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Bericht der Großloge für Deutschland · 1907-02-01 · Nr. 1 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1907
Issue
Nr. 1 - Februar
Date
1907-02-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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, BERLIN, im Februar 1907. No. 1. Bericht der Grossloge für Deutschland U. O. B. B. ' . / Nachdruck sämtlicher Artikel aas diesen Berichten verboten. Fernsprecher: D. Wolff, TL No. 4619, Wilhelmstrasse 118. Eine Bücherschau von Dr. Apfel, Bergische Loge (Barmen-Elberfeld). In Nr. 8 der Monatsberichte hat Br. Richard Kaufmann ein Verzeichnis neuer Bücher veröffentlicht, welche auf Jaden and Judentum Bezug haben. Im Anschlösse daran mochte; ich anter kurzer Charakterisierung noch auf einige nicht in dem Register enthaltene, aber ia jeder Beziehung bemerkenswerte Werke hinweisen. An erster Stelle seien die von Martin Buber neu herausgegebenen, im Verlage der Literarischen Anstalt RUtten und Loening in Frankfurt a. M. erschienenen Erzählungen des RabbiNachman, des letzten jüdischen Mystiker?, erwähnt. Dieses Buch ist nach meiner Autfassung ein glänzender Gegenbeweis g<>gen die vielfach, auch von jüdischer Seite aufgestellte Behauptung, dass dem Judentum des Exils und des Ghetto die ursprüngliche Kraft der Phantasie and der schöpferischen Gestaltung gefehlt habe. Der Herausgeber, ein Eokel des vor kurzem in Lemberg gestorbenen hervorragenden jüdischen Gelehrten Salomon Buber gibt einleitend einen wertvollen, historisch-psychologischen Essay Uber die jfidische Mystik, kennzeichnet treffend das Wesen der Kabbala and des Chassidismas. Eine kurze, biographische Skizze Uber den letzten und grössten jüdischen Mystiker Rabbi Nachman von Bratzlaw scbliesst sich an. Den grössten Teil des Werkes bildet die Wiedergabe der tiefsinnigen Sprüche des Rabbi and sieben seiner Legenden. Trotzdem die letzteren nar nach ungenauen Aufzeichnungen seiner Schüler zusammengestellt und ergänzt werden mussten, leuchtet aas denselben eine solche Falle von Poesie, phantastischer and zugleich phantasievoller Erzähluogskunst, dass wir gerne dem Wiederbeleber dieses seltsamen and grossen Geistes aas einer für immer entschwundenen Epoche — Rabbi Nachman starb 1810 — des judischen Geisteslebens folgen. — Mit besonderer Freude sei an zweiter Stelle auf die Dichtung eines Nichtjuden, die Tragödie „Der Jade von Eonstanz" von Wilhelm von Scholz, Verlag Georg Malier in München, hingewiesen Unsere Gegenwart erlebt - das seltene Schauspiel, dass auf der einen Seite. Edelleate in rohem Hasse and verblendetem Aberwitze alles, was mit dem Judentume zusammenhängt, beschimpfen, and dass auf der anderen Seite Männer, adlig an Geist nnd Geburt, mit hingebendem Eifer and Verständnis in den Geist and die Geschichte des Judentums sich vertiefen. So hat Freiherr Börnes von Münchhausen in seinem bekannten Balladenbache „Juda" das alte, kriegerische Gottesvolk Israel in einer Reihe wuchtiger, •'• vtv.; •-, ] v formvollendeter Balladen auferstehen lassen, welche erfüllt sind von einem einfachen, biblischen Pathos und einem seltenen, historischen Verständnisse. Ein gleiches inniges Verstehen der leidnnd wechselvollen Schicksale des jüdischen Volkes, ein Verstehen, das aus . dichterischer Inspiration entsprungen ist, finden wir in der Tragödie des in München lebenden und wirkenden Dichters Wilhelm von Scholz „Der Jude von Konstanz". Im Mittelpunkte des im 14." Jahrhundert in Konstanz am Bodensee spielenden Dramas steht der jüdische Arzt Nasson, der, um besser wirken zu können nnd von dem glühenden Wunsche beseelt, sich eine Heimat zn schaffen, vom .Judentume abgefallen ist and die Taufe genommen hat. Von seinen Glaubensgenossen befehdet, von den Christen beargwöhnt, Lält nar seine jüdische Schaffaerin Anna zn ihm. Alle Versuche des jüdischen Fanatikers Asarjah, sowie seiner Geliebten, der schönen, treuen Bellet, ihn wieder zum Judentume zurückzufuhren, scheitern. Doch als das Verhängnis den Joden naht, als hetzerische Geistliche Stockungen in Handel nnd Wandel, eine im Akte der Notwehr an einem übermütigen Patriziersohne verübte blntige Vergeltung durch den jungen, tapferen Juden Samlai, den Boden für eine Judenverfolgung bereiten, ist Nasson es, der die .Juden rechtzeitig warnt. Er mahnt sie, nächtlicherweise,- in die Judentracht gehüllt, zur Flucht. Er verschafft ihnen den Schatz des schwerkranken Bischofs, den er durch seine ärztliche Kunst verpflichtet hatte. Während der Vorbereitungen^ zur Flucht werden die Juden verraten und nachts im brennenden Ghetto überfallen. Die Geliebte des Nasson, Bellet, welche, ehe sie für immer zu ihm zurückkehrt, am die Taufe zu nehmen nnd bei ihm zu bleiben, von ihren fliehenden Eltern Abschied nehmen will, wird von Samlai, der sie liebt-und der sich in heldenhafter Weise gegen die Verfolger zur Wehr setzt, getötet. Sie soll als Jüdin sterben. Nasson trifft zu spät ein, um sie zu retten und bricht an ihrer Leiche zusammen. Asarjah gibt den Christen Kunde, dass Nasson die Juden gewarnt, dabei den Jadeneid geschworen habe und daher noch Jude sei. Tn dem lyrischen Nachspiel, das als Epik>g gedichtet ist, zeigt uns der Dichter, wie der Arzt zum Feuertode geleitet wird, wie er jede Gemeinschaft mit Christen, und Juden für gelöst betrachtet, die Rettung, die ihm bereitwillig von dem Bischöfe geboten wird, verschmäht uud befreit von jedem irdischen Wunsche und Begehren in den Flammentod schreitet- Es ist keine erschöpfende Inhaltsangabe, die hier gemacht ist, sondern nur die kurze Wiedergabe -der Fabel des Dramas, das

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