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Bericht der Großloge für Deutschland · 1906-12-01 · Nr. 8 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1906
Issue
Nr. 8 - Dezember
Date
1906-12-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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keif*) hat sich der Verfasser die Aufgabe gestellt, iu einem kurzen Ueberblick über die Geschichte der Jaden gerade die Momente hervortreten zu lassen, welche geeignet sind, ans mit Frende an der Zagehörigkeit zam Jadentam za erfüllen and aaser Selbstbewußtsein za stärken. Diese Aufgabe hat der Verfasser mit grossem Geschick stilistisch ansprechend and ia prägnanter Karze gelöst, wie es der Charakter'der Schrift erfordert, die sich an alle diejenigen wendet, die noch ein warmes Herz für das Gefühl des unterdrückten Hechtes haben, da aber wird wohl immer und allemal an erster Stelle die Jagend in Betracht kommen. Das kurze Vorwort mag hier im Wortlaut folgen, da es am besten geeignet ist auch das Interesse der anderen Brüder für diese Schrift za erwecken: „Alle Umsetzungen jadenfeindlicher Gesinnungen in politische oder gesellschaftliche Massnahmen, sofern sie sich auch nur mit einem Anschein von Berechtigung umgeben, gründen sich auf die Anschauung, dass die Masse der Juden in Gegenwart und Vergangenheit minderwertig sei. Die sogenannten "Vorurteilslosen lassen einzelne Persönlichkeiten in unbefangener Beurteilung zur Wertschätzung passieren, die Regierung hebt das allgemeine Vorurteil, sobald ein l'ebertritt ei folgt ist, da oder dort auf, die Einschätzung der Masse wird dadurch nicht berührt. Auch die grössten Geister standen nicht selten so dem Judentum gegenüber. Der jüdische Schüler hört im Geschichtsunterricht selten und wenig über die Juden, was ihm Erhebung und Aufrichtung schaffen könnte. Was aus Zeitung oder Politik in sein kindliches Gemüt hinüberdringt, ist nicht geeinet seine Seele schwellen zu machen. Eine tiefe Gedrücktheit hatte lange Zeit Alt und Jung erfasst. Inzwischen haben in Deutschland Bewegungen eingesetzt — erst studentische, dann bürgerliche Kreise umfassend —, die dem Ziele der Aufrichtung der jüdischen Gesamtheit dienen. In solcher Zeit muss eine knappe historische Betrachtung, die es unternimmt, nachzuweisen, dass in der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart kein Grund zu eigner oder fremder Geringschätzung ist, willkommen sein." Karl Friedrich-Loge in Karlsrahe. Seit dem letzten Bericht konnten wir dem Orden 12 heue Brüder zuführen. Leider hat aber auch der unerbittliche Tod manche Lücke in unsere Reihen gerissen und mehrere Brüder sind von hier weggezogen, so dass die Zahl der Mitglieder sich nicht wesentlich verändert hat. Die Propaganda in den Nachbarstädten Bruchsal und Pforzheim war wiederholt Gegenstand der eingehendsten Beratung; wir hoffen, dass es der Mühe unserer dortigen Brüder gelingen wird, noch weitere Mitglieder unserm Orden zu erwerben. Dass das segensreiche Wirken des Ordens von weiten Kreisen immer mehr anerkannt wird, hat sich auch hier zu unserer grossen Genugtuung gezeigt. Wir haben anlässlich der Tagung der badischen Landessynode in Karlsruhe (Baden besitzt schon seit mehreren Jahren eine Synodalverfassung) *) VerLrf dtr Koebuereohen Buchh»»dlu»g ia Brailau (Barasch & Riwanfald) Praia 60 Pfg. Veranlassung genommen, die Synodalen zu einem geselligen Beisammensein in die Loge einzuladen. Wir hatten die Freude, eine grosse Anzahl derselben bei uns zu sehen, und ihre Uebereinstimmung mit den Tendenzen und Bestrebungen des Ordens konstatieren zn können. Das geistige Leben innerhalb der Loge wurde in der üblichen Weise durch Vorträge vor offener Loge und durch Referate in den gesch'ossene.n Sitzungen gefördert. Regelmässig schlössen sich an die Referate, welche Themen aus allen möglichen Gebieten behandelten, eingehende Diskussionen an, die ebenso wie die Referate selbst viel des anregenden und belehrenden boten. Daneben unterstützten wir auch die Bestrebungen, die ausserhalb der Loge auf eiue Förderung des geistigen Lebens der Glaubensgenossen abzielen. Unsere allerdings noch nicht umfangreiche Bibliothek hat durch Zuwendungen seitens der Brüder sowie durch Neuanschaffungen eine erhebliche Erweiterung erfahren. Aaf sozialem Gebiet, wurde die Wohltätigkeit in der bisherigen Weise weiter ausgeübt. Wir gewähren grundsätzlich Unterstützungen nur'da, wo zu erwarten ist, dass die Gabe nicht als Ablösen betrachtet wird, sondern dass sie zur Begründung oder Erhaltung der Existenz des Untersützten dienlich und notwendig ist. Dar Unterstützte soll durch die Gabe nicht beschämt werden, und anderseits soll die Unterstützung auch eine zweckmässige und nachhaltige sein. Wir haben deshab die'Unterstützungen vorzugsweise in der Form von rückzahlbaren Darlehen gewährt (wenn auch unser vorsichtiger Br. Fkiarizsekretär diese Debitoren nicht in die Bilanz aufnimmt). . Soweit es sich darum handelte, Handwerkern oder Handelsleuten mit kleinen finanziellen.Mitteln an die Hand zu gehen, haben wir meistens davon abgesehen, bares Geld zu geben; wir haben vielmehr in vielen Fällen zu dem Mittel gegriffen, den Betreffenden bei einem Geschäft, womöglich dem eines Bruders einen Warenkredit in bestimmter Höhe zu eröffnen. Selbstverständlich haben wir ..in ganz dringenden Fällen auch zur Linderung momentaner Nöt unsere Hilfe nicht versagt. Insbesondere haben die-Loge und die einzelnen Brüder anlässlich der Greueltaten von Hornel und Kischinew reiche Mittel gestiftet, die der Grossloge zur Verfügung gestellt wurden. Dieser Anregung der Grossloge folgend haben wir auch beschlossen, ein russisches Waisenkind, das womöglich nicht über 8 Jahre alt sein soll, in Fürsorge zu nehmen. Unter den Wohlfahrtseinriohtungen unserer Loge steht in erster Linie die Verwendung dar von uns ausgebildeten jüdischen Krankenschwester. Die Schwester versieht nunmehr seit 5 Jahren unter Aufsicht der Loge den Krankenpflegedienst; ihre Tätigkeit wird allseits als eine sehr erspriessliche anerkannt und gelobt., Die Ausbildung einer zweiten Krankenschwester ist in Aussicht genommen. . , Eine jüdische Hebamme, deren Ausbildung die Loge veranlasste, hat sich im abgelaufenen Termin hier niedergelassen. Ein für unsere Loge neues Gebiet sozialer Betätigung ist durch die hochherzige Stiftung von 1000 Mk. von Seiten eines

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