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Bericht der Großloge für Deutschland · 1905-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1905
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1905-01-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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werden, ohne dass von unserer Seite dort Unterricht ertheilt worden wäre, darunter von 5 Ortschaften jenseits der Grenze Galiziens in Russland. Die Haarnetzerei hatte demnach iu ' einer Anzahl von Orten (14) nicht Wurzel gefasst oder nach korzem Bestände aufgehört, sie hatte sich jedoch nach anderen . Orten (28) verbreitet. Was die Zahl der Arbeiterinnen betrifft, so kann ein Vergleich mit den Verhältnissen zu Ende des Jahres 1905, über welche Zeit wir Daten besitzen, nur hinsichtlich 41 von den oben erwähnten 04 Ortschaften gemacht werden, da von den übrigen 20 O. tschaften entweder für 1902 oder für <lie Gegenwart die Zahl der Arbeiterinnen nicht bekannt ist. In diesen 14 Ortschaften gab es Ende 1902 20527 dagegen im Oktober ü»04 nur 164<*■ Arbeiterinnen: ihre Zahl war daher in der Zwischenzeit auf HO, 2 0,, gesunken. Wird berücksichtigt, dass ein. Theil der angelernten Arbeiterinnen immer und überall aas verschiedenen Gründen die Arbeit verlässt. so kann dieser Prozentsatz noch immer als ein befriedigender bezeichnet' werden.- E* darf jedoch auch nicht verschwiegen werden, dass wir gehofft hatten, es werde sich die Zahl der Arbeiterinnen trotz des in der Natur der Sache gelegenen Abfalles im Laufe der Z-it über die Zahl der angelernten Arbeiterinnen hinaus vermehren. Die Ursache, warum diese Hoffnung bisher nicht in Erfüllung ging, liegt, wie unser Sekretär erhob, darin,, dass während des Jahres 1903 durch den Unternehmer, der die Haaruetzerei in Galizien eingeführt hatte, die Arbeitslöhne mehrmals herabgesetzt _ wurden, u. z. so bedeutend, dass die Mädchen, insbesondere an solchen Orten, Wo sie im Orte selbst oder in der Umgebung eine andere Arbeitsgelegenheit fanden, in grosser Zahl die Haarnetzerei aufgaben Es muss aber bemerkt werden, dass uns in der Auswahl des Unternehmers, dem wir die Einführung der Haarnetzerei in Galizien anvertraut hatten, keine Schuld beizumessen ist. Er ist der grösste Exporteur Oesterreichs in Haarnetzen und bot dadurch die stärkste Gewähr, dass 4ie Arbeiterinnen unbeschränkt mit Arbeit versehen sein werden. Schloss ja doch im Mai 19Ö1 die ungarische Regierung mit demselben Unternehmer einen Veitrag Swr Einführung der Haarnetzerei in Ungarn, worin sie ihm, wie wir dem Wortlaute dieses Vertrages entnahmen, bedeutende Beneticien gewährte, viel bedeutendere, als ihm von unserer Seite zu theil wurden und zu theil werden konnten. - Die Folge des Lohndruckes dieses Unternehmers war nun -die, dass von seinen galizischen Faktoren der Versuch gemacht wurde, mit anderen Unternehmern in Oesterreich, Deutschland, ja sogar in England iu Geschäftsverbindung zu treten, ein Versuch, der mehrfach gelang. Dazu kam, dass in Galizien selbst jüdische Unternehmer entstanden, die für eigene Rechnung entweder am Orte ihres Wohnsitzes oder auch an anderen Orten Haarnetze anfertigen Hessen und die Ware im - Iu- oder Auslande absetzten. Gegenwärtig ist der erste Unternehmer, der die Haarnetzerei in Galizien eingeführt hatte, fast vollständig von dort verdrängt; er bekommt nur mehr von einzelnen Faktoren oder selbständigen Unternehmern Ware geliefert. Dafür giebt es dort bereits eine grosse Anzahl selbständiger jüdischer Unternehmer (GalizianeU, die mehr oder weniger Mädchen