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Bericht der Großloge für Deutschland · 1906-05-01 · Nr. 4 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1906
Issue
Nr. 4 - Mai
Date
1906-05-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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es harmlos in der Begründung gesagt wird. Diese Person, das ist der Präsident, gehört betont zu werden, denn von den erwählten Beamten ist dem Präsidenten durch seine Wahl das grösstmöglichste Vertrauen der gesamten Loge aasgesprochen worden. Und dieser Person wird meist durch "Wiederwahl das Vertrauen der Loge bestätigt. Es leuchtet daher ein, dass bei den ernannten Beamten ebenso wie bei den erwähl t e n, wenn auch weniger unmittelbar, das Vertrauen der gesamten Loge zum Ausdruck kommt. Oder sollte man dem Präsidenten nicht so viel Menschenkenntnis, so viel Erfahrung, so viel 'Takt und so viel Fühlung mit den Logenbrüdern zutrauen, dass er nicht bei der Ernennung von Marschall und Wächter im Sinne der gesamten Loge handelte? Wer das bezweifelte, würde ein durch nichts begründetes Misstrauen gegen die Gesamtheit der Präsidenten und somit gegen die Gesamtheit der Logen bekunden, ein Vorwurf, so unhaltbar, dass er nur auf den zurückfiele, der ihn gemacht. Ganz sicherlich ist ein solcher Vorwurf von dem Antragsteller niemals beabsichtigt worden. Also muss ein Fehler in der Begründung des Antrages liegen. Dies war nur der leichtere Fehler in der Begründung den ich eben beleuchtet habe, den schwereren Fehler des Antrages möchte ich jetzt aufdecken. Der Antrag bedeutet nämlich eine grundsätzliche Verkennung dessen, was die Verfasser der Logengesetze in wohlweiser Absicht für alle Zu kunft haben festlegen wollen. Denn ein Grundsatz der Bruderschaft ist selbstverständlich eine völlige Gleichheit aller Brüder in ihrer Eigenschaft als Brüder. Dass ich damit nicht Verfechter einer allgemeinen öden Gleichmacherei bin, brauche ich kaum zu sagen, sprechen die Logengesetze doch selbt von einem verschiedenen Range, in dem die Brüder stehen können. Aber hier liegt die Sache doch anders. Es liegt die Gefahr vor, dass Brüder, denen aufgegeben wird, Aemter zu verwalten, die nur äußerlicher, scheinbar weniger wichtiger Natur sind, und so leicht den Anflug des Niedrigeren bekennen könnten, dass diese Brüder zum Lohn für ihre Mühe Undank ernten. Die Welt, auch so weit sie sich im Mikrokosmos unseres Ordens spiegelt, haftet nun einmal an Aeusserlichkeiten mehr, als es sich mit der Wertschätzung der wahren Vorzüge des Menschen verträgt: Kleider, hier Wurden und Titel machen Leute auch im Rahmen der idealsten Menschengruppen. Es wäre töricht, vor diesem Menschlichen, allzu Menschlichen innerhalb unseres Ordens einfach die Augen schliessen zu wollen.. Ich glaube vielmehr, die Verfasser der Logengesetze haben in feiner psychologischer Würdigung der nie ganz auszuschaltendenden menschlichen Schwächen mit guter Absicht beschlossen, dass alle Beamten, auch die ernannten, den Beamten- und Ehrenrat bilden. Dadurch sollte die Beamtenschaft in ihrer Gesamt heit auf einen bevorzugten Standpnukt gestellt werden, sollte vermieden werden, dass sich im Laufe der Zeiten Beamte erster und zweiter Klasse, ja schliesslich Brüder erster und zweiter Klasse herausbildeten. Um dem vorzubeugen — und Vorbeugung ist bekanntlich das beste Mittel die Gesundheit zu erhalten — wurden die Beamtenstellen