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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-02-01 · Nr. 1 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 1 - Februar
Date
1907-02-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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M. Silberstein, den Frauen-Verein ins Leben zu rnfen, dem fast alle Frauen der Brüder der Lessing-Loge beitratet. Man ging zunächst daran, armen bedürftigen israel. Kim fern die Segnungen der Ferienkolonien zu Teil werden zu lassen, so dass schon im ersten Jahre des Bestehens 20 Kinder währ and der grossen Ferien in ein glückliches, sonniges Heim, in frische gesunde, anregende Luft gesandt wurden und ausreichende, rituelle Verpflegung erhielten. Während damals im ersten Jahre des Bestehens des Vereins durch die Beiträge Ion 140 Oamen und mit Hilfe einer zu diesem Zwecke veranstalteten Lotterie der Betrag von 1100 Mark für diese 20 Kinder aufgewendet wurden, ist die Mitgliederzahl jetzt auf 310 Per sonen gewachsen, so dass seit einer Reihe von Jahrei 40 bi 50 Kinder mit einem Aufwände von jährlich über 2000 Mark die Segnungen der Ferienkolonien geniessen. Aber auch der zurückgebliebenen schwächlichen Kinder wurde gedacht unc unter Leitung einer geeigneten Dame wurden sie täglich im schattigen Park bei anregeudem Spiel und . guter Verpl legung einige Stunden unterhalten. Seit dem. Bestehen des Vereins . wurden für die Zwecke der Ferienkolonien ca. 40 000 Mark verausgabt. Ferner wurden eine grosse Anzahl alleinstellende, bedürftige Frauen unterstützt, einzelne Familien zur Existenz verholfen, armen Bräuten ein Zuschuss zur Ausstattung gewährt und so nach Kräften soziale Not zu lindern gesucht. Auf weitere Anregung des Herrn Inspektor Silberstein wurde im Verein mit der Les>ing-Loge ein israelitisches Mädchenheim gegründet, in dem schon über 270 Mäacben Gelegenheit geboten wurde, sich für ein geringes "Entgelt und unter Umständen ganz ohne ein solches, hierorts auszubilden nnd ihren bedürftigen Eltern eine Stütze werden zu können Heut besitzt das Mädchenheim nach kaum 15 jälirigem Bestehen ein eigenes schuldenfreies Grundstück und ein ansehnliches Vermögen und stetig wächst die Zahl dei Aufnahme Suchenden, denen in den meisten Fällen Folge gegeben werden kann. Mit Genugtuung und freudiger Zuversicht wollen wir — so schloss die Festschrift, in das neue 21 Jahr unseres Bestehens eintreten. Das walte Gott! Nachdem sich der Beifall der Versammlung gelegt; betrat Herr Rabbiner Dr. Rosenthal als Delegierter des Israelit. Mädchenheims das Podium, um im Namen desselben herzlichste Gratulation der Mutter des Mädchenheims zu dem Ehrentage auszusprechen. Mit Stolz und Freude nähert sich das Kind heut dem Frauen-Verein, dem es sein Dasein verdankt, die gute Saat, die damals ausgestreut wurde, hat sich herrlich entwickelt und ist zur schönen, reifen Frucht geworden. Redner schilderte die Segnungen des Heims, das einige hundert Mädchen bereits existenzfähig gemacht, durch die sie zum Teil Ernährer ihrer armen Eltern geworden, dankte nochmals für die erwiesene "Wohltaten und schloss mit dem Wunsche des ferneren Blühen und Gedeihen des Frauenvereins. Frau Valeria Glass dankte dem Redner für die anerkennenden Worte und wies darauf hin, wie die Tätigkeit des Frauen-Vereins vorbildlich für andere Logen geworden und dass nach ihren Prinzipien ähnliche Institutionen ins Leben gerufen wurden. Es