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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-08-01 · Nr. 6 - August · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 6 - August
Date
1907-08-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Kataloge wird die Auswahl der für die geplante Grosslogen-Bibliothek anzuschaltenden Bücher leichter erfolgen und daranf Rücksicht genommen) werden können, der Grosslogen-Bibliothek anch solche Werke und Bücher vornehmlich einzuverleiben, die in den Logenbibliotheken fehlen, die aber als Nachschlagewerke etc. von besonderem Werte sind. Solche Werke, die wegen des hohen Preises vielleicht von den Logen nicht angeschafft worden sind, könnten diesen auf Ersuchen für eine bestimmt zu bemessende Zeit leihweise überlassen werden. Zur Förderung des Ackerbaues unter den Juden. Za dieser Frage erhalten wir das hier folgende Schreiben: Der ergebenst unterzeichnete Präsident der .Julius Bien- Loge beehrt sich im Nachstehenden über das Projekt des der Julius Bien-Loge angehöiigen Bruders Weinstein zu berichten. Br. Weinstein erklärt: Die Bestrebungen, die Juden zum Ackerbau zu erziehen, dürfen nicht damit beginnen, dass man mittellose junge Lente in der Landwirtschaft unterrichtet und zu Landwirten ausbildet. Diese jnngen Leute, mögen sie in ihrem Fache noch so tüchtig sein, sind unzweifelhaft der Not und dem Eilend preisgegeben, da sie nach absolvierter Lehrzeit nicht die Mittel besitzen, sich selbstständig zu machen, also die eigene Scholle zn bearbeiten. Denn es ist ganz selbstverständlich, dass unter heutigen Zeitverhältnissen ein jüdischer junger Mann kaum eine Stelle als Guts-Inspektor oder Gutsverwalter in Deutschland finden dürfte. Was soll aber der junge Landwirt anfangen, wenn er eine solche Stelle nicht erhält und die Mittel nicht besitzt, sich ein Gat zu kaufen? Ausserdem aber geht es doch nieht gut an, dass der junge Mann gleich nach absolvierter Lehrzeit selbstständig tätig wird, vielmehr ist es dringend geboten, dass er durch Annahme einer Verwalter- oder Inspektor-Stelle seine Kenntnisse und Erfahrungen bereichert. Aber auch abgesehen hiervon, dürfen vorerst nur bemittelte junge Leute sich der Landwirtschalt zuwenden. Für einen jüdischen Eleven hält es sehr schwer, eine Lehrstelle zu finden. Die Zahl der jadischen Gutsbesitzer ist eine geringe; nicht alle nehmen Eleven, insbesondere jüdische Eleven auf, und nicht alle hinwiederum sind geeignet, Eleven auszubilden. Nor mit grossen Geldopfern kann ein junger Mann jüdischen Glaubens eine Elevenstelle finden. In Mittel- und Westdeutschland fehlt es aber überhaupt an jüdischen Gutsbesitzern. Alle diese Erfahrungen hat Br. Weinstein persönlich gemacht und durchgekostet, als er einen seiner Söhne als Landwirt ausbilden lassen wollte. Erst nach vielen Umfragen und mit grossen Geldopfern hatte er für ihn eine Elevenstelle gefunden. Nach absolvierter Lehrzeit fand sich für ihn keine, andere Gelegenheit zur Betätigung im erlernten Berufe, als auf dem eigenen Gute des, Vaters. Erst, wenn eine genügende Anzahl von bemittelten jüdischen Landwirten ausgebildet worden ist, erst wenn diese sich durch Gutsankäufe zu selbstständigen Landwirten gemacht haben, wird sich auch für den minder bemittelten Landwirt die Gelegenheit finden auf dem Gute eines jüdischen Gutsbesitzers die Stellung eines Inspektors oder Verwalters zu bekleiden. Aus diesen Erwägungen heraus hat sich Br. Weinstein entschlossen, auf seinem ca. 350 Morgen grossen, dicht bei Eschwege, also im Herzen Deutschlands, belegenen Gute jüdische junge Leute zur Erlernung der Landwirtschaft aufzunehmen. An der Spitze der Guts Verwaltung steht ein erprobter, christlicher Landwirt; neben ihm Herr Weinstein jun. (ca. 25 Jahre), welcher die Landwittschaft erlernt hat und in seinem Berufe recht tüchtig sein soll. Die in diesem Winter vom Kreise zu eröffnende Landwirtschaftsschule, sowie eine neuzugründende Molkerei-Genossenscbaft bieten Gelegeneit zur weiteren Ausbildung. . - / Br. Weinstein selbst lebt streng rituell; er wird den Eleven, für welche ein geeignetes Wohnhaus zur Verfügung steht, rituelle Kost geben, sie auch, wenn es gewünscht wird, von der Arbeit am Sonnabend befreien. Die Zahl der Eleven ist auf 5 — C vorläufig bemessen, die Höhe der Vergütung bleibt besonderer Vereinbarung vorbehalten. Sobald Br. Weinstein eine Anzahl voll zahlender ■ Eleven erhalten hat, ist er auch hjsreit, auf Vorschlag der hochw. Grossloge einen Eleven zu einem ermässigten Pensionspreise aufzunehmen. Auf Wunsch der Julius Bien-Loge beehrt sicli der Unterzeichnete, von dem Projekt des Br. Weinstein der hochw. Grossloge Mitteilung zu machen. Wir geben anheim, auf dieses Projekt in geeigneter Weise, etwa durch den Monatsbericht, die Allgemeinheit aufmerksam zu machen und dasselbe evtl. zu fördern. Es wird dann abzuwarten sein, wie sich das Unternehmen entwickelt, um der Frage näher zu treten, ob die hochw. Grossloge nicht dem Unternehmen zwecks Förderung ihrer eigenen Interessen auch noch eine materielle Unterstützung zu teil werden lassen bezw. zu seinem weiteren Ausbau mitwirken soll. Die Lage der Landwirtschaft ist gegenwärtig eine derart günstige, dass es nicht mehr als leichtfertig bezeichnet werden kann, wenn jüdische junge Leute der Landwirtschaft zugeführt werden. So mancher wohlhabende jüdische Vater würde gern seinen Sohn Landwirt werden lassen, wenn er nur wüsste, wo er ihn in diesem Berufe ausbilden lassen könnte, ohne sein Kind täglichen Kränkungen und Zurücksetzungen ausgesetzt zu wissen. Eine solche Stätte steht den Vätern jetzt in Eschwege zur Verfügung. Die Julius Bien-Loge, insbesondere deren unterzeichneter Präsident, ist zu jeder weiteren Auskunft bereit und wird auch ein wachsames Auge auf das Unternehmen und die Eleven gerichtet halten. Justizrat Peyser, Präs. der Julius Bien-Loge—Eschwege. . .1 : Ulis der Ferienzeit! Ueber die Arrangements an Badeplätzen und in Sommerfrischen, haben wir bisher nur wenige »Berichte erhalten, ebenso, fehlen uns zur Zeit ausführliche Nachrichte über die von unseren Logen ausgerüsteten Ferienkolonien, sowie über die Fürsorge, die viele Logen in den Ferien für solche Kinder treffen, die nach einem Kurorte nicht geschickt werden. Der Grund dieser spärlichen Berichterstattung ist leicht zu geben. An den heissen Sommertagen schreibt man

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