Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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An Anmeldungen lagen nns dieses Jahr 30 vor. 13 ron ihnen schieden von vornherein ans, in der grösseren Hälfte weil die finanzielle Lage der Eltern eine Unterstützung der Kinder durch die Loge nicht als dringlich erscheinen Hess, 2 Fälle weil die Bewerbung zurückgezogen wurde und 4 Fälle weil die Kinder nicht zur ärztlichen Untersuchung erschienen. Auch von den Untersuchten mussten 5 zurückbleiben, 3 weil ihr Alter mit dem des Gros der Kinder zu wenig harmonierte, eines weil sein Gesundheitszustand ein Bedürfnis nach einer Badekur nicht erkennen Hess und eines weil zwei seiner Geschwister mit in die Kolonie aufgenommen und eine Teilnahme von drei Kindern aus der gleichen Familie im speziellen Fall lür untunlich gehalten wurde. Es verblieben 12 Kinder im Alter von 6—12 Jahren, die wir nach Hall senden konnten. \ ] Die vorjährigen Erfahrungen hatten gelehrt, dass die Unterkunftsverhältnisse von Grund aus geändert werden mussten. Durch die werktätige Arbeit unseres Haller Mitgliedes gelang es, dieses Jahr ein Heim für unsere Kolonisten zu schaffen, das allen Ansprüchen genügte. Die Liberalität der bürgerlichen Kollegien in Hall gewährte uns den Turnsaal der höheren Mädchenschule zum Aufenthalt für unsere Zöglinge. Dieser Raum wurde in einen recht geeigneten Schlafsaal umgewandelt oder besser gesagt in eine Reihe von Schlafsälen, da für Knaben und Mädchen getrennte Räume geschaffen werden mussten und auch die begleitende Schwester ein besonderes Zimmerchen erhielt. Der Luftraum für das einzelne Kind betrug über 80 cbm, das achtfache dessen, was sehr hoch gestellte Ansprüche für nötig halten. Es sei bemerkt, dass für jedes Kind eigenes Bett, eigene Waschgerätschaften usw. vorhanden waren. Ans der geringen Summe von 42 Mk., die wir für alles: Mobiliar und Gerätschaften zu erlegen hatten, geht die Freigebigkeit der Haller Gemeindemitglieder, die uns den grössten Teil der erforderlichen Gegenstände schenkten, zur Genüge hervor. Der grossen Arbeit, die die Desinfektion, Einrichtung, Reinigung des betreffenden Lokals erforderte, müssen wir unseren Haller Freunden zur Ehre mit dem Ausdruck des besten Dankes gedenken. Als Begleiterin war dieses Jahr zum ersten Male eine Schwester des jüdischen Schwesternheim in Stuttgart bestimmt worden, die zu diesem Zweck deshalb besonders geeignet erschien, weil sie als Kinderpflegerin besonders ausgebildet ist and auch schon mit den Berliner Kolonien als Schwester mitgezogen war. Sie hat sich unseren Erwartungen entsprechend sehr gut bewährt. Der Aufenthalt der Kinder in Hall dauerte vom 1.—28. August genau vier Wochen. Es wurden an sie 247 Bäder verabreicht, das macht pro Kind 21 Bäder; weitere 12 entfielen auf die begleitende Schwester. Vier Kinder inhalierten im ganzen 75 mal. Zwei Kinder erkrankten an fieberhafter Halsentzündung, eines davon mit Belag. Einer sofortigen Isolation und dem Eingreifen des Arztes gelang es, einer Ausdehnung der Krankheit vorzubeugen nnd eine schnelle Genesung zu erzielen. Auch im Vorjahr ist eine ähnliche Erkrankung aufgetreten