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Bericht der Großloge für Deutschland · 1906-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1906
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1906-01-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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MaJmonldes-Loge Nürnberg. Es mag übersättigte Leser geben, denen beim Anblick unserer Logenzeitnng der Ausruf „toujours perdrixauf den Lippen schwebt. Nun ja, eine gewisse Einförmigkeit des Inhalts, besonders der Mitteilungen von den einzelnen Arbeitsstätten ist nicht zu leugnen. Wie könnte das auch anders sein? Alle Logen verfolgen dieselben Ziele, arbeiten nach denselben Methoden und setzen sich zusammen aus Personen, die einer gemeinsamen Grundanschauung huldigen, die ähnliche Tugenden und Fehler haben. Bei einer solchen Sachlage wäre es töricht, in unsern Berichten Eigenartiges und verblüffende Originalität zu erwarten. Aber wer an diese Mitteilungen den richtigen Massstab legt, d. h. sie nicht liest, um sein Neuigkeitsbedürfnis oder seine etwaige literarische Gourmandise zu befriedigen, sondern sie hinnimmt als das was sie sein wollen, nämlich nüchterne Darstellungen der Tätigkeit von Männern, die an der sittlichen intellektuellen und sozialen Hebung ihrer Glaubensgemeinschaft arbeiten, dem werden sie unbedingt Achtung abgewinnen müssen, denn von welcher Fülle von Aibeit und Mühe, redlichen Schaffens und nicht zu unterschätzenden geistigen Betätigung legen doch die Protokolle eines einzigen Termins Zeugnis ab! Freilich ist manches übeiflüssige und unüberlegte Wort gefallen, ist mancher unreife Antrag gestellt worden, ist manche Ünternehmung schon beim ersten Anlauf verunglückt. Aber trotz alledem, wieviel geistige Förderung und Anregung, wieviel werktätige Nächstenliebe, wieviel Freundschaft und Sympathie. Vorstehende Gedanken, die sich uns als Einleitung zu unserm Bericht ergeben haben, haben wir geglaubt, nicht unterdrücken zu sollen, obwohl sie manchem als überflüssig erscheinen mögen. Wir gehen jetzt dazu über, ein Bild unserer Vereinstätigkeit während der letzten 12 Monate zu entwerfen, wobei wir ausdrücklich betonen, dass auf Vollständigkeit verzichtet wird. Wenn daher der eine und der andere nicht genannt wird, so geschieht das nicht aus Uebelwollen, sondern weil eine umfassende Spezialisierung die Proportionen dieser Skizze zerstören würde. Das Departement des Geistes war wohl bestellt. Auswärtige und hiesige Brüder hielten dankenswerte Vorträge oder besprachen in kürzeren . Referaten Fragen von aktueller Bedeutung. Auch eine Rezitatorin, Frau Rahmer-Notmann verschönte einen Familienabend durch ihre Kunst. Es wurden u, a. folgende Themata behaudelt: Die Tätigkeit der Logen in den ausserdeutschen Distrikten (Br. Schlessinger-Frankfurt); Wie übt man Wohltätigkeit? (Br. Münz); Aus längst verklungenen Tagen (Br. Wisloch-Frankfurt. Redner schilderte namentlich die Beziehungen der Frankfurter und Nürnberg- Fürther Juden während des Mittelalters); die Juden in Palästina (Br. Luncz-Jerusalem); die Nürnberger Ortsgruppe des Vereins für Statistik der Juden (Br.Feilchenfeld); die jüdische Erziehungsanstalt in Whitechapel (Br. Julius Oppenheimer); Deszendenztheorie und Darwinismus (Br. Dr. Gessner); die Entstehungsgeschichte des Purim Frankfurt (Br. Dr. Wertheimber); die Stellung der Frau im Orden (Br. Dr. Gessner); die Tätigkeit des Ordens zur Bekämpfung des galizischen Mädchenhandels (derselbe); die als Jubiläumsstiftung geplante Nervenheilanstalt (Br. Dr. Sommer); der