Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Date
- 1906-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4864325-6028968-6074134--1003-4865161- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Loge unseren herzlichen Dank sagen dafür, dass sie nach wie vor in jeder Weise unsere Bestrebungen fördert und uns ihre Räume in liebenswürdigster Weise zur Verfügung stellt. 1. Soziales Komitee. Seif Januar 1905 haben wir gemeinsam mit dem Hausptlegeverein 51 Fälle behandelt. Davon waren 35 Wochen- und 13 Krankenfätle. In drei .Fällen wurden die Frauen zur Erholung fortgeschickt. Wochenpflege bei ersten und zweiten Kindern und Wochen- und Krankenpflege in Fällen, wo die Leute noch nicht .zwei Jahre hier wohnen, behandelt der Hauspflegeverein nicht: wir übernehmeu diese Fälle auf unsere Kosten una hatten solche seit demselben Termin 55. Der Geschäftsgang ist derselbe -wie beim Hauspflegeverein. Wir lassen, wenn di-: Verhältnisse es gestatten, die Leute etwas zur Pflege zuzahlen, etwa 30- 00 Pfg. pro Tag. heben dadurch ihr Selbstbevusstseip und geben ihnen das Gefühl, kein Almösen, sondern nur eine Erleichterung und Beihilfe zu empfangen. Pekuniäre Unterstützung dürfen wir statutengemäss nicht gewähren : wo dieselbe nötig erscheint, wendet sich die den Fall beaufsichtigende Dame an den Israelitischen Hilfsverein. Durch die Suppjfiänstalt bekommen unsere Verpflegten Krankenkost, von anderen Vereinen Wäsche, Milch Eier, Säuglingsmilch etc., wofür unsere Damen in jedem einzelnen Falle, wenn sie es für nötig erachten, die geeigneten Schritte tun. . In unserem letzten Bericht haben wir die Hoffnung und den Wunsc% ausgesprochen, dass es uns gelingen möge, die Geldmittel für unsere Privatpflege aus den Zuwendungen, die unserem sozialen Komitee bei Familienanlässen gemacht werden, zu decken. Mit besonderer Freude erfüllt es uns nun, hier mitteilen zu können, dass wir seit Januar 1905 unsere Kosten vollständig auf diese Weise bestreiten und auch die notwendigen Auslagen tür unser Kleiderdepot erübrigen konnten. •" . , Unsere Sitzungen linden jeden Mittwoch in der Frankfurt-Loge statt und werden von allen Komiteedamen regelmässig besucht. . Die durch unsern Aufruf s. Zt. veranlassten Beitrittserk'ärurgen zum Hauspflegeverein haben ein günstiges Resultat ergeben. Es liefen ungefähr 72 Karten mit der Gesamtsumme von Mk. 402.— als Jahresbeiträge ein; wir sprechen hier in unserem Namen wie,im Namen des Hausp;l egevereins nller. neu Eingetretenen unsern besten Dank aus. 2. Das Kleiderdepot d e £ sozialen Komitees. Das Kteiderdepot hat unter der Leitung von Fräulein Josephine Meier im Laufe des Winters fast hundert Familien, zum Teil verschämte Arme, mit Kleidungsstücken und Wäsche unterstützt. E* sind uns in reichem Masse Gaben zugeflossen, wofür wir an dieser Stelle unsern innigsten Dark aussprechen; doch m,üssen wir bei der herrschenden Not die Bitte, auch fernerhin unserer gedenken zu wollen, erneuern. Hauptsächlich waren es Schuhe, Kleider und Wasche für Kinder, um die wir dringend, leider aber oft vergeblich gebeten wurden. Um dem Mangel abzuhelfen, hat sich eine Anzahl junger Mädchen vereinigt, um die fehlende Wäsche und Kleidungsstücke anzufertigen. Zu diesem Zwecke wurde uns das Lokal des Mädchenklubs von Fräulein Pappenheim und Herrn Gse i g e r in liebenswürdigster Bereitwilligkeit zur Verfügung gestellt. Das dazu nötige Material wurde teils von den jungen Mädchen selbst, teils aus hiesigen Geschäften gespendet. 3. Geistiges Komitee. Auch in diesem Jahre hat das geistige Komitee, unter dem Vorsitz von Frau Dr. Heinemann, die Vereinsabende auf die anregendste Weise ausgestaltet. Es sind folgende Vorträge gehalten worden: Frl. Sidonie Werner-Hamburg über: „Die jüdische Frau im Dienste der Wohltätigkeit.* Herr Dr. Benario über: „Wie behüten wir unsre Kinder?14 Frau Ella Seligmann über: „Die jüdische Mutter." Frau Wertheimer-Raffalovich über: „Wichtigkeit des richtigen Verhaltens bei Unfällen und Erkrankungen bis zur Ankunft eines Arztes; Wesen der ansteckenden Krankheiten und ihre Verhütung." Frl. Hetty Neumüller über: „Moderne Erziehung." Herr Dr. Merzbach über: .,Reichsdienstbotengesetz." Frau Anna Edinger über: ,,Was ist Armenpflege?' Herr Direktor Dr. L ö w e n b e r g - Hamburg über: „Moderne jüdische Erziehung." Frl. Leonie Meyerhoff über: Jüdische Typen in modernen Romanen." ■ Frau Regina Neisser - Breslau über: „Die Leistungen bedeutender jüdischer Frauen des 19. Jahrhunderts in Kunst, Literatur und Humanität." Frau Marie Höxter über: „Der 1. Delegiertentag des jüdischen Frauenbundes." Frau Marta Schlesinger über: „Das Flugblatt und seine Bedeutung." Ein Abend war derDiskussion über folgende Fragen gewidmet: 1. „Was sollen unsere Kinder lesen?'' 2. Wie kann sich die jüdische Frau an der Abwehr des Antisemitismus'beteiligen?" Referentin: Frau Emma Kahn. 3. ,,Welche Rechte und Pflichten ergeben sich aus der Zugehörigkeit zu einem Verein?'' Gemeinsam mit den Herren der Frankfurt-Loge veranstalteten wir zwei Vortragsabende. Es sprachen: Derr Dr. La q u e r - Bad Ems über : „Kampf ums Dasein." Herr Obercantor M. H e n 1 e - Hamburg über«: „Rück- und Ausblick auf die Entwickelung des Synagogengesanges'' mit Gesang und Klaviereinlagen. Anlässlich der hundertsten Wiederkehr von Schillers Todestag wurde, ebenfalls gemeinschaftlich mit der Herren- Loge, eine Gedenkfeier veranstaltet, bei welcher Herr Direktor Dr. Adler den Festvortrag hielt. 4. Geselliges und ökonomisches Komitee. In gleicher Weise wie im vorigen traten auch in diesem Jahre zur Vorbereitung der Festlichkeiten das gesellige und ökonomische Komitee gemeinsam in Tätigkeit. Die Veranstaltungen verliefen zu allseitiger Zufriedenheit, insonderheit das Purimfest, welches sich in dem äusseren Rahmen eines Jährmarktes abspielte, und das, Dank namentlich der opferfreudigen Hilfe unsrer Mitglieder, einen sehr schönen Verlauf und einen bedeutenden finanziellen Erfolg hatte. Auch das schön verlaufene Chanukkafest verdankt sein Gelingen dem Zusammenwirken beider Komitees im Verein mit dem Geselligkeits-Ausschuss der Frankfurt-Loge. 5. Kassenbericht. , * Einnahmen: Mk. 6103,80 Ausgaben: „ 5886,48