Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 5 - Juni
- Article
- Beilage zu Nr. 5
- Date
- 1907-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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derben sich letzt", nicht mehr, wie im Fragment von 1790, der Böse, der Lügengei ster zu Hilfe ruft, um Fausten von Kunst und Wissenschaft abzulenken und dem „Unersättlichen' dasSchicksal eines Tantalus zu bereiten. Er ist der Schalk, den der Herr „nie gehasst hat", ja, len er „gerne ■dem Menschen zugesellt", denn ei ist ein Teil jener Kraft, die schliesslich doch da; Gute schafft, wenn auch wider Willen. Daher nuss jetzt der Ausgang ein günstiger sein, wem der Dichter sich nicht mit der Definition seines Mephisto in unlösbaren Widerspruch bringen w II. Hatte der Urfaust gelehrt, dass auch der .Begabteste sich den'Krallen des Teufers' nicht weder zu entwinden vermag, so kündet die jetzige Fassung die entgegengesetzte I.ehrc: das« der Mensch sich wohl vom Irrtum nicht freizuhalten vermag, dass aber der Irrtum nur eine notwendige Begleiterscheinung jenes- Strebens ist, welches den Fort schritt der Menschheit ermöglicht Streben nach <lem Göttlichen, w „Gotjes Knecht" macht, kann der Mensch dauernd durch keine Macht der Finsternis abgezogen werden: und wer immer streben« den können wir erlösen. . Aber Mephistos Ringreifen von «tlches sich bemüht. hont nicht nur dazu, wje im Buche Hiob. die Widerstandskraft ichung an den i|itet er sogar ie gerade dem des Menschen gegenüber der Vers lag zu bringen: unfreiwillig bei Fausten, einer Gefahr zu erliegen, d begabten Menschen häufig bedrohlich geworden ist. Ein englischer Denker hat. glaube ich. einmal gesagt, wenn jemand wirklich etwas Grosses ge leistet habe, so hindere ihn die Weit in'der Regel durch ihren Beifall, etwas Grösser» zu leisten. Es liegt die Gefahr für ihn vor. sicj ) „zu belügen, dass er sich selbst gefallen mag", und auf das Streben nach höheren Zielen zu vernichten. Diese Versuchung kann nur überwunden die Kritik, und gerade die Geister, neinen und schadenfroh die Blossen Kulturarbeit aufdecken, können data Einzelnen und die Gesamtheit vor jener bequemen Selbstbespiegclung. jenem „schmeic lelnden Selbstbetrug" zu bewahren. In diesem Worte des Prologs gemeint: ■Des Menschen Tätigkeit kann sllzu leicht erschlaffen, Kr hebt sich bald die unbedingtj Kuh', j Drum geb ich gern ihm jden Gesellen zu, Der reizt und wirkt und muss als Teufel schaffen. Gewiss liegt die Hrzielun^ dieser Wjnsche keinesdiesem ihn M] werden durch lie stets verlier seitherigen u dienen, die Sinne sind die wegsein Mephistos Absichten. Wenn er Fausten, und den Schüler auf die Unzulänglichkeit der bisherigem Leistungen des Menschen, ja auf die Unmöglichkeit einer Erfassung der Welt durch Menschenkraft — „dieses Ganze ist nur für einen Gott gemacht" - hinweist, so tut er dies nur in der Absicht, in Fausten den Ekel vor allem Wissen, die Sehnsucht nach sinnlichem Genuss zu wecken. Aber nur vorübergehend gelingt es ihm, diesen Feuergeist „von seinem Urquell abzuziehen'1. Nie sagt Faust zu einem Augenblick des Genusses „Verweile doch, du bist so schön." Mephistos Eingreifen führt ihn nur dazu, seinem rastlosen Streben immer neue grössere Aufgaben zu setzen. Der Durchführung dieses Gedanketisist der zweite Teil gewidmet, in welchem Faust herniedersteigt zu dc.n Müttern, ins Reich der Erkenntnis also, sich vermählt mit Helena, der symbolischen Verkörperung hellenischen Schönheitssinnes, und endlich sich in praktischer Wirksamkeit seinen Mitmenschen nützlich erweist, somit jenem dreifachen Ideale zustrebt, das Goethen das Höchste schien, „dem Ewigen des Wahren, (Juten, Schönen-'. Sowohl die Erkenntnis, wie leicht der Mensch geneigt ist. sich zu „verliegen", wie auch den Einblick in den Nutzen, den die Geister, die stets verneinen, durch ihre übermässig scharfe Kritik ihm gewähren können, hat Goethe aus den Erfahrungen seines eigenen Lebens geschöpft. Wie er sich bewusst war, in den ersten Jahren seines Weimarer Aufenthaltes „so gut wie garnichts gemacht zu haben" (Gespräche mit Eckermann 3. Mai 18^7 ■ - den Goethe dieser Zeit hat er in ..Egmont" gezeichnet, der glücklich das Heute geniesst, T>hne an das Morgen zu denken — so hat er deutlich empfunden, wie viel er der oft übertriebenen Kritik der Merck und Herder, ja, so mancher Uebelwollendcr zu danken hatte. Sie hat ihn nie entmutigt, sondern stets*nur dazu geführt, dass er seinem Faust gleich zu immer höheren geistigen und künstlerischen Zielen emporstrebte. Mit jener Gefahr aber, sich mit dem einmal errungenen Erfolge zu begnügen, haben nicht nur die befähigtesten der Erdenkinder, sondern auch alle grossen menschlichen Gemeinschaften zu ringen. Es liegt nahe genug, namentlich in einer Stunde des Rückblicks auf eine längere erfolgreiche Tätigkeit, zum Augenblick des Festes zu sagen „Verweile doch, du bist so schön" und in dem frohen Bewusstsein des Geleisteten der zahlreichen noch ungelösten, ja noch nicht altgegriffenen. Aufgaben zu vergessen. Aber ich - 4 - 4