Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1907
- Issue
- Nr. 2 - März
- Date
- 1907-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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BERLIN, im März 1907. No. 2. Bericht der Grossloge für Deutschland u. o. B. B. Nachdruck sämtlicher Artikel aus diesen Berichten verboten. Fernsprecher: D. Wolff, TL No. Wilhelmstrasse 118. Zum Jubelfeste. Nor wenige Tage trennen uns von der Jubelfeier unseres Ordens in Deutschland. Ueberall rüstet min sich, den festlichen Tag würdig und freudig zu feiern. An dem Sitz der Grossloge, wohin die Abgesandten der Tochterlogen zuströmen, wird die Feier einen höheren Glanz entfalten, eine grössere Bedeutung erhalten. Delegierte der Gemeinden, Vereine und Korporationen werden das Fest verschönen. Die erste Loge auf deutschem Boden, die Deutsche Reichs- Loge, wird die Freude haben, alle Teilnehmer an der Festtafel zu begrüssen. Schon geht ein festlicher Hauch durch die Reihen der Brüder, der sich steigern wird zu freudiger, jubelnder Stimmung. Findet uns die Feier in 'aufsteigender Eutwicklung? In voller Einmütigkeit? Ist nicht mehr eine Erschütterung der Eintracht zu besorgen? Ist die alte Anhänglichkeit in unverminderter Kraft noch vorhanden? Ist die Innerlichkeit, die Vertiefung unseres Logenlebens fest gefügt? Sind wir auf der Stufenleiter erzieherischer Einwirkung, sittlicher Vervollkommnung, sozialer Durcharbeitung schon soweit emporgekommen, dass wir auf Lorbeeren ruhen, die Hände getrost in den Schooss legen können? Ist die Entwicklung unseres Ordens überall, wo seine Fahne weht, abgeschlossen? Abgeschlossen, dass kein "Wunsch zu erfüllen bleibt? Das sind Fragen, die sich uns unwillkürlich aufdrängen und aufdrängen müssen, soll der Orden Leben und Gesundheit für fernere Zeiten aufweisen, Kraft und Frische in seinen Bewegungen (ffenbaren, die Hoffnungen, die seine_Jugendzeit erweckt, im Mannesalter erfüllen, sollen die Früchte, zu denen er die Saaten in vergangenen 25 Jahren ausgestreut, heirlich und segensreich ausreifen. Es hat nicht an schweren Kämpfen gefehlt, um uns vorwärts zu bringen. Wird die folgende Zeit uns ein kampfloses Dasein bescheeren? Ist eine solche Zeit denkbar oder auch nur erwünscht? "Wohl ziemt es uns, einen Augenblick Halt zu machen, das Vergangene zu überblicken, des Erreichten uns zu erfreuen. Wir haben gearbeitet und gestritten, gesonnen und beraten, erkämpft und ausgeführt, gestrebt und geirrt. Das sind Phasen unseres Werdeganges, die jede Vereinigung, wofern sie ihre Aufgaben und Pflichten ernsthaft auftaust, durchmachen muss, will sie sich bewähren in dem grossen Getriebe der menschlichen Gesellschaft. Aber nur ein Moment der Ruhe dürfen wir uns im Festesglanze gönnen. Das LeBen flutet weiter, jeder Tag tritt mit Forderungen an uns heran, täglich wechselt das Antlitz des Ordens, täglich fordert uns def Orden in die Schranken. Wie es in der Natur keinen Stillstand gibt, darf es auch bei uns keinen geben. Ei wäre ein Zeichen der Ermattung, wollten wir einen Beharrungszustand herbeisehnen. Alles Sinnen und Denken, alles Schaffen und Treiben wäre verlorene Liebesmühe, wollten wir uns einer sorglosen Ruhe hingeben! Wir müssen und werden weiter arbeiten. Und je Mehrere sich an der Arbeit beteiligen, desto besser ist es um den Orden bestellt, je mehr die Brüder sich mit ihrer, ganzen Tatkraft, mit ihrer ganzen Persönlichkeit der Ordensarbeit widmen, desto vorteilhafter ist es für das Ordensweik. ' Verschieden veranlagt wie die Menschen sind, so verschieden werden sie ihre Menningen äussern, ihre' Anschauungen begründen, das ist bei uns so wie überall. Meinungsverschiedenheiten wird es immer geben. Das entspricht dem ernsten Bestreben, mitzuarbeiten an dem Ausbau und der Vollendung unseres Ordens, entspricht auch der Vielseitigkeit menschlichen Denkens und des Temperamentes. Immer und wieder werden sicli bei jeder wichtigen Materie zwei Anschauungen geltend zu machen suchen. Die Einen wollen das Bestehende erhalten, es schützen vor Rissen und Schäden, sehen in jeder Aenderung eine Gefahr, eine Bedrohung des Gauzen. Die Anderen begnügen sich nicht mit dem Gegebenen, streben Verbesserungen an, fordern, dass jede Einrichtung sich vorwärts entwickeln müsse. Das führt zu Auseinandersetzungen, zum Austrag der Meinungsverschiedenheiten in den Beratungen unserer Ausschüsse und Vollversammlungen. Jede Gruppe hält ihre Ansichten für die allein richtigen und zweckentsprechenden, ist überzeugt, dass ihr vorgeschlagener Weg der allein gangbare ist. Es muss' gestritten und gekämpft werden. Es gibt keinen, anderen Weg zur Klarheit und zur Wahrheit. Und auch die Art des Kampfes ist verschieden, wie die Mittel, deren sich die Menschen bedienen. Es ist fraglos, dass in unserem Orden, ideal wie die Ziele, auch die Kampfesweise lauter, würdig und brüderlich sein muss. Sie muss nur die Sache selbst berühren, die Materie erfassen, sich frei halten von persönlicher Zuspitzung und persönlichem Angriff, will, man ernstlich mit einem Gegner