Verband der deutschen Juden (derselbe) Ein Abend im Dezember v. J. war dem Gedächtnis des Heros eponymos der Loge gewidmet. In einem V/s stündigen Vortrag entwarf der Redner, Br. Dr. Wertheim, ein Bild von dem Leben und geistigen Schaffen des grossen Spaniers, dessen Doppelnatur als Kodifikator des überlieferten Lehrinhalts des Judentums einerseits und als, kühner, den Spuren de? Aristoteles und der arabischen Philosophen folgender Denker andererseits uns ein psychologisches Rätsel aufgiebt. Eine andere Versammlung im Mai dieses Jahres galt den Manen Friedrich Schillers. Die Festrede, welche ebenfalls Br. Dr. W e r t h e i m übernommen hatte, versuchte den Nachweis zu erbringen, dass die Tendenzen der Schillerschen Muse mit den Bestrebungen unseres Ordens parallel laufen. In der gleichen Sitzung gedachte Br. Dr. Gessner in ergreifenden Ausführungen des an demselben Tage zur ewigen Ruhe bestatteten Bruders Dr. jur. S t r a u s, den ein grausames Geschick uns und seiner damals ihm erst vor wenigen Monaten angetrauten jungendlichen Gattin entrissen hat. Möge unsere Loge von ähnlichen Schlägen in Zukunft gnädigst verschont bleiben! Auch im Kreise der Logenschwestern pulsierte ein reges geistiges Leben, Es sprachen vor den Schwestern u. a. Frau Scküh 1 ein über Fr&uenerwerb, Frau Oettinger über die Dienstbotennot, und Frau Dr. Feilchenfeld über George Elliot, deren Roman „Daniel Deronda" bei seinem Erscheinen das englisch lesende jüdische Publikum geradezu enthusiasmierte. Diesen und anderen Damen schuldet die Loge auch wärmsten Dank für die Aufopferung, mit der sie sich dem Arrangement der Chanukahfeier, die bei uns eine stehende Institution geworden ist, und der Bekleidung der Kinder und .Bewirtung der Gäste wiederholt unterzogen haben. Das für heuer anfangs in Aussicht genommene Stiftungsfest haben wir im Hinblick auf die unendlich traurige Lage unserer Glaubensgenossen in Russland wieder fallen lassen und die so ersparten Mittel, die auf Mk. 500 veranschlagt wurden, einem Spezialkonto für die Opfer der Verfolgung überwiesen. Die Erwähnung der russischen Greuel bringt uns auf die soziale Tätigkeit der Loge. Hier gestatten wir uns nun zu bemerken, dass noch viel mehr geschehen könnte. Es ist richtig, dass unsere Vereinigung nach Massgabe der vorhandenen Gelder stets zur Hilfe bereit ist. Sie unterstützt Schulen und Krankenhäuser, wohltätige Vereine und bedürftige Einzelpersonen. Insbesondere sei die im Laufe der Berichtsperiode dem Unterstützungsfonds vom Br. B ä r m a n n zugewiesene Spende von Mk. 1000 dankend hervorgehoben. Aber das alles, so anerkennungswert es anch ist, bedeutet noch lange keinen idealen Zustand. Man müsste in einzelnen Fällen wirksam und dauernd helfen, schiffbrüchige Existenzen wieder flott machen, andern den Weg zur Selbsthilfe ebnen können. Man sage nicht, dass solche Leistungen die Kraft einer einzelnen Loge übersteigen. Ein Bruder, Dr. Münz, der Gründer der Kissinger Kinderheilstätte, hat uns gezeigt, was Energie und Ausdauer in der Verfolgung eines humanen Werkes vermögen. Und so wie wir jetzt über Mk. 3000 für die Opfer der russischen Verfolgung gesammelt haben, so gut können wir Jahr für Jahr einen grösseren Betrag für soziale Hilfszwecke aufbringen. Zudem gibt es in Nürnberg und Fürth noch edel denkende Männer genug, die für unsere Sache zu gewinnen sind. Um das Wachsen der Loge, die bald 100 Mitglieder zählen wird, zu beschleunigen, müsste allerdings gar mancher Bruder mehr Eifer und Interesse für

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