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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-04-01 · Nr. 3 - April · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 3 - April
Date
1907-04-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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ist. Die Berichte der Grossloge haben uns jederzeit willkommene Gelegenheit geboten unser Wissen zu bereichern and unsere Gedanken mit denen der ganzen Ordensgesamtheit zn verweben. Unsere Diskussionen bewegten sich fast immer in dem gleichgestimmten Akkorde, welcher diese Halle durchziehen soll und ein unüberlegtes Wort tat sicher dem mehr weh, dem es in gutem Eifer entfahr, als dem, den es traf, Der Geist der Interessenlosigkeit fand bei uns keinen Einzug und das, was draussen vielleicht mangelndes Interesse schien, war'beim näheren Zusehen meistens gar bald entschuldbar. Das Streben mit gleichgesinnten Glaubensgenossen gleiches zu bearbeiten und zu schaffen, führte Alle gern zur Arbeitsstätte nach des Tages Last und Unruhe. Ernste Zeiten zogen an uns vorbei. Wir beklagten den frühen Tod zweier lieben Brüder, Simon Pincus und Ferdinand Zentawer, und gaben nnserm Schmerze durch Trauerlogen intime Weihe. Auch sonst bei traurigen Anlässen in der näheren Familie eines Bruders verfehlten wir nicht einen Bei* leidsgruss als Zeichen unserer Zusammengehörigkeit zu senden. In gleicher Weise freuten wir uns mit der Freude, die einzelnen Brüdern bereitet wurde. Besonderen Anlass zu Glückwünschen boten uns die Feier der silbernen Hochzeit unseres Br. Mentor Sperling, des 25jährigen Amtsjubiläums des Br. Dr. Spanier und die des 70. Geburtstages unseres Br. Expr. Lindenthal. Nach ernster Arbeit sich in richtiger Weise und zur richtigen Zeit zu erholen verstand die grösste Zahl der Brüder auch im veiflossenen Jahre, wobei wir Alle freudig empfanden, dass das Versuchen des Glücks in klugem Empfinden des eigenen Selbst sich bedeutend einschränkte. Eine gewohnte und stets wieder von vielen Seiten ersehnte Abwechslung boten unsere gewohnten Feste: das Simchas Tauro-Kränzchen, das Chanucka-Kinderfest, das Purim-Festmahl mit Ball waren wahrhafte Lichtpunkte in unseren gesellschaftlichen - Beziehungen. Der tiefste Endzweck aller unserer Veranstaltungen ist und bleibt doch „Harmonie" zu verbreiten und das leisteten die diesjährigen Feste zur Genüge. In anderer Weise hob sich die Geselligkeit durch die uns gebotenen geselligen Abende mit Vorträgen von Brüdern und Damen; es waren zwar nur drei gesellige Abende, aber diese hatten doch schon den Beweis gegeben, dass es wert sei, das Stiefkind unserer Vergnügungen weiter in der angebrachten Bahn zu pflegen. Weitere Annäherung durch unsere gemeinsame Arbeit zu gemeinsamen Empfindungen bot auch in diesem Jahre der Frauenbund, dessen fortschreitende Entwicklung zu den Aufgaben der Wohlfahrtspflege jeder, der näher vertraut ist, mit Freuden verfolgen konnte. , Um aber alle unsere Leistungen auf der Höhe zu erhalten, welche zur gedeihlichen Entwicklung der Loge notwendig ist, war eben ein gewissenhaftes Arbeiten eines Jeden, der von der Gesamtheit auf seinen Posten gestellt war, erforderlich. Ob es gelangen ist, das mögen Kommende beurteilen. Diesem Skelette, wenn ich nochmals bei meinem anfänglichen, fachmännischen Vergleiche bleiben darf, fügte sich nun Fleisch, Muskeln und Haut an, mit welchen die Loge dem Fremden in die Erscheinung trat. Diese Bedeckungen unseres Skelett», d. h. der inneren Arbeit, waren unsere Mitarbeiten an den Interessen des gesamten Judentums, so weit es in. Gemeinde und Staat seinen Platz erheischte. Unsere Brüder, mit dem Geiste der Bnei Briss ausgestattet, waren vertreten im Vorstand der Synagogengemeinde und in der Repräsentantenversammlang, der Beerdigungsgesellschaft und im Vorstand des jüdischen Gemeinde Vereins, sie sassen im Ortsausschuß des Hilfsvereins der deutschen Juden, des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen. Glaubens, der Erziehungsanstalt für Ahlem, des Vereins für' jüdische Geschichte und Literatur. In allen Vorständen mühte sich ein Jeder das Beste für Andere zu tun. Dazu befähigte sie, abgesehen von ihrer sozialen Stellung, die Darchtränkung ihres Ichs mit dem allumfassenden Ordensgedanken der selbstlosen Liebe. Und das ist das. Herz des Organismus, in welchem wir zu arbeiten uns verpflichtet haben und mit jedem Pulsschlag dieses Herzens treibt frisches Blut in die Organe und Zellen des Riesenleibes U. O. B. B. „Selbstlose'Liebe", ein Wort, in dem der Einzelne wohl untergehen mag in seiner Eigenart und seinem Iclibewusstseiu, mit dem aber ein Jeder als Teilchen eines Ganzen desto kräftiger und schlackenbefreiter hintreten kann vor die Gesamtheit seiner Glaubensgenossen, der ganzen Menschheit. Nicht Phrase ist «a,, was wir geben wollen, i auch nicht schillernde Tünche. Heraus aus der Tiefe des eigenen Selbst soll ein Jeder das holen, was ihm der Väter Erbe und Kultur menschlich gutes eingesenkt hat. Reinigen soll sich ein Jeder von dem Unkraute des Egoismus, der Selbstliebe, von Ehrgeiz und selbstischem Vordrängen. Ein Wille beherrsche alle Brüder, und zwar der, dem der ganze Kosmos seit Jahrmillionen, weise gehorcht, der Welten schuf . und Staaten gründete, der Menschen zum Heile der Menschheit werden Hess und sie leitete. Das ist der Gedanke der Ordnung. Und wo ein Wille, da ist auch ein Weg. Dieser Weg ist uns im Orden vorgezeichnet, wie dem Wanderer die Strasse. Ja, mehr! Wir gehen diesen Weg, wie unsere Vorfahren ihn begonnen, aus der Knechtschaft des Nillandes durch Wassergefahren und Wüstennot, hinein in das sonnige Land der Menschheitsideale der W. B. u. E. Sachende und Irrende sind wir und werden wir bleiben, so lange wir streben; das vergangene Schaftensjähr hat auch dieses wieder genugsam bewiesen. Es hat uns aber auch wieder in vielem gelehrt, wie herrlich es ist zu wandeln an der Seite der Gerechten im Schatten des Baumes, aus dem uns der Glaube der Väter erwachsen ist. Und not tut es fest zu stehen und zu wachen auch im kämmenden Jahre. Von Osten glänzt schon wieder der Feuerschein des Aufruhrs, leuchtet das Blut der unschuldigen Opfer, schreit die Klage des Elends. Ueberall tut Hilfe not, bedarf es besonnener und tatkräftiger Männer. Mögen gerade solche uns erhalten bleiben und neu zuwachsen, um unsere Aufgabe zu erfüllen: ein Segen zu werden sich, den Angehörigen, den Glaubensgenossen, der ganzen Menschheit. Mit diesen ernsten Betrachtungen wollen wir unser Arbeitsjahr schliessen und rostig den Weg ins neue antreten mit dem ernsten Vorsatze; nicht für uns, Alles für unsere Loge!

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