Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Date
- 1907-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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51 - gibt, hat mannigfache Beurteilung gefanden. Ohne hierauf näher eingehen zu wollen, konstatieren wir, dass bisher tür diesen Zweck bei ans Spenden in Höhe von 6880,45 M. eingegangen and weitere Beträge angemeldet sind. In unserm nächsten Bericht werden wir hierüber spezifizierten Bericht erstatten. Wohlfahrtsbestrebungen der Logen. Arbeitsnachweis des Frauenvereins der Lessing-Loge. , Der Frauen verein der Lessing-Loge veranstaltete am 21. Februar er. einen Diskussions-Nachmittag, den Frau Valeria Glass mit einem Referat über den zu ei öffnenden Arbeitsnachweis für jüdische Frauen und Mädchen einleitete. Die Vortragende behandelte das Thema zunächst historisch und ging dann auf die in dem Jabre 1881 durch die Botschaft Kaiser Wilhelms L inaugurierten sozialpolitischen Gesetze, nämlich das Krankenkassenwesen, die Versicherung der Arbeiter gegen Unfälle in den Betrieben, und die Alters¬ und Invaliditätsversicherung, näher ein, die das Wohl der arbeitenden Klassen bezweckten und mit denen Deutschland allen Kulturstaaten voranging. Inzwischen hatte sich Deutschland zum Industrie-Staate herausgebildet, die soziale Gesetzgebung ergriff auch die Kommunen, welche es als ihre Pflicht erachteten, der Arbeitslosigkeit nach Möglichkeit zu steuern. Zu diesem Zwecke wurden Arbeitsnachweise für Handwerker, Kaufleute, Privatbeamte etc. errichtet, welche die vorhandene Arbeitsgelegenheit ausfindig machen und jedem Arbeitssuchenden nach seinen physischen und geistigen Fähigkeiten Beschäftigung zuweisen sollten. Auch in Breslaur sind eine grosse*Anzahl derartiger städtischer und privater Arbeitsnachweise vorhanden und man konnte die Frage aufwerfen, weshalb den bereits bestehenden einen neuen hinzufügen? Darauf wäre zu erwidern: Dass die bestehenden Arbeitsnachweise zwar konfessionslos, dass es aber unseren jüdischen Frauen und Mädchen, welche, arbeitswillig sind, angenehmer sein dürfte, wenn ihnen durch unsern Verein Arbeitsgelegenheit nachgewiesen werden kann. Von diesem Gesichtspunkte mögen wohl die Berliner Bnei Briss-Logen ausgegangen sein, als sie vor länger als 10 Jahren beschlossen haben, einen besonderen Verein für Arbeitsnachweis zu gründen und unter ihr Patronat zu nehmen. Man sagte sich, dass es besser sei, anstatt Almosen Arbeit zu geben, weil man dadurch die Menschen nicht nur materiell, sondern auch moralisch hebt. In dem ersten Decennium des genannten Vereins wurden 16 602 Personen beiderlei Geschlechts, jlarnnter 20*7 verheiratete in dauernde Stellung gebracht. Diese Zahlen sprechen für sich und zeugen von der Oberaus wohltätigen Leistung des Vereins. Die jüdische Gemeinde Berlins bewilligte eine jährliche Subvention von 3000 Mk. und ^von der Armenverwaltung werden alle die« jenigen Arbeitsfähigen dem Verein überwiesen, die bei ihr um Unterstützung einkommen. Rednerin bemerkt des weiteren, dass sich die geschaffenen Institutionen des Frauen-Vereins der Lessing-Loge, die Ferien- Kolonie und das begründete Mädchenheim glänzend bewährt haben, so dass wir hoffen, dass auch das jüngste Kind unserer Sorge, der Arbeitsnachweis — zum Wohle unserer ärmeren Glaubensgenossen — vorwärts kommen und sich gedeihlich entwickeln werde, insbesondere) wenn die Schwestern, jede in ihrem Kreise, nach besten .Kräften für die Sache wirken und für sie Propaganda machen. „Möge dieser Apell" — sö schloss der Vortragende ■— an Sie, liebe Schwestern, nicht fruchtlos verhallen, zeigen wir, dass1 das Wort „Wo ein Wille, da ist auch ein Weg" sich bei uns, bei unserm Vorhaben in schönster Weise erfülle. (Lebhafter Beifall.! An der sich an den Vortrag anschliessenden Diskussion, an welcher sich die Damen Frau Dr. Brann, Frau Peiser, Frau Marcus, Fräulein Urbach und die Referentin beteiligten, wurde der Befürchtung Ausdruck gegeben, dass man vielleicht den hiesigen jüdischen Vermittelungs - Bureaus durch den unentgeltlichen Stellennachweis eine offenbare Konkurrenz machen würde, — alle diese Bedenken wurden in sachlicher Weise widerlegt und hervorgehoben» dass der Arbeisnachweis hauptsächlich denen zugute kommen soll, die sich an öffentliche Bureaus nicht, wenden, dass vielmehr der soziale Zweck bestimmend sein müsse. Die Eröffnung des Arbeitsnachweises ist inzwischen am 1. Mai er. erfolgt, das Bureau befindet sich in der Lessiug- Loge und ist dreimal wöchentlich gtöti'uet. An die Logen- Mitglieder richten wir die dringende Bitte, bei Bedarf an kaufmännischem Personal etc. sich an das Bureau zu wenden. Gut empfohlene Kräfte sind reichlich vorhanden. Aus dem Gedächtnisbuch der Grossloge. Seit unseren letzten Angaben hatten wir den Tod folgender Brüder zu beklagen. Es starben: 80. Am 18. April 19Ö7 Br. Karl Blanes Mitglied der Deutschen Reichs-Loge in Berlin seit dem 12. Dezember 190:4, geb. den 8. April 1849 in Düsseldorf. £1. Am 20. April 1907 Br. Adolf Lange, Karls-Kblonie bei Ruda. Mitglied der Mamreh-Loge in Beuthen seit dem 9. Oktober 1«S4, geb. den 28. April 1842 in Georgenberg. 32. Am 16. März 1907 Br Joseph Deutsch. Mitbegründer der Rhenus-Loge in.Mainz — 24. Februar 1889 — geb. den 22. Juni >1828 in Otterberg. 33. Am 21. Mäiz 107 Br. Julius Westheimer, Mitbegründer der München-Loge in München — 21. März 1897 — geb. den 26. Dezember 1854 in Menzingen. 34. Am 2:i. April 1907 Br. Adolph Chotzen in Breslau, Mitglied der Friedens - Loge in Raubor seit dem 1. Juli 1886. gebf den 16. Oktober 1846 in Kieferstädtel. . 35. Am 27. April 1907 Br. Hermann Levy, Mitbegründer der Toleranz-Loge in Landsberg a. W. — 20. März 1904 — geb. den 14, Juni 1842 in Landsbelg a. W. 36 Am 4. Mai 1907 Br. Hermann Tietz, Mitglied der Montefiore-Loge in Berlin seit dem 24. April 1904, Mitbegründer der München-Loge — 21. März 1897 — geb. den 23: April 1837 in Birnbaum.