des Marschalls und Wächters von vornherein gewissermassen rehabilitiert, indem auch den Inhabern dieser Aemter der Charakter vollwertiger Mitglieder der Beamtenschaft verliehen wurde. Um kurz zusammenzufassen wiederhole ich, der erwähnte Antrag krankt einmal an einer grundsätzlichen Verkennung der gesetzgeberischen Absichten und zweitens selbst gesetzt den Fall, dass dem nicht so wäre, ist die Begründung desselben eine derartige, dass die für den Antrag beigebrachten Grunde mit viel mehr Recht als Gegengründe angeführt werden könnten. Sollte wider alles Erwarten — und es ist besser, selbst dem unmöglich Erscheinenden zuvorzukommen, als, wenn auch unschuldig sich überraschen zu lassen — dem Antrage des Repräsentanten Br. Dr. Cohn grundsätzlich beigestimmt werden, so möchte ich mir noch folgenden Vorschlag erlauben. Selbst Br. Dr. Cohn spricht den ernannten Beamten nicht rundweg die Berechtigung ab, im Ehrenrat zu sitzen, sondern spricht nur davon, dass es nicht angebracht wäre, ihnen in diesem Rate eine so einflussreiche Stellung zu. gewähren. Mit anderen Worten, er ist dagen, dass deren Stimmen gleichen Wert wie die der Wahlbeamten haben. Ueber diesen Punkt Hesse sich wohl streiten, ob. man nicht den ernannten Beamten im Ehrenrate eine blos beratende oder nur halben Stimm wert besitzende Stimme "gewähren sollte. Doch, wie gesagt, dieser Vorschlag soll nur ein Vergleichsvorschlag sein, für den Fall, dass die Mehrheit' der Logen meine Ansicht ablehnen sollte. Nachdem ich das Schriftstück bereits abgeschlossen habe, wurde mir von einem erfahrenen 'Bruder, der von dem Inhalt desselben unterrichtet-war, nachträglich die Frage vorgelegt, ob nicht die Ausnahmestellung von Marschall und Wächter am besten dadurch zu beseitigen wäre, dass auch diese Beamten von der Loge erwählt, statt. wie bisher, vom Präsidenten ernannt würden. Dieser Einwurf hat im ersten Augenblick etwas Bestechendes durch seine fast verblüffende Einfachheit, und ich muss gesteben, mir ist keine befriedigende Entgegnung eingefallen. Gleichwohl möchte'ich mir kein abschliessendes Urteil erlauben* ohne zu wissen, welche gewiss nicht unwesentlichen Beweggründe für die Schaffung dieser Einrichtung massgebend gewesen sind. Ich habe zwar das' Empfinden, als ob diese vorgeschlagene Lösung eine Aehnlichkeit habe mit der Lösung des Gordischen Knotens durch Alexander den Grossen: der löste bekanntlich das Problem dadurch, dass er es aus der Welt schaffte. t Empfindungen gehören jedoch in keine Beweisführung, ich wende mich daher an die Allgemeinheit der Brüder mit denBitte, dass sie zur Kläruög dieser für mich noch offenen Frage beitragen möchten. ■ - - <i Dr. M. Gallewski von der Caritas-Loge. Aus den Logen des VIII. Distrikts, Caritas-Loge In Kempen. Im letzten Jahre hat eine Bewegung deutlich aufsteigender Linie stattgefunden. Die Logenabende waren fast immer zahlreich besucht; es war sowohl eine rege Teilnahme vorhanden bei den geschäftlichen Sitzungen, wie eine wachsende Beteiligung an den darauffolgenden geselligen Zusammenkünften. Nach aussen hin gab sich die anbrechende Besserung zu erkennen durch eine kleine Umwälzung im Bestände unserer Mitglieder, wie sie bei einer kleinen Loge immerhin von Bedeutung .ist. Es verzogen binnen kurzer Frist vier Mitglieder, doch wurde die Lücke rasch geschlossen durch - den Zugang von fünf neuen Brüdern.

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