Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 5 - Juni
- Date
- 1905-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4864325-6028966-6074117--0911-4865074- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Reichen Beifall entfesselten die Worte der Vortragenden, and nun betrat unter lautloser Stille Br. Direktor D r. A d 1 e r das Podium zu seinem Voitrage: ..Schiller und das Judenthum". Der Redner berichtete zunächst über das Verhältnis Schillers zu den deutschen Juden seiner Zeit, u. A. zu Moses Mendelssohn, den Kantianer Saloiron Maimoh. sowie zu Dorothea Veit, der späteren Gattin K. F. v. Schlegels, und erörterte alsdann die Gründe, die Schiller zum Lieblingsdkfeter def Bekenner des Judenthums gemacht haber. Die hauptsächlichste Ursache für die besondere Verehrung Schillers fand <ler Redner in der gleichen idealen Weltanschauung bei dem Dichter und den hervorragendsten Vertretein des Jidentträm», vor allem in der gleichen Auffassung der Ideen v<>a Religion. Freiheit und Tagend-. Aus .einer reichen Fülle von Beispielen aus den Weiken-des Dichters, wie andererseits au* dtm biblischen und nachbibli- .-vhen Schritttlruin. wies der Redner nach, dass beiden Theilen da* Streben nach höchster sittlicher Vervollkommnung, das unablässige Rinken nach Wahrheit letztes und höchstes Ziel Meile: dass in beiden die Sehnsucht nach'wahrer, echter Freiheit, nicht sjfoer »ach Zügellosigkeit, sich immer ULd überall ui--eiv. dass bei beiden der Beglitt der Tugend als l'ebung des Guten aus innerem Pflichtgebote erscheine; dass feiner beide die gleiche Auffassung des wahlhaft Guten als rechtes Thun und . rechte Liebe aufweisen. Der «Redner schloss mit der Mahnung an die Anwesenden, das gleiche ernste Streben zum Idealen aiis der Gedenkfeier in das Leben hinauszunelnnen und überall für die id-alen Güter einzutreten und zu wirken — auf solche Weise würde dem grossen Genius die würdigste Huldigung dargebracht. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Zuhörer den interessanten Ausführungen des Redners, dessen sonores, warmtönendes < »rgan den ganzen Saal beherrschte und Herz und Ohr der Anwesenden fast eine Stunde lang in Zauber und Bann gehalten hatte. Nach einer kurzen Pause folgten Darbietungen musikalisch-deklamatoriscuer Art, u. A. eine Aiie aus „Teil ', gesungen von Frl. Vogel, ein Lied von Schubert, gesungen von Schwester Heimine Meyer, sowie das meisterhaft deklamierte Gedicht „Kassandra1mit der melodramatischen Begleitung von Schillings, dessen künstlerische,Wieder^ gäbe der Vortragenden. Fiäul. Oppenheimer. ebenso reichen Beifall eintrug als sie auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck hiuterliess. Ein lebendes Bild, mit Figuren aus Schillers Dramen und Gedichten,, zur Huldigung um des Dichters Büste vereint, beschloss die erhebende Feier, die sicherlich allen Anwesenden stets im Gedächtniss bleiben wird und hoffentlich auch die besten Früchte für unsere erhabenen Aufgaben zeitigen wird. Rhenas-Loge in Mainz. Unser Präsident ehrte Br. Dr. Salfeld anlässlich seines ^.".jährigen Jubiläums als Rabbiner in Maiuz durch folgende Ansprache: ..Liebe Brüder! Freudestimmung herrscht in unserer Stadt und in unserer Gemeinde und wirft ihre Strahlen auch in unsere Rhenus- Loge, die an Allem lebhaften Antheil nimmt, was unsere Gemeinde beschäftigt und bewegt. \ Zumeist sind es die Tage der Sorge, an denen das gemeinsame Schicksal unsere Tlieilnahme und unsere Mitwirkung heischt, mit um so grösserer Freude aber begehren wir unseren wohlgercessenen Theil, wenn frohe Tage ihr beschieden sind. Und ein solcher Tag der Freude ist heute unserer Gemeinde beschieden. Sind doch heute 25 Jahre verflossen, seitdem unser verehrter Br., Herr Rabbiner Dr. Salfeld, seine Thätigkeit in unserer Gemeiude augetreten hat, eine Thätigkeit, die nach allen Richtungen, die sie einschlug, erfolgreich war und Segen verbreitete'. I ■ .; : Es ist wohl nicht einer unter uns, der in trüben wie in frohen Tagen nicht die tröstende uud stäikende Kraft seines Wortes an sich selbst verspürt hätte. Nicht einer, der nicht erhoben uud im innersten Herzen ergriffen worden wäre von den schönen Wösten der Belehrung und der Erbauung, mit denen er die Sabbathe und Feiertage zu wahren Festtagen im höchsten Sinne' zu machen verstand. % ■Seine w issengchaftliche Thätigkeit hat weit über die Grenzeu unserer Stadt, ja unseres Vaterlandes himus, seiaem Wirken Anerkennung, seinem Namen Ruhm und Ehre gebracht und damit auch das Ansehen unserer Gemeinde gehoben. . . . Allen Vereinigungen iu unserer Gemeinde hat er seine Mitwirkung geliehen und mit Rath und That ihre Ziele gefordert, ob sie die Unterstützung der Armen und Bedrückten, die Erziehung der Waisen, die Pflege der Kranken oder die Belehrung über die Schätze unserer Litteratur und die Grossthaten unserer Geschichte sich zur Aufgabe stellen, in Allein hat sein Beispiel belebend und anregend gewirkt, seine Mitstrebenden zu ethöhter Thätigkeit angefeuert. Wenn wir diese Verdienste auch in vollem Maasse anerkennen und würdigen, so müssen wir an dieser Stelle doch in allererster Linie * jener Thätigkeit gedenken, die Br. Dr. Salfeld als Ben Briss entfaltet hat. — Als vor jG Jahren unser Orden hier eine Arbeitsstätte errichtete, da war Br. Dr. Salfeld mit unter den. ersten Männern — der Zeit und der Bedeutung nach — die sich in seinen Dienst stellten, und mit unermüdlicher Ausdauer hat er seither ununterbrochen in dem Sinne gewirkt, den unser Orden auf sein Panier geschrieben hat. Kein Gebiet der Wohlthätigkeit und der Bruderliebe, auf welchem unser Orden thätig ist, entbehrte die Mithülfe Dr. Salfelds, überall bewährte er sich als ein ächter Ben Briss, dem Zwecke und Ziele des Ordens zu erfüllen ein heiliges Vermächtniss war. Wozu ihn aber Neigung und Veranlagung, Charakter uud Bildungsgrad vor Allein befähigten, und was er mit besonderem Eifer ausübte, das war die Theilnahme an unseren Bestrebungen auf geistigem Gebiete. Hier war er Führer und Pfadfinder. Durch seiue Theilnahme an den Diskussionen und durch seine Voitiäge hat er das Interesse an unseren Sitzungen, durch die Gründung der Logenbibliothek und des Litteraturveieines bat er in weiten Kreisen unserer Glaubensgenossen die Freude an dem geweckt, was das Judenthum an geistigen Schätzen besitzt. Und so, meine Brüder, sehen wir überall, wohin wir blickeu, auf allen Gebieten einen ganzen Mann am Werke,