Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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— 1 \ —' Selbstbewußtsein und gewinnen einen edlen Stolz, der, frei von jeder Ueberhebung, zur strengsten Pflichterfüllung hinleitet. 3. Leistungen des Ordens U. 0. B. B. 'Seinen hohen Tendenzen entsprechen auch die Leistungen, auf die unsere Orden mit Stolz hinweisen darf. Eine nicht zu unterschätzende Leistung bilden schon die wöchentlichen Sitzungen, zu denen die Loge ihre Mitglieder für ihre regelmässige Arbeit zusammenruft. Nicht ist, wie bei den meisten anderen Vereinen, die Arbeit lediglich dem Vorstand'überlassen, der nur in jährlichen Generalversammlungen Bericht über die Vereinstätigkeit zu erstatten hätte. Alle unsere Brüder sind zur Mitarbeit berufen und sollen in den wöchentlichen Zusammenkünften Interesse und Verständnis für alle das Judentum bewegenden Fragen gewinnen. So erzieht (der Orden einen tüchtigen Stamm Männer, die auch ausserhalb des Ordens in der Verwaltung der, Gemeinden und der anderen Vereine eine erspriessliche Mitarbeit versprechen. Eine weitere Leistung auf geistigem Gebiet bilden die zahlreichen Vorträge Und Referate, die in unseren regelmässigen Sitzungen gehalten werden und nicht nur den Gedankenkreis des Judentums behandeln, sondern sich auch auf alle übrigen Gebiete geistiger Interessen erstrecken. Solche Vorträge sollen uns über jeden egoistischen Standpunkt emportragen, idealen Sinn und das Bewusstsein unserer Zugehörigkeit zur grossen Allgemeinheit unter uns fördern. > Deutlicher für die Aussenwelt treten die Leistungen des Ordens auf dem Gebiete der sozialen Wohltätigkeit in die Erscheinung. Wir wollen die Armut weniger durch Almosen bekämpfen als durch Arbeitsmöglichkeit. Dementsprechend sind von Verschiedenen Logen Arbeitsnachweise für jüdische Arbeitslose errichtet worden, die zwar unter erschwerenden Umständen leiden, sich aber gleichwohl als nützlich bewähren. Dasselbe Prinzip führte in Köln zur Errichtung einer Arbeitsstätte, welche den arbeitsfähigen Bettlern, anstatt ihnen ohne weiteres eine Geldunterstützung zu gewähren, durch leichte Arbeit die Bedürfnisse des Tages verdienen lässt. Solche Arbeitsstätten, in verschiedenen Distrikten errichtet, könnten am wirksamsten zur Einschränkung des schädlichen und anstössigen Wanderbettels beitragen. Unier Orden darf es sieh ferner als eiu Verdienst anrechnen, energisch für die Erziehung geeigneter jüdischer Mädchen zu dem Berufe von Krankenpflegerinnen eingetreten zu sein. - Nachdem einzelne grössere Logen auf diesem Gebiete die besten Erfolge erzielt hatten, fasste die Grossloge den Bescbluss, alljährlich sechs jüdische Krankenpflegerinnen für den Orden in Deutschland ausbilden zu lassen. Sein besonderes Interesse wendet unser Orden der Erziehung der Jugend zu. Um armen jüdischen Kindern auch ausserhalb der Schulzeit sorgfältige Beaufsichtigung in ihren Arbeiten und Spielen zu bieten und sie so vor der Gefahr der Verwahrlosung zu bewahren, haben einige Logen Kinderhorte errichtet. Dem edlen Bestreben, schwächlichen und kranken Kindern Kräftigung, Gesundheit und Erholung zu verschaffen, verdanken eine Anzahl Kinderheilstätten und Ferienkolonien ihre Entstehung. In diesen und ähnlichen Werken sozialer Fürsorge finden die Logen kräftige Unterstützung durch