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Bericht der Großloge für Deutschland · 1905-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1905
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1905-02-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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BERLIN, im Februar 1905. , No. 2. Bericht der Grossloge für Deutschland u. o. B. B. ■ j ' v —— . -. ■'■ :.; . ' Nachdruck sämmtlicher Artikel aus diesen Berichten verboten. Fernsprecher: D. Wolff, YI, No. 4619, Wilhelmstrasse 118. lieber die Lage der Juden in Amerika. Keferat des B. Dr. A. K a h n / gehalten in der Monlefiore-Loge am :!. Januar 1905. Wie die Naturwissenschaft, als wichtigstes Postulat die Erkenntniss der Mateiie und ihrer immanenten Kräfte voraussetzt, um den Causalnexus, d. h. den inneren Zusammenhang, zwischen Ursache und Wirkung, der für uns wahrnehmbaren Erscheinungen zu erklären, so erfordert auch das Erkennen und Verstehen sozialer Vorgänge eine sorgfältige Nachforschung nach deren Ursprüngen. Wenn ich in meinem Referate über die Auswanderung der osteuropäischen Juden nach Nordamerika denselben analytischen Weg einschlage, so bitte ich Sie um Ihre Geduld und Aufmerksamkeit, denn ich muss Sie nun ungefähr 16 Jahre zurückführen, in jene Zeitepoche, zu welcher die Einwanderung in der V. St. anfing, die Aufmerksamkeit weiter Kreise, mehr wie je zuvor, auf sich zu lenken und den amerikan. Congress zu beschäftigen. Fälschlicherweise hat man die unliebsame Aufmerksamkeit, welche die damalige Einwanderung hervorrief, den russischen Emigranten zugeschrieben. Dies entspricht aber den wahren Thatsachen durchaus nicht. Vielmehr lenkte der italienische Einwanderungstrom, der in weit grösseren Massen ins Land flutete, die Blicke des Volkes auf die G e a a m m tein Wanderung, namentlich desshalb, weil sich ■ unter diesen italienischen Emigranten, besonders den Sizilianern, nicht wenig „outlaws )" befanden, welche die Mafia in Amerika einzubürgern versuchten und zahlreiche Mordthaten verübten. Ein so wünschenswertes, weil sehr fleissiges und nüchternes Element, diese Italiener nun auch für Amerika bildeten, so wurden sie durch ihre Geheimbündeleien, die in der Mafia wurzelten, durch die jähe Art, wie sie mit Stilet und Revolver ihre Händel auszutragen pflegen, bei den Amerikanern bald verhasst. Die blutigen Ereignisse im Staate Louisiana, die zu ernsten Konflikten mit der italienischen Regierung führten, brachten die „Einwanderfrage'' (man wird dabei ordentlich an die „Judenfrage" erinnert) in Fluss.. Von den Italienern zu den russischen pp. Juden, war — in übertragenem Sinne, — nur ein Schritt. Beide, die ostearop. Juden und die Italiener, haben in Amerika überhaupt viel Gemeinsames, das auch äusserlich in die Augen *) Geächtete, namentlich wegen schwerer Verbrechen geflüchtete. TfTMH . - I fällt. Man könnte fast von einem i t a l i e ni s ch en GhettS sprechen, wenn man in N. York die in der unteren und weiter nordwärts in der oberen Stadt gelegenen italienischen Viertel durchwandert. Es ist dasselbe bis zum verwechseln ähnliche Bild mit dem jüdischen Quartier, da .wie dort, ein Menschengewimmel, in dem alles übereinstimmt, bis auf die Uosauberkeit, der Emsigkeit, Uebervölkerung, und Unfreundlichkeit der Strassen und Häuser. Um diese Zeit, etwa 1890, trat ein schon sehr merklicher Wendepunkt in der amerikanischen Einwanderungspolitik zu Tage. War die Landung der im Zwischendeck ankommenden Einwanderer von jeglicher, ausser sanitätspolizeilichen Massregel bisher frei, so begann um diese Zeit doch schon eine, wenn auch noch ganz milde - und fast nur nominelle Kontrolle, die Einwandernden zu überwachen. Man geht wohl nicht fehl, wenn man als ferneren Anlass zu den strengeren Massnahmen, das Anwachsen der Städtebevölkerung betrachtet. Dort, in den verschiedenen Industrie- und Fabrikzentren, wohin sich zunächst die Einwanderer zu wenden pflegten, waren die Arbeitskräfte schon Ende der 80 er Jahren abundant und der stetige Zu fluss neuer Arbeitskräfte drohte aus der bisher stetig beschäftigten und gut bezahlten Arbeiterklasse, eine abhängige Proletariennasse mit reduziertem Verdienst, bei steigender Theuerung der Lebensbedürfnisse zu machen. Die nicht zur Sozialdemokratie gehörigen Arbeiter, welche in dem immer stärker anschwellenden Einwandererstrom ihre Interessen bedroht sahen, verlangten eine Einschränkung. Geschäftliche Krisen schienen den Arbeitern auch Recht zu geben,- .wohinzu uoch kam, dass, trotz der ungeheueren Zunahme der Einwanderer, der Mangel an 1 ä n d 1 i c h e n A r b e i t e r n ein gleich fühlbarer blieb. Der Nativismus, jene Art amerikanischen Eremdenhasses, der den Einwanderern die Erlangung von Rechten jeder Art zu erschweren sucht und die, Eingeborenenv bevorzugt, war in den gesetzgebenden Kürperschalten stark genug vertreten, um das Landen in diesem vielgepriesenen Land der Freiheit zu erschweren. Der amerikanische Chauvinismus, (als „Jiugoismus" bezeichnet,) hätte auch in der That noch weit rigorosere Massregeln gegen die Einwanderung durchgesetzt, wenn nicht mancherlei Interessenstreitparalysirend sich gegenübergestanden hätte. Die Einsichtigeren erblicken in der zunehmenden Bevölkerung auch die kulturelle Weiterentwickeluug des Landes, die nationale Machterweiterung und industrielle Zunahme, die

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