Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 8 - November
- Date
- 1905-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— RIO — sellschaftsspielen. Turnübungen etc.; die Gewichtszunahme kann als eine sehr* günstige bezeichnet werden, sie betrug von l1/« Ms 10 Pfund. Die Kinder der Stadtkolonie, machten Dank der Freundlichkeit einer unserer Schwestern einen weiteren Ausflug, auch wurden die Kinder verschiedentlich mit Erfrischungen bedacht, die gleichfalls von Logenschwestern gespendet waren. IV. Die l'nterrichtscommission hatte durch eine langwierige Krankheit ihrer bewährten Lehrerin mit Schwierig keiten zu kämpfen. Zwar gelang es. zwei Hilfskräfte zu gewinnen, aber der häufige Wechsel der Lehrerinnen machte sich bald zum Nachteil der Schüler bemerkbar. Die Zahl der Kinder, die am Nachhilfeunterricht teilgenommen, war auf über 50 {angewachsen, sodass wir es für zweckmässig erachteten, fine Trennung des Unterrichts herbeizuführen, und zwar für Kraben und Mädchen gesondert. Die Knabeuabtheilung leitet Herr Lehrer Wolff, die Mädchen werden von Fräulein Jacoby unten ichtet. Die Unteihaltung der schulentlassenen Mä'Jchen, welche meistens früher dem Nachhilfeunterricht angehörten, unterstand im besonderen" einer der Schwestern des Vorstandes, die sich mit grossem Eifcr der guten Sache annahm! Jeden Sonntag von b1/« bis 8 Uhr waren die jungen Mädchen, die fast alle in Geschäften thätig sind, im Logensaale versammelt. Theaterstücke und andere Dichtungen wurden mit vertheilten Rollen gelesen, schwierige Stellen erklärt; nach beendeter Lektüre erhielten die jungen Mädchen eine kleine'Erlrischang, und im Verein mit i*en erwachsenen Söhnen und Töchtern der Logenmitglieder wurden Gesellschaft-spiele arrangiert, Volkslieder gesungen etc. Während der Wiiitermonate erhielten unsere Schützlinge Eintrittskarten zu den vom Fraueubildungsverein arrangiei ken Volksunterhaltungen. Dass die jungen Mädchen den Beginn der Unterhältuugsnachmittage im Winter mit grosser Freude begrüssten, mag als Beweis dafür dienen, wie vorteilhaft diese Einrichtung sich bewährt hat. V. Die Commission für Schwachbegabte Kinder hat nur wenig zu belichten, denn zuletzt war nur .ein Kind in unserer Pflege verblieben, sodass wir vorläufig dieses Feld unserer Thätigkeit aufgeben, bis sich wieder genügendes Material findet. 1 Mit herzlichem Danke an alle diejenigen, die mitgewirkt haben zur Erreichung der erzielten Ei folge, schliesst der Bericht, dem noch ein Rechnungsabschluss beigefügt ist, welcher eine Einnahme von Mk. 2334.31, .dagegen eine Ausgabe von Mk. 1012,38 ergibt, sodass ein Bestand von Mk. 1321,73 verbleibt. Die israelitische Kinderheilstätte in Kissingen. Während meines diesjährigen Aufenthaltes in Kissingen besuchte ich diese unter Führung des Br. Dr. Münz, der die erste Anregung dazu gegeben und dessen unablässigen Bemühungen es wesentlich zu verdanken ist, dass diese schöne Anstalt errichtet wurde. Bei der Beschreibung der Anstalt folge ich seinem Berichte und seinen mix gegebenen Mittheilungen. * Di<* Kinderheilstätten haben in den letzten Dezennien einen ungeahnten Aufschwung genommen. Während vor 30 Jahren in Deutschland wenige Kinderheilstätten bestanden, sind jetzt im Reiche <>0 derartige Anstalten .zu verzeichnen, welche durchschnittlich 2:\ 000 Kinder jährlich beherbergen. Dje Erfolge, die durch "die Behandlung in den Kinderheilstätten erzielt werden, sind geradezu glänzende. Mehr als die Hälfte aller jener Kinder, die in die Anstalten kommen, verlassen diese geheilt und gesundet. In diesen Anstalten findet nicht -nur eine Reihe chronischer Krankheiten, vor allem Skrophulose, Rachitis. Blutarmutb. Rheumatismus, Herzleiden, Katarrhe der Luftwege. Nervenleiden, allgemeine Schwäche wirksame Behandlung, sondern sie bieten auch, indem sie die Skrophulose, die Schwesterkrankheit der Tuberkulose bekämpfen, indem sie ferner den durch Krankheit geschwächten Organismus kräftigen und widerstandsfähiger machen, ein ausgezeichnetes vorbeugendes Mittel gpgen die Tuberkulose; Von diesem Gesichtspunkte ist jede Begründung einer neuen Kihderheilstätte mit Freuden zu begrüssen, sie trägt.zur Hebung des Volkswohles und damit des Volkswohlstandes wesentlich bei; finden doch in den Kinderheilstätten zunächst jene Volksmassen Aufnahme, in denen die Skrophulose in ihren verschiedenen Abstufungen am meisten anzutreffen ist. . Kaum 4 Jahre sind verflossen, seitdem durch Br. Dr Münz der Gedanke angeregt wurde, in dem durch seine heilkräftigen Quellen berühmten Bade Kissingen eine israelitische Kinderheilstätte zu errichten, und jet: t ist dank seinen eifrigen Bemühungen und I nter^ützung'edler Menschenfreunde der Gedanke zur That geworden. Die Anstalt wurde in feienlicher Weise in Gegenwart von Abgeordneten der Civil- und Militärbehörden, sowie der Stadtverwaltung und der jüdischen Gemeinde am-12. Juni d-* J. ei-geweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Die Feier würde durch ein Glückwunsch-Telegrarnm des' Prinz Regenten ausgezeichnet. Die Anstalt selbst repräsentiert sich als ein äusserst geschmackvoller, gedieg -ner Bau 'im" Renaissancestil, sie ist von Gartenanlagen und Spielplätzen umg'ben, seitwärts an einen alten Steinbruch hnstossend,, der nächstens bepflanzt werden soll und reichlich Kühlung im heissen Sommer spenden wird. Das Innere der Anstalt ist sehr prak'isih und geiä'lig eingerichtet, mit allem Kpmtort ausgestattet1 und entspricht in allen Theilen_ den' modernen hygienischen Ansprüchen. Sie besitzt auch eine eigene Soolleitung mit Bassin. Im Keller befinden sich die Maschinen zur Erwärmung der Bäder, zwei Küchen, (fleischig und milchig), Kesselhaus, 2 Badekabinen. Waschräume "und die Wohnung, des Hausmeisters. Das Hochparterre wird durch den schönen luf igen Speisesaal und Veranda, die Zimmer des Arztes (Ordinations- und Verbandzimmer). Wohnung der Oberschwester und 2 Badekabineri eingenommei;. -'Im ersten Stock sind ausser 2 Einzelzimmern für vorkommende Krankhei sfälle 1 grosse Schlafzimmer |ür Knaben und Mädchen, in der Mitte zwiscuen je 2 Schlafzimmern das Zimmer, der Schwester und .'{. Veranden Die Anstalt ist gleich ausgezeichnet durch den Bau. sowie die innere Einrichtung und Ausstattung. Sie liegt in hervorragender, freier und. gesunder Höhenlage auf Fels gebaut, ohne Grundwasser, in. unmittelbarer Nähe der Salinen- Promenade mit 5000 Quadratmeter grossem Garten; gegen Feuchtigkeit ist das Gebäude mit doppelten Asphalt-Isolier schichten geschützt, die Badekabinen haben Plati enbelag, die Schlafsäle, Wohn- und Speisezimmer Linoleum-Korken auf Beton-Unterlage, die Wände eine Bekleidung mit glasier-