die Schwester Vereinigungen, die an vielen Orten von den Frauen unserer Mitglieder ins Leben gerufen wurden. Sie sind es, die mit den Familien der Armen in persönlicher Fühlung stehen und mit ihnen in rationeller Bekämpfung jeglicher Notlage und in der geeigneten Erziehung und Unterbringung ihrer Kinder Rat und Beistand gewähren. In solch segensreicher Weise! wirkt auch hier in Mannheim der rührige" Frauenbund Caritajs. . Doch die Aufgaben unseres Ordens erstrecken sich auch über die Grenzen unseres deutschen Vaterlandes hinaus! Der Notstand unserer Glaubensbrüder .im Osten Europas, der wirtschaftliche wie der moralische, ist zum Teil so gewaltig, dass der JOrden seine Aufgabe, verkannt hätte, so er nicht unausgesetzt sein Augenmerk und seiue Hilfe jenen Unglücklichen zuwenden würde. | Wie wir aber von anderen Anerkennung unserer Leistungen beanspruchen dürfen, so bezeigen auch wir neidlos anderen segensreichen Vereinigungen, die im Dienste des Judentunis stehen, unsere volle Anerkennung und möglichste Unterstützung. Wie die Grossloge in reger Verbindung mit dem „Hilfsverein der deutschen Juden" und dem „Deutsch- Israelitjschen Gemeiudebufid" steht, so halten' es sämtliche Logen für eine Ehrenpflicht, nach-»besten Kräften solche Vereine und Institutionen zu unterstützen, die für die Förderung des geistjgen, sittlichen' oiler sozialen Wohlfes der Juden eine heilsame Tätigkeit .entfaiteriV So bringt unser ganzes AVirken deutlich zum Ausdruck, dass unser Orden nichts für sich erstrebt, sondern. nur" ein Segen der Gesamtheit sein will. "-• Jahresbericht der Frankfurt-Loge, erstattet vom Präs. derselben, Br. Dr. Blau. i Wieder einmal sieht unsere liebe Frankfurt-Loge aut ein Jahr — es ist das achtzehnte —'ihrer Tätigkeit zurück. In hellen Scharen und in dankbarer Stimmung sind wir Bi Uder der Loge an die Arbeitsstätte geeilt, um den Stiftungstag festlich zu begehen. In dankbarer Stimmung! Tragen wir doch alle das Bewusstsein in uns, dass unsere Loge das Wesen jedes Einzelnen erweitert' und vertieft, seinem Dasein einen weiteren Inhalt gegeben und es gehoben! Fühlen wir doch alle, dass die Wertschätzung, die die ■ / . ■ ' Frankfurt-Loge in dem jüdischen Lehen unserer Stadt erlangt hat, jedem Einzelneu zu Gute kommt, dass die Mitgliedschaft zur Loge ein Ehrenschild ist, dem von allen Edeldenkenden Achtung bezeugt wird! Aber so schön und erhebend jenes Bewusstsein, so beglückend dieses-Gefühl des Respektiertseins ist — beide würden nur einem Strohfeuer [gleichen, das die für das Leben nötige Wärme nur für kurze Augenblicke, nicht für die Dauer verleiht, wenn sie nicht in den Tatsachen beständige Nahrung fänden, wenn sie nicht fortgesetzt durch Taten verdient wären, die jenes Bewusstsein und dieses Gefühl auslösen. Hat die Frankfurfr-Loge im vergangenen Jahr die erzieherische Aufgabe, die sie sich gestellt, die Hebung des geistigen und sittlichen Niveaus der Judenheit im allgemeinen, ihrer Mitglieder und der Jugend im besonderen, um ein Stück ihrer Vollendung entgegengebracht? Ist sie in diesem Zeitraum durch Stiftung von Werken der Wohltätigkeit, der Bruderliebe und Eintracht ihrem Ziele näher gekommen? Hat die Frankfurt-Loge , alle ihre Kraft zusammengenommen, um das von allen Seiten her bedrohte Judentum erfolgreich zu stützen? Diese Fragen zu beant-