Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 9 - Dezember
- Date
- 1905-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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BERLIN, im Dezember 1906. - No. 9. Bericht der Grossloge für u. o B. 6 Nachdruck s ä m tlicher Artikel aas diesen Berichten verboten. i A ' ' ' ' v- .-■;•!;, Fernsprecher: I). Wolff, VI. No. 4<»19, Wilh*lmstrasse; 118. , Dr. Jsaac Prager geboren ,den 7. Juni 1844, gestorben den 6. Oktober 1905 1 . ■ ■ ' f '.!•' ■ 1 -V' <o^v;^''--..-''v Gedächtnisrede des Br. Hermann Blumenthal bei der Trauerf'eier .In Sinai-Loge m Cassel. W. L»r., w. u. 1. Brüder! - ■■' N- " . '■ " - ' '* .' ' * '■ . fc ■ '* - ■' . Rings im Land waltet der Herbst. Ein grosses Sterben geht dnrch die Natur. Durch den Wald tobt der Sturm und wirft nieder, was sich ihm entgegenstellt. Nicht nur was morsch ist und abgestorben, auch die mächtige Eiche, die uns Schatten und Schutz für Jahrzehnte noch versprach, knickt er im Grimme. Und mit dem Worte des klassischen Dichters, dessen Gedanke sich vepschwistert dem Bibelwort, dass der Mensch dem Grase gleiche, das des Morgens blüht und des Abends welkt, drängt -sich aus - bewegtem Herzen der Klageruf auf unsere Lippen: „Ach. wie die Blätter am Baum, so sind die Geschlechter der Menschen!" Nicht nur im Erblühen und Vergehen. Nehmen wir ein paar Blätter zur Hand und bewundern wir die Weisheit des Schöpfers. Alle gleichen einander, keins ist'in der Zeichnung, in der Adern malerischem Lauf dem andern völlig gleich. Alle zusammen aber geben dem Baum Schmuck, Zier und Krönung, dem gefiederten Säuger Obdach, dem ermüdeten Wanderer Schatten und Schutz. . Und wir, die wir nach des Ordens ehrwürdigem Brauch heute derer -edenken; die dem Baume der Loge entführt, ihrer gedenken an der Stätte gemeinsamer Tätigkeit und einträchtigen Wirkens, wir erkennen tiefbewegt, da die Gestalten der Geschiedenen noch einmal lebensvoll vor unsere Seele treten, wie verschieden sie gewesen nacli Art und Wesen, nach Charakterbildung und äussern Gehaben, und wie sie sich doch hier zusammengefunden zu einheitlichem Tun. 5 Und eine hohe Lichtgestalt schliesst den Reigen des Todes, Ehrfurcht heischend und Liebe, hehr und doch uns allen vertraut, ein Lehrer und Meister und Vorbild, — Br. Jsaac Prager. Nicht vermessen will ich mich, sein Lebensbild vor Ihnen zu erschöpfen. Aber in dieser Abendstunde, die weihevoll und wehmütig den Abgeschiedenen gilt, darf es gerade meine Stimme sein, die ihm den Scheidegruss ruft. gewesen. mir? Ihm war Persönlichkeit. Denn wie es meine höchste Freude war, wird es mein Stolz sein und mein Hochgefühl, dass ich sein Wie kam's, dass jeder dem Zauber seines Wesens erlag, wie ich? dass es jedem" so ergi das höchste Glück geworden, das den Menschen als gnädigste Gabe vom Geschick zu teil werden . 4 „Volk und Knecht und Ueberwinder „Sie gesteh'n zu jeder Zeit, ' -Höchstes Glück der Erdenkinder j „Sei nur die Persönlichkeit. Persönlichkeit im j ü d i 8 c h e n aber auch im Goethe'schen Sinne. Unsere abgeklärten, vollendeten Persönlichkeit, dass in ihr sich einige: das reine Herz, das Menschentum mit dem festen Geist, dem zielhewussten Willen. Das fleckenlose Herz, das lautere, klare Kindergemüt hatte er sich bewahrty- Kein unsauberer Gedanke quoll je in ihm auf, kein unsauber Wort ging über seine Lippen, ja keins wagte sich in \ seiner Gegenwarl hervor. Er glaubte an das Gute. Ward ihm von einem seiner Gemeindeangehörigen eine schlechte ^Handlung berichtet so' sträubte sich alles in ihm, sie für wahr zu halten. Und wenn er sichden Tatsachen beugen musste, s0 Weisen verlangen klare Gemüt, das von einer fleckenlos«