Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 10 - Dezember
- Date
- 1907-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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BERLTN, im Dezember 1907. No. lO. Bericht der Grossloge für Deutschland U. O. B. B. Nachdruck sämtlicher Artikel aus diesen Berichten verboten. Fernsprecher: D. Wolff, VI. No. 4619, Wilhelmstrasse 118. Inhalt: Erziehungswesenand Probleme im Orden. — 10!*. Sitzung des General-Komitees der Gi^ssloge für. Deutschland VW I'. O. B. B. — Bericht des' Heform-Komitees an das General - Komitee. — Hin Mahnwort. — Aus dem Bureau der Grosslope. — Cllanukafeier im Fürsorgeheini der Gross-Loge. — Wohlfahrt-einrichtungen der Logen.— Aus dorn Gedächtnisbiich der Grossloge. — Aus dem Kroiäiunserer Brüder. — Von der Bibliothek der Grossloge. — Mitteilungen der Logen. Erziehungswesen- und Probleme im Orden. Viele Monate sind seit dem Jubiläum vergangen, noch klingt die schöne Feier in unsern Herzen nach, noch ist die Erinnerung an unser so harmonisch verlaufenes Fest lebhaft. Ueberau war die Freude über das Erreichte sichtbar und ungeteilt, überall nahmen die Reden einen hohen Aufschwung, überall trat ein fester Wille zu noch höheren Leistungen, zu zielbewusster Arbeit hervor. — Doch nicht verrauschen soll die Begeisterung in dem wehenden Fluge der Zeiten, nicht nur ein schönes Erinnerungsbild sollen die testlichen -Tage hinterlassen, aus der frohen Stimmung soll ein feierlicher Ernst die Wege der Zukunft beleuchten, ein neuer Abschnitt soll neue Ziele stecken und neue Richtungen weisen. Nachdem wir mehr als ein Jahrzehnt zur Erstarkung unseres Ordens, zur Festigung unserer Organisation gebraucht, haben wir in den letzten Jahren recht viel und intensiv nach aussen gewirkt, soziale Einrichtungen aus eigenem Tun geschaffen, andere kräftig unterstützt. Das war gut und zweckmässig, hat uns reichen Inhalt gegeben, unserer Wirksamkeit eine bestimmte Signatur aufgedrückt, uns Ansehen und Wertschätzung verschafft, unsere Mitwirkung wurde von anderen Organisationen erbeten und gewürdigt. Das ist am Jubiläumsfeste uns und Anderen klar zum Bewusstsein gekommen. Das ist ebenfalls gut und wichtig. Aber unser ganzes Denken und Arbeiten war wesentlich auf diese eine Seite gerichtet, es musste auch sein, da wir die soziale Bahn zielbewusst betreten hatten und uns als soziale Schöpfer erweisen mussten. Dabei ist die Arbeit an uns selbst zu kurz gekommen, die erzieherische Tätigkeit zur Veredelung und Vervollkommnung, eine der ersten und wichtigsten Pflichten unserer Mission konnte nicht zur vollen Entwicklung gebracht werden. Und doch kann und darf sie nicht vernachlässigt werden. Sie ist* ein Grundpfeiler, auf dem der Bau unseres Ordens ruht, dort liegen die starken Wurzeln, aus dem unser Ordensbaum mächtigen die Höhe wachsen soll. Hat unsere soziale Arbeit einen gewissen Abschluss erhalten, ganz aufhören soll sie unter keinen Umständen, das wäre ein nicht minder verhängnisvoller Fehler; ist eine gewisse Ruhe und Masshalten in den Plänen und Massnahmen auf diesem Gebiete erwünscht, so ist es geboten, unsere Wirksamkeit nach innen zu richten, die Aufmerksamkeit uns "selbst, der Veredelung unseres Ichs zuzuwenden. Das kann nur durch erziehliche Arbeit geschehen. Müssen wir noch besonders aui unsere Erziehung achten? Bedürfen wir der erzieherischen Anregungen und Belehrungen? Wirkt das Leben, dieser grosse Erzieher, nicht schon erziehlich auf uns? Liegt nicht schon in den wechselnden Beziehungen der Menschen zu einander ein wichtiges erzieherisches Moment? Und welcher Art sind die Aufgaben der Erziehung? Nach welcher Richtung soll und kann sie vor sich gehen, welche Grundsätze sollen sie leiten, nach welchen Regeln soll sie sich vollziehen? Und was hoffen wir durch sie zu erreichen, welchen Endzweck fordern wir von der Erziehung? Das sind Fragen; die sich die Brüder vorlegen sollen, und zu deren Beantwortung'einige Anleitung gegeben werden mag. Die Erziehung der Jugend geschieht bis zu einem bestimmten Alter unter ganz bestimmten Normen, nach festgelegten Lehrplänen, unter einem gewissen Zwang. Denn sie bezweckt, der Jugend eine Summe von Kenntnissen zu geben, sie auszurüsten mit einer Fülle von Wissen, damit sie das Erworbene für das Leben verwenden solle, für den Kampf ums Dasein gerüstet sei. sich an dem menschlichen Gemeinschaftsleben mit allen Kräften beteiligen könne. Davon kann aber bei uns, die wir mitten im Leben stehen,» die wir uns schon im Leben erprobt haben, nicht die Rede sein. Aber gerade das vielgestaltige Leben, die ebenso vielgestaltigen Beziehungen der Menschen zu ieinander .in dem Gewirre des Lebens bedingen eine andere Art erziehlicher Probleme und erzieherischer Gestaltung. Hier bewährt sich der Spruch: