Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Date
- 1906-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Im Folgenden soll nun gezeigt werden, wie die Loge ihre Aufgabe gelöst hat auf den verschiedensten Gebieten des Wissens Anregung zu geben, auch das gesellige Leben zu fördern. Schon der Anfang des- Berichtsjahres war erfolgverheissend. Br. Expräs. Rechtsanwalt Goldschmidt aus Ostrowo hatte die Liebenswürdigkeit uns zu besuchen und •die neugewählten Beamten einzuführen. Bei dieser Gelegenheit nahm er Veranlassung sich über Ziele und Zwecke des Ordens zu äussern. Seine Ausführungen wurden ebenso freudig aufgenommen, wie sein Vorschlag mit den benachbarten Logen Ostrowo und Krotoschin in engere Beziehungen zu treten, um sich gegenseitig anregend zu befruchten. Es ist bisher bei diesem frommen Wunsch geblieben. Zum Teil liegt der Grund hierfür in der erfreulichen Erscheinung, dass die Caritas-Loge sich aus eigener Kraft ein genügendes Wirkungsfeld geschaffen hat. Dennoch würde eine Anbahnung solcher Beziehungen eines Versuches wert sein, zumal zwischen vielen einzelnen Brüdern dieser Nacbbarlogen freundschaftliche Verknüpfungen bereits bestehen. Als zweites Ereignis ist ein Vortrag des Herrn cand. phil. Josef Freund zu erwähnen. Der Redner sprach in ungemein fesselnder Weise über .jungjüdische Gedichte" und wusste, indem er seinen geistreichen Ausführungen eine Anzahl glücklich gewählter Recitationen folgen Hess, seinen Zuhörern einen Einblick in das Wesen der modernen jüdischen Renaissance zu geben. Auch einen Abschnitt aufstrebenden Geschehens in-der Geschichte der Juden brachte ein Vortrag des Br. Expräs. L a i) u e u r aus Breslau über das Leben und Wirken 0 r e m i e u x, des bekannten französischen Staatsm annes und Schöpfers der A. J. U. EndeNovember fand ein öffentliches Wo h 11 ä t i g k e itsf e s t statt, an dessen Zustandekommen der Frauen- Verein der Caritas-Loge sich' mit Erfolg beteiligt hatte. Dieser Frauen-Verein ist im Jahre 1900 ins Leben getreten und hat sich laut seinen Satzungen die Aufgabegestellt. „Bedürftige zu unterstützen, Not und Elend zu lindern, — und die Geselligkeit unter den Mitgliedern zu pflegen." Dass der Frauen-Verein seiner Aufgabe gerecht wird, hat er u. a. auch durch diese Veranstaltung bewiesen. Mitte Dezember hielt Br. Ehrenhaus einen Bericht über den Mädchenhandel. Er gab ein anschauliches Bild einerseits von dem Treiben der Mädchenhändler, andererseits von, der wirksamen Gegentatigkeit verschiedener Wohlfahrtsvereine, an dereif Spitze der U. 0. B. B. stehe. Am 24. Dezember wurde das Chanukkafest in den Logenräumen unter grosser Beteiligung, auch vieler auswärtiger Gäste, gefeiert. Br. Rabb'.Dr. Lewin zündete die Chanukka- Lichter an und begeisterte hierauf die Zuhörer mit seiner Festrede. Musikalische Vorträge und Darbietungen aus der Dichtkunst meist jüdischer Eigenart und Richtung beschlossen den Abend. Int Januar endlich bot die Caritas-Loge ihren Mitgliedern und zugleich der ganzen Stadt einen Vortrag des berühmten Nordpolfahrers Dr. Julius v. Payer über Nordpol-Expeditionen. Der Vortrag, der eine grosse Zuhörerschaft angelockt hatte, entsprach allen Erwartungen, solass der erste Versuch dieser Art, vor die Oeffentlichkeit zu treten, einen vollen Ei folg hatte. Nun einige Zahlen, die ein Bild von der Entwicklung der Loge geben sollen. Bei Begründung der Loge in K r e u z b u r g ini, Jahre 18S2 waren es 42 Mitglieder.*) Im Laufe der Jahre fand ein Sinken statt bis 11NMI, wo die Loge nach Kempen verlegt wurde und die Mitgliederzahl wieder auf 4-1 anstieg. Am Schlüsse des Berichtsjahres 11JO5/06 sind es 44 Mitglieder geworden. Unsere V e r m ö g en s Verhältnisse sind zwar keine glänzenden, doch sind zu wohltätigen Zwecken immer offene Hände vorhanden. Ein Beweis dafür war u. a. eine allgemeine Sammlung für die russischen Juden, die von der Loge ausging und fast 1500 Mark einbrachte. Hier ist es vielleicht angebracht, an eine Stelle im Monatsbericht vom September 1905 zu erinnern, wo bemerkt war, dass bei verschiedenen traurigen oder freudigen Anlässen die Brüder doch öfter wie bisher an die Logenkasse denken sollten. Es ist dies bei der sonst an Vermächtnissen reichen jüdischen Gemeinde Kempens fast auffällig, dass die Loge noch nie bedacht worden ist und nur durch ihr erst kurzes Bestehen in u^erer Stadt erklärlich. Sie käme sehr in Betracht, wo es sich für Brüder darum handelt, einerseits Gelder zu wohltätigen Zwecken zu geben und andererseits dem Spender ein dauerndes ehrenvolles Gedenken in der Geschichte des Ordens zu sichern. Dieser Hinweis geschah von der L e s s i n g 1 o g e, die zu den reichsten des Gebietes gehört; um so eher dürfen wir diesen Hinweis aufnehmen, als wir, was Vermögen anlangt, an nicht besonders hervorragender Stelle stehen. Zum Glück ist die Tatkraft and Betätigung der Brüder, zumal der leitenden Beamten, stark und nachhaltig genug, dass wir trotz der Kleinheit des Ortes, trotz der ungünstigen Lage im äussersten Osten des Reiches, trotz manchen Schwierigkeiten inmitten einer nicht ganz einigen Bevölkerung, endlich trotz der beschränkten Geldmittel den Vergleich nicht zu scheuen brauchen, was geistige Anregung und die Höhe des geselligen Lebens betrifft, mit mancher sonst glücklicher gestellten Loge. In diesem Zeichen der Zuversicht und der Zukunftsfreudigkeit wird eine weitere aufsteigende Entwicklung unserer Loge nicht ausbleiben. Dr. G a 11 e w s k i. Die Saar - Loge in St. Johann erstattet Bericht über den Stand des Religionsunterrichtes in Bettingen — Leba ch — Hüttersdorf im Winterhalbjahre 1905/06. Wir entnehmen dem voll dem Lehrer, Herrn M. Berlinger erstatteten Referate Folgendes: Das Winterhalbjahr begann am 18. Oktober und schloss km 4. April. Innerhalb dieses Zeitraumes wurden im ganzen 21 Lektionen ä 2 l/2 Stunden t= 52 ljt Unterrichtsstunden erteilt. Der Schulbesuch kann als regelmässig bezeichnet werden, da der Prozentsatz der UnterricUtsversäumnisse nur 9,69 % betrag. j Zum eisten Male wurde dieses Jahr ein Schuler entlassen. Da dieser Schüler sich de :i Lehrerberufe widmen will, •) Der Mitbegründer der Loge, Br. Expräs. Gotthold Proskauer in Kreuzburg, ist dieses Jahr aus dem Leben geschieden. Möge dieses allgemein angesehenen und geachteten Mannes, der mehrere Jahre Präsident gewesen war und sich durch sein Wirken ein dauerndes Verdienst um unsere Loge erworben hat, auch an dieser Stelle mit den Gefühlen des Dankes gedacht werden.