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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-08-01 · Nr. 6 - August · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 6 - August
Date
1907-08-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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BERLIN, im August 1907. No. 6 Bericht der Grossloge für Deutschland U. O. B. B. Nachdruck sämtlicher Artikel aas diesen Berichten verboten. Fernsprecher: D. Wolff, VI. No. 4619, Wilhelm st ra««e 118. lakalt: Das Judentum im Urteile der moderneu protestantischen Theologie.. — Arbeit, nicht Almosen. — Unsere "Monatsberichte. — Aus dem Burean der Grosaloge. — Zur Förderung des Ackerbaues unter den Juden. — Aus der Ferienzeit. — Aus dem Uedächtnisbuch der Grossloge. Das Judentum im Urteile der modernen protestantischen Theologie. i In der am 5. Januar d J. in Berlin stattgehabten General-Versammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hielt unser Bruder Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher einen Vortrag Uber das Thema: „Das Judentum im Urteile der modernen protestantischen Theologie." Diesen von den Fachgenossen mit Beifall aufgenommenen Vortrag hat der durch seine im Jahre 1905 veröffentlichte Schrift „Das Judentum und das Wesen des Christentums" rühmlichst bekannte Verfasser erweitert, und der Ocffentlichkeit übergeben.*) Für diese Gabe sind wir ihm zu grossem Danke verpflichtet. Denn er hat es verstanden, eine knappe Uebersicht über die Geschichte des Judentums zu geben, und uns ein. Bild zu zeichnen von dem im Judentum waltenden Geiste, von seiner Wirksamkeit im eigenen Kreise wie von seiner Stellung in der Welt und seinen Beziehungen zu anderen Religionen und Kultaren. Der Verfasser hat sich die Sache nicht leicht gemacht. Mit der Gewissenhaftigkeit und Akribie, die wir an diesem Gelehrten gewohnt sind, unterzieht er das Studium der heiligen Schriften Israels in der protestantischen und katholischen Theologie einer gründlichen Prüfung und zeigt, wie selbst die christlichen Gelehrten der modernen kritischen Richtung nicht urteilsfrei und voraussetzungslos an das Alte Testament herantreten, vielmehr dasselbe nur vom Standpunkte des Neuen Testaments lesen und studieren. Diese christliche Brille macht sie blind gegen das, was Israel eigentümlich war; sie vermögen nicht die schöpferischen Mächte zu sehen, die in ihm tätig waren, die treibenden Kräfte seines Lebens und den Geist Gottes, der in einer ganz besonderen Weise in Israels Geschichte sich offenbarte. Dieses zeigt schon die unrichtige Auffassung des Prophetismus, wie wir ihr bei den christlichen Gelehrten begegnen. Diese Kreise zollen den Propheten Israels die höchste Anerkennung, sie preisen die Erhabenheit und Lauterkeit ihrer Gedanken, die Höhe und Weite ihrer Ziele und erklären, dass ihre Wirksamkeit für alle Zukunft von Bedeutung *) Leipzig, Fock t907. 64 Seiten. wäre. Aber diese Propheten seien nur vereinzelte Grössen, die wie ein deus ex machina in Zeiten der Not erschienen seien, um dem Volke neue religiöse Ideen zu verkünden. Das jüdische .Volk selbst habe seine Propheten nicht verstanden und darum dieselben auch verfolgt. Die Gedanken und Ziele der Propheten seien nicht bei den Zeit- und Volksgenossen, sondern erst später im Christentum verwirklicht worden. ' . •'• Demgegenüber fragt sehr treffend Eschelbacher: „Warum hat nur Israel und haben nicht auch andere Völker solche Propheten und solche Lehren der Ewigkeil erzeugt? Warum sind deren Worte nicht in leere Luft verhaucht, wenn sie ihren Zeitgenossen so fremd gegenüber standen? Warum sind ihre Schriften nicht vermodert, sondern wurden von ihrem Volke heilig gehalten und habeu durch alle Geschlechter hindurch nicht zum wenigsten im pharisäischen Judentum vor und nach Christus Glauben, Geist und Hoffaung erweckend gewirkt?" Eschelbacher fährt polemisierend fort: Die Propheten 'Israels waren nicht geistige Riesen neben Zwergen, sondern die Wortführer des Volkes, sie konnten erweckend und mahnend sprechen und wirken, weil sie aus dem Volke, in dem die Macht der religiösen Empfindungen gross war, hervorgegangen sind, und weil sie zu Gemütern sprachen, die zum Teil wenigstens ihnen gleich gestimmt waren. Wie das Volk Israel, so werden auch seine religiösen Lehren von den christlichen Theologen unterschätzt. In dem Bestreben das Judentum als Vorbereitung für das Christentum hinzustellen, werden die biblischen und nachbiblischen Lehren und Gebote in ihrem Werte herabgesetzt. Diese Tendenz beginnt schon mit der von dem Evangelium Matthäi komponierten Bergpredigt und setzt sich durch alle Jahrhunderte fort. Das Judentum habe einen Gott der Rache and des Hasses, das Christentum dagegen einen Gott der Liebe gelehrt. Die zahlreichen Gebote und Vorschriften, welche die Uebung von Milde und Güte, die Wahrung der Gerechtigkeit und den Schutz der Schwachen und Bedrängten verlangen, werden von christlicher Seite verschwiegen, dagegen wird aus den zahlreichen Rechtsprüchen der kurzgefasste Satz: „Auge um Auge, Zahn um Zahn" herausgerissen, und ihm eine Bedeutung gegeben, die er nie gehabt,

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