Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Article
- Beilage zu Nr. 2
- Date
- 1905-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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messen meist eine höhere Schulbildung, wodurch die Ansprüche sich steigern. Dadurch wird mancher Mann abgeschreckt, er kann' eine Mit- . arbeit, der I ran in seinem Berufe nicht-erwarten, denn nur^ wenige bereiten .sich für die Haushaltung und andere Berufe vor. So liegen die -Verhältnisse in den bester! Kreisen. Da glaubt mancher jüdische Mann bei christlichen Familien eine grc'issere Gewähr zu linden, weil er einfache Verbältnisse. Mitarbeit der Kinder im Beruf der Kitern findet. In viel ■höherem Maasse machen! sich diese— Einflüsse in dem Handwerker- und; Yrbeiterst.mde wie bei den kleinen Kautieuten geltend. In folge vermehrten Frauenerwerbs' arbeiten die christlichen jungen Mädchen in Gemeinschaft mit jüdiseden Männern in Fabriken, (reseffäften, Bureaux viel zusammen, dicGelegenheit sich kennen zu lernen, mit einander zu verkehren, i-t täglich und stundlich gegeben. Da suchen sie ihre Gefährtinnen aus diesen Kreisen, von denen sie gleiche Ansprüche, gleiche Ziele und Mitarbeit erwarten und finden. Der Religionsuötcr- - schied ist dann'kejn hemmendes Moment mehr, iiirsie überwiegt das wirtschaftliche Fortkommen, die äusseren socialen Verhältnisse. Die schwierige materielle Lage ni 'gen Viele veranlassen, ihre" I Tauen aus der arbeitenden christliche^ Bevlkerung /u suchen, um an ihnen tatkräftige Hilfe fürdie Erhaltung der Existenz zu haben.. »Bietet nun diese Art von Mischehen eine Handhabe, um em schlechtes Eicht auf unsere Tochter zu werfen- Sollten die jüdischen Mädchen aus den -'eichen Kreisen ein ungeeignetes Material für die Eheschliessung.abgeben? Ich möchte es nicht 'allgemein glauben, ich bin überzeugt sie w ürden sich ebenso gut bewähren, aber sie stehen nun einmal unter dem Banne dieses Vorurtheils. Das muss mit" der Zeit überwunden werden durch die Mädchen selbst Sollte aber darin nicht vielmehr ein Hinweis liegen', eine Mahnung an die Eltern, die -Töchter viel einfacher zu erziehen, sie zu lehre» wenigen Ansprüche an das I.eben zu stellen? Man sieht doch häufig bei unseren Glaubertsgenossen, dass. wenn der Ernährer gestorben, die Familie' ohne Vermögen zurückgeblieben, die trauen sich zur That aufraffen, alle Kräfte aufbieten, sich und die Kinder zu .ernähren, mit Umsteht und Geschick irgend einen Beruf ausüben, sich mit Anstand einschränken. i Warum kann das nicht schon in" der Ehe ge- \ ' - y * schelien? Die jüdischen Mädchen sollten sich viel mehr und mit mehr Emst in verschiedenen Berufen ausbilden, vornehmlich in Dienstbotenberuf; sie sind dem Mann in der Ehe eine sicherere und Werth vollere Stütze,- sie finden leichten Eingang in dfe- Ehe. Ich halte ejne gute, zweckmässige .Ausbildung in der Haushaltung und. gewerbliche^ Berufen für einj verständiges, Erfolg versprechendes Gegenmittel gegen die überhand nehmenden Mischehen.) ■ Ferner lehrt uns die,Untersuchung der Mischehen, dass in allen Ländern mit freier Verfassung und liberaler Anwendung derselben, mit freien Tendenzen in kirchlicher Beziehung, wo die politische und namentlich <Ue gesellschaftliche Gleichstellung der Juden verwirklicht ist, viel Mischehen vorhanden sind. Es ist das der Fall in Dänemark. Schweden, England. Ungarn. A'icht etwa* weil die luden sich an die christlichen Familien herandrängen, sondern weil in diesen' Familien die Vorurteile gehoben sind, bei den christlichen Mädchen keine Abneigung herrscht, die Konfession kein Hinderniss mehr bildet, die Annäherung, die Ausgleiclum£f~sclK>n lange Zeit vorher erfolgt ist. Man kann es beklagen, «lass die sociale Emancipafion eine solche Wirkung ausgeübt bat. eine nothwendige .und in sich begründete Folge ist es. nicht', aber ändern wird man es nicht können.. Soll man es darum aufgeben, die Gleichstellung der Juden. energisch zu betreiben? Sollen wir darum .Wieder! in die vollige Abschliessung zurückgeworfen werden, wie in Osteuropa, mir um die Mischehen zu vermeiden? I ).is kann kein denkender Jdde wollen. Vielmehr sollte man meinen, dass, wo die Juden die vollständige Gleichstellung erreicht haben, sie erst recht Veranlassung haben, sich als Juden int jeder Beziehung zu bekennen, nicht durch Mischehen eine Art Flucht aus dem Judenthum an den Tag zu legen. Man vermisst bei-ihneti den rechten Stolz, wenn sie en masse in das Lager der Andersgläubigen indirekt übertreten. Den Kindern stehen keine Hindernisse für die Ergreifung jedes Berufes im Wege. Es ist kein ersichtlicher triftiger Grund für das massenhafte Fingehen von Mischehen zu linden. Sie'dürften \o jüdischen Kreisen doch ebenbürtige und gleichgestellte Frauen finden. Die Erfahrung lehrt ja, dass in allen diesen Staaten auch die Frauenbildung eine hohe jst, und die jüdischen Mädchen keineswegs zurückstehen an Bildung, Charakter und guten gesellschaftlichen 'Fähigkeiten. Zwischen den beiden Extremen, den vornehmen und armen Schichten der Judenheit stehen — 8L —