gereicht uns zur besonderen Ehre und Freude, Herrn Inspektor Silberstein in unserer glitte zu sehen, der es sich trotz seines hohen Alters nicht versagen mochte, an unserm Feste teilzunehmen und der als der eigentliche Gründer des Vereins und des Mädchenheims zu betrachten sei. Das Letzte möge versichert bleiben, dass ihm seine Mutter stets getreulich zur Seite stehen werde. Frau Max Breslauer überreichte hierauf im Namen eines Komitees der Mitglieder des Frauen-Vereins eine Stiftungsurkunde von 1800 Mark, deren Zinsen zu gunsten der Ferien- Kolonien Verwendung finden sollen. Mit dem Ausdruck des innigsten Dankes wurde dieselbe von dem Vorstande entgegen genommen. Nunmehr ergriff der Präsident der Lessing-Loge Herr Rechtsanwalt Peiser das Wort, um im Namen der Loge, die durch ihren Beamtenkörper vertreten sei, den Schwestern die herzlichste Gratulation der Lessing-Loge zu übermitteln. Der Präsident führte in längerer Ansprache aus, wie das AVirken der Frauen auf sozialem Gebiete auch auf die Brüder anregend gewesen und wie der Frauen-Verein es verstanden, sich die Gunst weiterer Kreise unserer Stadt — auch von Nichtmitgliedern der Loge — zu erwerben. Seine Veranstaltungen, seien sie auf dem Gebiete der Wohlfahrt oder der Geselligkeit, gelingen stets und führen ihm immer neue An hänger zu. Auch der vom Fr auen-Verein jetzt zu begründende Arbeitsnachweis werde sicherlich gelingen, da er einem sozialen Bedürfnis entspräche; die Lessing-Loge werde diesen Bestrebungen stets ihre Unterstützung verleihen und bittet er, der Vorstand des Frauen-Vereins möge in allen wichtigen Fragen mit dem Präsidenten sich ins Einvernehmen setzen, um gemeinschaftlich zu beraten. Als äusseres Zeichen der Anerkennung des Wirkens des Frauen-Vereins überreichte ler Präsident eine Gabe des Lessing-Vereins von 300 Mark, mit welcher der bereits gestiftete Fonds vergrössert werden möge Nachdem die Vorsitzende dem Präsidenten für die an erkennenden Worte gedankt, trat eine junge Dame aus dem Vlädchenheira hervor, um in ihrem und im Namen der sämtiefaen Mädchen des Heims den Dank abzustatten für die ausserordentlichen Wohltaten, denen sie durch die Begründung les Heinis teilhaftig werden und die es ihnen ermöglichen, fern vom Elternhause sich für einen Lebensberuf vorzubereiten. Die Damen waren von diesen schlichten und herzlichen Worten aufs innigste bewegt. Während der Tee an den Tafeln eingenommen wurde, brachte Frau Urbach in schwungvollen poetischen Worten einen Toast auf den Vorstand des Vereins aus. Inzwischen wurden die Vorbereitungen für das Festspiel ,Prinzesschen" von Fräulein Clara Behrend-Baumbach getroffen, las alsdann unter nicht endenwollender Begeisterung zur Aufführung gelangte. In dem Singspiel wurde der Frauen-Verein in Gestalt eines 20jährigen Prinzesschens auf die Bühne gebracht, das aus Anlass des Tages den Besuch der Musen empfing, die lern Verein stets hold waren. Der als Verkörperung der Lessing-Loge erschienene Prinz brachte nun seiner Schwester iufs Neue die Versicherung unwandelbarer Liebe und Verehrung entgegen. Mit einer Apotheose der Musen endete las wohlgelungene Bühnenspiel. Darsteller und Autorin ernteten reichen Beifall. Nunmehr kam die Fidelitas zu ihrem Rechte. Erst in später Abendbezw. Nachtstunde trennten sich die Teilnehmer von dem Feste, das jedem sicherlich in dauernder angenehmer Erinnerung verbleiben wird.

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