Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 10 - Dezember
- Date
- 1907-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
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kraft der Ausgestaltung des jüdischen Religionsunterrichtes, der würdigen Einrichtung des Gottesdienstes and — als Mitglied des Vorstandes — den Liebeswerken der Chewrah Kadischah. In zahlreichen sonstigen Wohltätigkeitsvereinen bekleidete er Vorstandsposten. Nirgends nur dem Namen nach, überall eifrig der Sache dienend. Sein Wohltätigkeitssinn war bekannt. Immer an ihn in erster Reihe wendete man sich — and nicht nur, wenn es sich am arme Israeliten handelte — wenn es zu helfen galt. Reichlich, unverdrossen, immer von neuem Hess er seine Gaben fliessen. Die Sinai-Loge hat er mitbegründet. Er war ihr erster protokollierender Sekretär, er war Vizepräsident and Präsident. Aber ob er in ihr ein Amt bekleidete, ob er in der Reihe der Brüder sass, gleiche Begeisterung, gleicher Eifer erfüllte ihn für die Ziele des Ordens, die er vor allem an sich selbst zu erreichen strebte. Seiner Wohltätigkeit ist schon gedacht, der Eintracht and Brüderlichkeit aber konnte er schon deshalb vorzüglich dienen, weil er, trotz aller Erfolge, die seine Arbeiten im Berufe ihm brachten, jeglichem Hochmut fern blieb and von ausserordentlicher Friedensliebe war. yon ihm gilt in Wahrheit, dass er keinen Feind hatte, — im Leben nicht und nach seinem Tode gewiss nicht. Nach äusseren Ehren begehrte er nicht. Dass er im Vorstand der nationalliberalen Partei hier sass and andere Ehrenämter ausserhalb unserer Glaubensgemeinschaft übernahm, war eine Folge seines Pflichtgefühls, nicht seines Ehrgeizes. Und so betrauern in ihm seine vielen Freunde den zuverlässigen, aufopfernden Freund, die Sinai-Loge ihren treuen, geliebten Bruder, und unsere Stadt den ehrenfesten guten Bürger. Die Armen aber verloren ihren fast unersetzlichen Wohltäter. Das Bewusstsein der weit über das Mass des Ueblichen hinausgehenden Teilnahme, die das Hinscheiden dieses edlen Menschen erweckte, wird der Familie, die den liebevollsten Vater, den besten Gatten beklagt, zum Tröste gereichen. H. Blumenthal. Hallenbad. Am 2. November 1907 starb in Wien Br. M. U. Dr. Moritz Lang, praktischer Arzt in Marienbad. Mit der tiefgebeugten Familie tranern um ihn seine zahlreichen Freunde und der österreichische Distrikt. Der Verblichene war ein charaktervoller, wohltätiger Mensch, ein gewissenhafter menschenfreundlicher Arzt, ein echter Ben Briss, der nach den Ordensprinzipien gelebt hat und die Ideale des Ordens im Kreise unserer Glaubensgemeinschaft sowie im öffentlichen Leben zu betätigen bemüht war. Br. Lang gehörte längere Zeit dem Stadtverordnetenkollegium der Kurstadt Marienbad an und war stets ein unentwegter Kämpfer für das fortschrittliche und freiheitliche Prinzip. Das Vertrauen seiner Glanbensgenossen berief ihn in zwei Wahlperioden an die Spitze der isr. Kültusgemeinde des Weltkurortes Marienbad als Vorsteher, deren Zierde er stets war. ■• Ein frommer überzengungstreuer Jade ist Br. Lang Leben lang gewesen, der überdies über ein namhaftes iches Wissen verfügte. Tausende von armen Kranken hat er in seiner langigen Praxis unentgeltlich behandelt, ihnen nicht nur itliche Hilfe an gedeihen lassen, sondern oft auch in der le materiell sie noch unterstützt. Und die Wohltätigkeit in der Stille war es, welche Lang so sehr pflegte. Er wollte keinen Dank, ihm war di. Befriedigung, geholfen zn haben, der süsseste Lohn; auch wenn es galt, gefährdete Existenzen zu schützen, gab er schnell und viel, nur sollte darüber nicht gesprochen werden. Seine Standesgenossen betrauern in ihm den kenntnisreichen, charaktervollen, braven Kollegen, der die Standesehre stets sehr hoch hielt Die irdischen Ueberreste des teuren Verblichenen wWden am 3. November 1907 nach Marienbad überfuhrt und dort auf dem isr. Friedhofe zur ewigen Ruhe bestattet. An dem Leichenbegängnisse beteiligten sich eine Abordnung des Stadtrates Marienbad, zahlreiche Stadtverordnete, das Aerztekollegium der Kurstadt, eine starke Abordnung des isr. Humanitätsvereines Union „Bnai Britlr in Pilsen, dessen Mitglied der Verblichene war, der gesamte Vorstand der isr. Kultusgemeinde Marienbad, eine Deputation, der Bezirkskrankenkasse etc. und zahlreiche Trauernde ohne Unterschied der Konfession. Einfach wie er im Leben war, so sollte auch sein die israelitische Gemeinde ihr tätiges', opferbereites' Mitglied*^Ce^henbegängnis sein. Vor-seinem Tode hatte er noch deu , Wunsch ausgedrückt, dass an seinem Grabe keine Rede gehalten werden möchte, welchem Wunsche auch entsprochen wurde. ..... .• li So ruhe er nun in Frieden. Allzufrüh ist er dahingeschieden; sein Andenken bleibt ein gesegnetes. Von der Bibliothek der Grossloge. Einem Beschlüsse des geschäftsführenden Aasschusses zufolge soll mit der Gründung , der Bibliothek der Grossloge bald begonnen werden. Man beabsichtigt zunächst jüdische Zeitschriften und Literaturen der unserem Orden verwandten Institutionen und Orden anzuschaffen. Die Bibliothek soll allmählich wachsen und sich zu einer Haasbibliothek für die grosse Familie der Bnei .Briss entwickeln. Die Bücher derselben sollen von den Organen der Grossloge benutzt, und auf Ersuchen auch den einzelnen Logen auf eine näher zn bestimmende Zeit überlassen werden. Da die geplante Bibliothek dem ganzen Distrikt zu Gute kommen wird, so dürfen wir wohl auf Zuwendungen von Büchern von Seiten unserer lieben Brüder hoffen. Wir werden Nachschlagewerke der verschiedensten Sprachen und Literaturen, wissenschaftlichen . Disziplinen und Wohlfahrtseinriöhtungen mit Dank annehmen, und die hochherzigen Spender in unserem Bibliothekskatalag geziemend verzeichnen.