beschäftigen. So lässt einer hiervon an 31 Orten von 7«0 Mädclien, ein anderer an 7 Orten von ~> — üOO Mädchen Haarnetze verfertigen. Endlich werden auch noch an verschiedenen Orten für einzelne fremde Unternehmer Haarnetze gemacht. Wir betrachten diese Wendung der Dinge ^durchaus nicht für beklagenswert, sondern vielmehr für vorteilhaft, weil dadurch die Arbeit und der Arbeitslohn nicht mehr von einem einzigen Unternehmer abhängt, j > Die Löhne haben sich gegenüber dem Tiefstande, auf den sie der erste Unternehmer zuletzt im Oktober 1003 heruntergedrückt hatte, gehoben; sie sind aber wohl noch immer bedeutend niedriger, als zu Aufang des Jahres l'.K)3. Ein fleissiges Mädchen verdient derzeit 3-4 K. wöchentlich, ein Arbeitslohn, der für pstgalizische Verhältnisse nichts erschreckendes hat Wenn ein Fiakerkutscher in Kolomea einen Wochenlohn von K. 7,— bekommt, womit er samt seiner Familie leben muss. so dürfen die bezeichneten Löhne in der Haarnetzerei durchaus nicht verachtet werden. i Dass der Arbeitslohn sich trotz der vielen Arbeitgeber im Laufe der Zeit noch nicht gehoben hat, ru*hrt daher, dass österreichische Unternehmer sich im Jahre 1003 zu einem Lohnkartfell vereinigten, wodurch sie, einen gleichmässigen Arbeitslolmfür Böhmen, Mähren und Galizien, also für alle Länder Oesterreichs, in denen Haarnetze erzeugt werden, festsetzten und sogar eine grosse elsässische Firma (auch in Elsass, wird die Haarnetzerei betrieben l zum Eintritte in dieses Kartell bewogen. Was die galizischen Unternehmer betritlt, so siud sie. trotzdem sie nicht im Kartell stehen, zumeist nicht in der Lage, einen höheren Arbeitslohn zu bezahlen, weil die Mehrzahl von ihnen ihre Erzeugnisse an die anderen öster-, reichischeu Unternehmer abzusetzen gezwungen ist. Denn nur die wenigsten galizischen Unternehmer können mit nicht kartellierten Firmen des Auslandes in unmitfelbare Veibindung treten, da Aigge nur grössere Waarenmengen abnehmen und zwischen Uebersendung der Ware und Zahlung der Fakturen ein grösserer Zeitraum verstreicht, während der österreichische Unternehmer auch kleinere Mengen annimmt, Vorschüsse erteilt und in kürzerer Frist bezahlt, ' Wir haben daher auch schon den Gedanken erwogen und beschäftigen uns noch weiter mit der Frage, ob es nicht zweckmässig wäre, eine Zentralstelle zu errichten, welche die Aufgabe, hätte, einerseits von kleineren Unternehmern Galiziens die Ware zu übernehmen, sie auf Vollständigkeit und Güte zu prüfen und diesen Unternehmern raschestens die entfallenden Beträge zu übersenden, andererseits sich mit den englischen Exportfirmen in Verbindung zu setzen, denen die gesammelten Waarenmengen geliefert werden könnten. Ein anderes Ergebnis der Informationsreise unseres Sekretärs ist das, dass wir den Beschluss fassteu, künftighin. neuerdings in einer Reihe von Orten Galiziens den Unterricht in der Haarnetzerei neu oder wieder ertheilen zu lassen; wir haben damit bereits in Obertyn den Aufang gemacht und es dürften bald andere Orte nachfolgen. , Aus dem, Gesagten ergiebt sich, dass es mit der Haarnetzindustrie in Galizien durchaus nicht schlecht steht. Wird angenommen, dass in den Orten, über die unser Sekretär keine Nachrichten erhielt — soweit dort gearbeitet wird — in demselben Umfange gearbeitet wird, als iu den oben erwähnten 44 Orten, so kann gesagt werden, dass der Stand der Arbeiterinnen von Ende 1902 bis Oktober 1904 um 20% zurückgegangen ist, ein Rückgang, der, wie es den Anschein hat, bald wieder wettgemacht sein wird. Die Krise nämlich,

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