nnd es dürfte auch für die Zukunft mit solchen unliebsamen Störungen zu rechnen sein, schon deshalb, weil wir ein gesundheitlich sehr schlechtes Material zu entsenden pflegen. ' Den Kindern schlug der Aufenthalt sehr gut an.. Ihr Aussehen nach der Rückkehr befriedigte Arzt nnd Eltern. Die Gewichtszunahme betrug durchschnittlich 2,35 Pfd. Ein Kind (das, welches die schwere Halsentzündung durchgemacht hatte) nahm um 1, eines um 172i je 3 um 2, 2'/2 nnd 3 und eines um 372 Pfd. zu. Die Zunahme erwies" sich als unabhängig von Geschlecht und Alter, doch ist es sehr erfreulich, dass gerade die beiden Kinder, die zu Beginn der Kolonie als die elendsten bezeichnet werden mussten, am meisten zugenommen haben. Die Erfahrung des vorigen Jahres, dass die Gewichtszunahme erst mit der dritten und vierten Woche deutlich zu werden begann« bestätigte sich dieses Jahr nicht in gleichem Masse. Die Gesamtzunahme entspricht der vorjährigen. An der gesundheitlichen Minderwertigkeit unserer Sendlinge liegt es auch, dass wir die Durchschnittszunahme der allgemeinen Stuttgarter Ferienkolonien nicht erreichen. 1 Wie schon im vorjährigen Bericht betont wurde, liegt nochein weiterer Grund unseres Zurückbleibens darin, dass das Durchschnittsalter unserer Kolonisten kaum 81/» Jahre, bei den allgemeinen Ferienkolonien zwischen 12 und, 13 Jahren betrug. Die Kosten für die Kolonie betrugen dieses Jahr fast genau dem Voranschlag entsprechend 887 Mk. Ol Pfg. Das macht pro Kopf Mk. 74.—; im vorigen Jahr« verbrauchten wir Mk. 75.90. Wir hatten dieses Jahr einen Mehrgebrauch von Mk. 42.— für Anschaffungen, von Mk. 20.—-^ für Bäder und Inhalationen usw., denen Ersparnisse in der Beköstigung und Unterkunft und namentlich in der Begleitung, die vom Schwesternheim unentgeltlich geleistet wurde, gegen- ' überstehen. Für Neuanschaffungen, deren Wert uns bleibt, können wir Mk. 42.— abziehen,; so dass der tatsächliche Auf* wand für das Kind auf Mk. 70.— reduziert wird. Zum Vergleich seien folgende Zahlen angegeben. Die Germania-Loge zahlte für ihre im Solbad Wittekind untergebrachten Ferienkolonisten im Jahre 1904 Mk. 68.— pro Kopf, die Mendelsohn-Loge durchschnittlich Mk. <i5.—, die Unitas-Loge Mk. 91.75; die Bertiner jüdischen Kolonien bezahlen je Mk. 62.—. - Unter den Einnahmen seien folgende aufgeführt: Mk. 500.— aus dem Fonds für Ferienkolonien, dessen Höhe zurzeit Mk. 1231.— beträgt, Mk 3001— Beisteuer der Loge, Mk. 80 — Beisteuer des israelitischen Krankenunterstützungsvereins, Mk. 30.— Beisteuer des israelitischen Ortsarmenvereins, Mk. 108.— aus den Sammlungen. An den Ferienkoloniefonds können Mk. 131.— abgeführt werden, so dass derselbe wiederum Mk. 862.— beträgt. Ferner sind nnter den Einnahmen zu verzeichnen: Eine grosse Anzahl neuer und gebrauchter Kleidungsstücke jeder Art, insbesondere auch neuer Fussbekleidung, alle die Gaben, welche in Hall gesammelt wurden und ähnliches. Mit einer Danksagung' an alle diejenigen, die an dem Gelingen des Werkes mitgewirkt haben, besonders an das Komitee für den Kinderhilfstag, das dem Ferienkoloniefonds der Stuttgart-Loge den Betrag' Mk. 1000.— gesandt hat, schliesst der Bericht.