Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Bericht fährt dann fort, die Lage und Thätigkeit der einzelnen- Logen zu skizzieren, worunter auch hervorgehoben wird, dass eine Loge hat aufgelöst werden müssen, weil Zank und Streit entstanden waren. Indessen die an dieser Stelle errichtete neue Loge sowohl als auch andere der vorhandenen Logen sind mit Umsicht- und Eifer bemüht, den mannigfachen Aufgaben gerecht zu werden, die um so grösser sind, als in Rumänien die Juden fast durchweg unter Ausnahmeverhältnissen leben. Die Grossloge für Oesterreich X hielt am 14. Mai in Wien ihre diesjährige regelmässige Sitzung ab. Auf der Tagesordnung für diese Versammlung befinden sich zwei Anträge, die auch unser Interesse in Anspruch nehmen, weil dieselben Dinge behandeln, die auch uns längere Z<*ii hindurch beschäftigt haben. Es ist das die Frage der Errichtung eines Archivs für die .Geschichte der Juden Oesterreichs, und die Hebung des Logenbesuches. Was das Archiv anbelangt, so sind wir ja auf diesem Gebiet zu einem befriedigenden Resultat gelangt, oder richtiger, in ein Stadium, das unter Mitwirkung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes einen vollen Erfolg verspricht. Deshalb können wir davon absehen, diese Frage hier des Weiteren zu behandeln. Dagegen beschäftigte eine Anzahl Logen auch unseres Distrikts unausgesetzt die Frage, wie ist das Logenleben zu heben, und deshalb mag hier das Relerat_ Platz finden, das zu dieser Frage Seitens der Praga-Loge in Prag für die Verhandlüngen der Oesterreicluschen Grossloge erstattet worden ist. Dieses Referat lautet: „Unverkennbar tritt für den aufmerksamen Beobachter des Lebens in den Vereinigungen Oesterreichs die Erscheinung zu Tage, dass die Disziplin unier den Mitgliedern der einzelnen Vereinigungen nicht geeignet ist, Befriedigung zu erwecken. Klagen hierüber sind in den meisten Vereinigungen laut geworden. Der Besuch der Vereinigungen lässl vielfach zu wünschen übrig und selbst unter jenen Brüdern, welche den Besuch der Sitzungen als Pflicht erachten, ist gr<>ssentheilsmangelnde aktive Betheiligung an der Thätigkeit der Vereinigung zu beklagen. Der hauptsächlichste Grund hierfür ist wohl der Mangel genügenden Stoffes für praktische Arbeit in den Vereinigungen im Sinne der Bundestendenzen. Eine natürliche Konsequenz dieser Missstände ist es, dass die Beziehungen unter den Brüdern gelockert und die von der Bundeszugehörigkeit bedingten' Pflichten, Wohlwollen, Brüderlichkeit und Eintracht, nicht in ausreichendem Maasse geübt werden. Damit geht aber jede Garantie und Kontrolle dafür verloren, ob ein Bruder, dessen Würdigkeit bei seinem Eintritte in den Bund entsprechend geprüft wurde, weiterhin, sowohl in seinem Verhalten gegenüber den Brüdern, wie auch ausserhalb der Vereinigung im gesellschaftlichen und Berufsleben von jenen strengen, "ethischen Prinzipien sich leiten lässt. deren Beobachtung der Bund von seinen Mitgliedern verlangt und — soll er nicht für seine ideale Aufgabe die Eignung verlieren — und unbedingt verlangen muss. , Seiner idealen Aufgabe ist der Bund in Oesterreich noch nicht näher getreten, trotzdem seine innere Organisation derzeit bereits soweit^ ausgebaut ist, dass nunmehr der Verwirklichung der Ziele des Bundes beziehungsweise den aut diese Ziele des Bundes gerichteten Bestrebungen ein grösseres Augenmerk zugewendet werden könnte. Die bisherigen organisatorischen Arbeiten und materiellen Wohlfahrtsbestrebungen können denjenigen; der die"Bundesidee erfasset hat. nicht voll befriedigen, sie -bringen (dem Bund seinem höchsten Ideale, der geistigen und sittlichen Hebung der Menschen, nicht erheblich näher. Vielmehr können die gegenwärtigen Zustände, wennöicht Besserung geschaffen wird, die Erreichung dieses Zieles nur erschweren. und die-Abflauung nicht nur für die ' Denn die Lockerung der Disziplin des Lebens in den Verein-gungen sind Innenthätigkeit der Vereinigungen schädlich, diese Missstände, insbesondere aber die oben gekennzeichnete Erscheinung, dass die Brüder sich ihre .ethischen pflichten ausserhalb der Vereinigung vielleicht, niehi.* immer j gegenwärtig halten, zumindest aber lür die strenge Belhätigung. dieser Pflichten keine Kontrolle und keine Garantie bestjeht, gefährden jene anfangs unbestrittene Awon^iX des. Hutides und jene hohe Werthung desselben in deh Aufi-n djeT Aussenstehenden, welche zum unbedingten Erfbrderniss wird, sobald der Rund seine Thätigkeit nach aussen lenkeji . tind an die Hebung des geistigen und sittlichen Niveaus' der weiteren Volksschichten schreiten will. •; .. Und deshalb ist jedes Verharren | in der geschilderten Situation, jeder weitere Stillstand eirr Rückschritt und eine weitere Gefahr für die Verwirklichung der durch die Rundesprinzipien uns gesetzten' höchsten Ziele und damit für die Existenzberechtigung der-Vereinigungen selbst. Die . Praga" hat, nachdem, ihre '.Innenorganisation entsprechend ausgestaltet war, ebenso wie andere Vereinigungen auf diese Fragen stosseh müssen. s c häf dieselben eingehender BerathUng unterzogen und ist zu der TJjeberzeugung gelangt, dass Massnahmen zur Abhilfe ge rnfferi werden sollten. -Hierbei ist sich die „Praga ' klar dessen bewusst, dass jenes Thätigkeitsgebiet.. auf Reiches das Leben der Vereinigung hingelenkt werden soll, ein äusserst schwieriges ist und vielfach erst in Jahrzehnten fruchtbar gemacht werden kann; sie täuscht sich auch ntcbt in dfer Richtung, dass die von ihr zu unterbreitenden speziellen Vorschläge zum Theila nicht sofort realisierbar, gewiss abe-c unvollständig sind: sie beachten dieselben hur als. eiste Anregung, welche das Leben in den Vereinigungen auf (Jas gemäss unserer Bundesregeln' wichtigste Arbeitsgebiet führen, möge. Von diesen Gesichtspunkten.geleitet, glaubt die „Praga'- ihrer Anschauung dahin Ausdruck.geben zu dürfen, dass den Vereinigungen in Oesterreich Folgendes zur Pflicht gemacht Werden sollte: . , f 1. Die Präsidien der'"Vereinigungen haben durch i * ä « * '■*'■ - •' >J " - 1 '■ "I ♦' _ _ energische Anwendung aller zu Geböte stehenden Mittel die Brüder zu pflichtmüssigem.Besuche der Sitzungen zu verhalten und auf aktive Betheiligung der Brüder am Leben der Vereinigung durch Zuweisung specieller Bundesarbeiten, insbesondere Einreihung in Comites- und Veranlassung ] zur Uebernahme von Referaten Seitens jener Brüder, die aus eigenem Antriebe in die Thätigkeit der Vereinigung' weniger eingreifen, hinzuwirken. 2. Es wird den Vereinigungen das ethische Verhalten der Brüder #stets im Auge zu behalten. Es ist daHer nicht zu billigen, dass Brüder in falschdie Pflicht auferlegt,