hat. Es dürfte angebracht sein, auch Ihnen über die Bestrebungen auf diesem Gebiete Bericht zu erstatten. Leider wird die hierfür zu Gebote stehende Zeit nicht ausreichen, Ihnen voll und ganz die Bedeutung dieser Disziplin, besonders in physiologisch - psychologischer, hygienischer, ästhetischer, sozialer und nationaler Hinsicht zu zeigen. Das kann nur andeutungsweise geschehen. Neben den Umständen, die zur Einführung dieses Faches führten, sollen Ihnen besonders die Einrichtungen, die für die Pflege der Handfertigkeit der Knaben in hiesiger Stadt getroffen wurden, geschildert werden. Die hier vorliegenden Arbeiten nrogfen Ihnen den stufeumässigen Lehrgang, der in der Papp- 'und Schnitzwerkstätte zu fertigenden Gegenstände zeigen. Ganz besonderen Wert lege ich auf die Beantwortung der Frage: Kann unser Orden, bezw. unsre Loge von dieser pädagogischen Bewegung auch Vorteile ziehen? Ich werde Ihnen ani Schlüsse einige Thesen unterbreiten und wäre erlreut, wenn dieselben Veranlassung zu einer regen Diskussion wären. Jede menschliche Einrichtung trägt den Stempel des Zeitgeistes an sich, der sie ins Dasein rief. Will sie sich lebensfähig erhalten, so muss sie sich, je nach den Fort- oder Rückschritten, die die Gesamtheit macht, modifizieren. Die Wahrheit dieser Erfahrungstatsache bestätigt ganz besonders die Geschichte des Unterrichtsw 'sens. Als ein Produkt der Kirche kennt die Schule in der ersten Zeit ihres Bestehens nichts als das Interesse ihrer Erzeugerin. Alle Wissensgebiete, die in den Kirchen- und Klosterschulen gelehrt werden sollen, werden nach dem Gesichtspunkte ausgewählt, in welchem Grade sie geeignet sind, das Ansehen und die Macht die Kirche zu festigen. Erst als durch die Bifite des Städtewesens Gewerbe, Handel und Kunst zu grösserer Bedeutung gelangen, wird das Bedürfnis nach sogenannten praktischen Kenntnissen, wie sie die alltägliche Betätigung verlangte, hervorgerufen. , Aber noch immer sind es grösstenteils die Blüte der Nation und das Bürgertum der Städte, denen Schulbildung ermöglicht wird. Der Unterrichtszwang und mit ihm die allgemeine Volksbildung ist eine Errungenschaftder französischen Revolution. Damals, als Prenssen tief darniederlag, sahen Männer wie Stein und Fichte den Wert und die Notwendigkeit der Volksbildung durch die Volksschule ein und jetzt wurde ihre obligat^ rische Einrichtung in Deutschland — nach und nach in allen zivilisierten Ländern — verordnet. Die damals errichtete Schule ist vollständig das Abbüd ihrer Zeit und mag für jene Verhältnisse ausreichend gewesen sein. Man wies ihr vornehmlich die Aufgabe zu, die Jugend mit den elementarsten Kenntnissen auszurüsten, die für einen guten Untertanen; vohnöten isind. Mehr brauchte man ih jener Zeit auch nicht. Die deutsche Jugend, deren Eltern damals vorherrschend der Landwirtschaft und dem Kleingewerbe dienten, hatte ausserhalb der Schule Zeit und Gelegenheit genug, um die zur harmonischen Entfaltung der Anlagen nötige körperliche Ausbildung, sowohl im Freien, auf dem Tummelplätze^ oder .dem Acker, als auch in der väterlichen Werkstätte ohne Zutun der Schule zu erwerben. Auch der städtischen Jugend fchlta es nicht an solcher Betätigung. Die vor nahezu 100 Jahren -gegründete Volksschule besteht in ihrer Organisation, im grossen und ganzen heute noch. Die badische Regierung musste diese Tatsache vor zwei Jahren in der Begründung des Gesetzes „Aenderungen des Elementarunterrichts betreffend", unumwunden zugeben, indem sie eingestand: „Die Verhältnisse, was die äussere Gestaltung und Einteilung der Unterrichtszeit angeht1^ — haben sich seit dem Jahre 1834 — „nur unwesentlich ge: äudert - und dies in einem Zeitabschnitte von 70 Jahren, der sonst auf allen Gebieten des menschlichen Wissens und Schaffeus die tiefgehendsten Veränderungen hervorgebracht hat." Nur. in geringem Masse hat die Kirche, die zwar nach und nach von der Bürokratie in der Schulleitung abgelöst wurde, den Forderungen der gewaltig vorwärs strebenden Zeit und ihren Bedürfnissen Rechnung getragen. Schulmänner

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