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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-04-01 · Nr. 3 - April · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 3 - April
Date
1907-04-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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— 29 — getanen Insassen aller derartigen Anstalten. Für ihre körperliche Pflege nnd in gewissen Grenzen mögliche geistige nnd berufliche Ausbildung sind die sinnreichen Einrichtungen solcher heilp&dagoglscher Anstalten bestimmt. Bei den besonderen Verhältnissen der jüdischen. Gemeinschaft kommen aber auch die anf einer höheren Stufe stehenden Debilen in Betracht. Schon dämm, weil an vielen Orten, wo solche debile Kinder vorhanden sind, es an sogenannten Hilfsschulen oder Hilfeklassen fehlt, in denen sie gemeinsam mit schwach begabten Kindern erzogen werden. Uebiigens reicht aber der Aufenthalt während des schal Pflichtigen Alters nicht aus, um die debilen Kinder tauglich für den Ueber tritt in das praktische Leben zu machen. Daher die vom Referenten als Altersgrenze mit bewusster Willkür!ichkeit gewählte Majorennität, die keine juristische praktische Bedeutung hat. Bezüglich der jüdischen Zöglinge von Hilfsklassen ist die Angabe der Berliner Schuldeputation nicht uninteressant, dass sich anter den jüdischen Insassen solcher Hilfsklassen mindestens 0 befinden, die dort nicht fortkommen, also zweifellos in ein Institut, wie das geplante Beelitzer, gehören. Für die Bedürfnisfrage spricht auch, dass von den 52 gegen hohen Pensionspreis in christlichen sogenannten Erziehungsheimen untergebrachten Kindern vermögender Glaubensgenossen ein Teil für die Beelitzer Anstalt angemeldet wird. 4 I Auf die naheliegende Frage: was wird mit der Anstaltserziehung der Imbeeillen und Debilen schliesslich erreicht? gibt Referent die Auskunft, dass die Debilen bis zum majorennen Alter soweit gefördeit werden können, um in untergeordneten Lebensstellungen fortznkommen. Ausgeschlossen ist ein selbständiger Beruf und sei es der des kleinsten Handwerksmeisters, denn das Disponieren ist eine geistige Fähigkeit, die dem Debilen absolut versagt ist. Hingegen kann seine Fertigkeit in einem niederen Handwerk soweit gefördert werden, dass er als Geselle durchkommt. Der Imbecille aber steigt über die Stufe des Lehrlings nicht empor. Bis an sein Lebensende bedarf er bei seinen mechanischen Beschäftigungen der Beaufsichtigung. Sein Schulziel entspricht dem der beiden ersten Schuljahre für Normalkinder. Und wird nicht immer erreicht. Die Erziehung hat hauptsächlich auf die praktische Ausbildung gewisser Neigungen und Anlagen sich zu verlegen. Es ist erfreulich, dass für gewisse mechanische Handgriffe, wie sie der moderne Betrieb mit sich bringt, der Imbecille und Debile sich williger verwenden lassen, als die intelligenten Arbeiter. Hinsichtlich der Leitung der Anstalt gibt Referent dt m Pädagogen den Vorzug vor dem Theologen und Arzte. Zum Glück sind einige qualifizierte Pädagogen beiderlei Geschlechts verfügbar. Die Hilfe des Arztes ist von der grössten Wichtigkeit; sie kommt bei der Auswahl der aufzunehmenden Kinder und bei der ärztlichen Ueberwachung der Anstalt sehr in Betracht. Geeignete Persönlichkeiten sind sowohl unter den Mitarbeitern des D. I. G. B. wie auch unter unseren Brüdern vorhanden. Die Auswahl bei der Aufnahme bezweckt die Herstellung einer gewissen Einheitlichkeit des Materials, weil durch die Begrenzung der Räumlichkeit, des Erziehungspersonals und des Etats Schranken gezogen sind, die später, wenn der Erfolg uns grössere Mittel zugeführt haben wird, fallen können. #•* * ' ■<•*• .'*'••-,' » Folgende statistische Ergebnisse sind beachtenswert. Unter den Personen der 105 Minorennen, die aus der Enquete sich ergeben haben, handelt es sich um ungefähr 20 Imbecille und 85 Debile. Das Verhältnis der Geschlechter stellt sich in dem Fragebogen 2:1. Bezüglich der Bereitschaft zur Ueberlassung der Kinder an die Anstalt kommen 30 männliche und 20 weibliche Minderjährige in Betracht. Es ist also ein grösserer Zudrang zu erwarten. Aus den Fragebogen der Erwachseren, die sonst praktisch nicht in Erwägung zu ziehen sind, ergibt sich, -dass in einer ganzen Reihe von Gemeinden, von denen die grösste. 360 Seelen zählt, je 2, 3, ja sogar 4 teils verschwinterte, teils nicht verwandte Schwachsinnige gemeldet werden. Eine abschliessende Statistik dieses Gebrechens, das mehr Opfer fordert, als alle übrigen zusammen, ist selbst den amtlichen Stellen nur bezügl. der Anstaltsinsassen möglich, da die räumliche Verteilung der Juden eine Uebersicht lüber die Verbreitung des Uebels, das gleichsam wie eine Schande verborgen wird, nicht gestattet. Zu dem Antragschreiben des D. I. G. B. gibt Referent noch folgende erläuternde Zusätze: Die Lage des Beelitzer Terrains hat die grössten Vorzüge. . Der Ort liegt im Herzen Deutschlands und in der Nähe des Sitzes der beiden man- Grossloge und des D. I. G. B. Der liegt in unmittelbarer Nachbarschaft sowie des Bahnhofs und ist in ein grosses Waldgebiet eingebettet. Die gebenden Institute, der Platz für die Anstalt des Städtchens Beelitz, herrliches 900 Morgen Auswahl des Platzes wir dem T). J. G. B. völlig frei gestellt worden und ist von den Sachverständigen nach den Prinzipien der Hygiene und den günstigsten Bedingungen für den Bau getroffen worden. Die dem Gen -Kom. vorliegende Bauskizze ist vom Baumeister Altei tham in Berlin nach eingehender Beratung mit Dr. Nawratzki, früherem Arzt der Schwachsinnigen Abteilung der städtischen Anstalt in Dalldorf, jetzigem Besitzer einer Heilanstalt in- Wannsee, entworfen. Sie weist nicht eben splendide, aber genügende Raumausmessungen auf und berücksichtigt, worauf besonderer Wert zu legen ist, die Einrichtung von Arbeitsräumen, sowie einer Turnhalle. Nach wiederholten Versicherungen' des Baumeisters wird der Anschlag von 90000 M. nicht überschritten werden. Dann kommen noch ca. 10000 M. für die erste Einrichtung hinzu. Das dem Gemeindjebunde zur Verfügung stehende Baakapital hat sich seit Eingang des Antrages an die Grossloge durch freiwillige Zuwendungen um weitere 5000 M. vergrössert und beträgt 88709 M. Für die Aufstellung des Etats konnten nur die Jahresberichte der einzigen hjeilpädagogischen Anstalt in Deutschland, nämlich des Taubstummeninstituts in Weissensee verwendet werden. Der Voranschlag ist vorsichtig bemessen, weil wir uns zu Anfang wohl mit nicht allzu reichlichen Mitteln werden einrichten müssen. Für den Unterhalt der Anstalt würde nach den Intentionen des D. I. G. I.', die auf statutarischen und praktischen Rücksichten beruhen, ein besonders zu begründender *

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